20.10.2017 - 16:38 Uhr
PfreimdSport

Vinzenz Paulus aus Pfreimd bei Deutscher Trial-meisterschaft der Jugend auf Platz drei: Schlammschlacht für Meister

Nach den ersten Runden ist der Schlamm knöcheltief. Die Felsenbrocken sind schmierig, der steile Pfad ist extrem glatt, eigentlich viel zu rutschig für ein Motorrad. Vinzenz Paulus schreckt das nicht. "Das liegt mir", ist er überzeugt - und hat den Beweis dafür schon angetreten.

Durch geschicktes Spiel mit Gas und Bremse schafft es Vinzenz Paulus mit seiner "Gasgas", gewaltige Felsbrocken zu überwinden, ohne dabei auch nur einen Fuß auf den Boden zu setzen. Bilder: exb (2)
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Trial" nennt sich die Nischensportart, der sich der 15-Jährige seit zwei Jahren verschrieben hat. Auf einer 125-Kubik-Maschine meistert er Strecken, auf denen es um Balance unter extremen Bedingungen geht, um das perfekte Zusammenspiel von Muskeln und Motor. Jede Menge Pokale hat der Schüler aus Pfreimd, der inzwischen im Bayern-Kader trainiert, seither schon abgeräumt. Jetzt hat er sich bei der Deutschen Meisterschaft um den Jugend-Trial-Pokal unter 40 Startern in dieser Klasse auf den dritten Platz vorgekämpft.

Gabe und Gefühl

"Er hat die Gabe, das Gefühl dafür, das ist der Wahnsinn", schwärmt sein Trainer Peter Wolf, der vom Ausnahmetalent des jungen Pfreimders überzeugt ist. Was macht ihn da so sicher? Die Antwort kommt prompt: 42 Jahre in diesem Sport. "Als ich angefangen habe hatten wir noch ganz normale umgebaute Motorräder, seit 20 Jahren erst gibt es Spezialmaschinen", berichtet der 60-Jährige aus Wernberg-Köblitz, der wie Vinzenz seine sportliche Heimat beim MSC Mitterteich hat. Gerade mal zwei Jahre habe der Jugendliche für seine Aufstieg in die Klasse 4 trainiert, wo die Konkurrenz meist zwei Jahre älter ist. "Da steckt noch Potenzial dahinter." Als sogenannter "Minder" versucht der Trainer den 15-Jährigen bei seinen Wettkämpfen zu lenken, ruft ihm zu, wo er Gas geben oder bremsen soll.

"Da geht nichts mit Gewalt, nur mit Gefühl", beschreibt Wolf die Sportart, in der Hindernisse überwunden werden, die höher sind als Autos. Vier solcher Wettkämpfe haben Vinzenz Paulus aufs Siegertreppchen katapultiert, der letzte davon fand in der Nähe von Dortmund statt. 90 Sekunden Zeit hat er dann pro Sektion, zehn solcher Sektionen machen eine Runde aus, drei Runden sind zu bewältigen. Und manchmal heißt es auch warten, wenn sich vor den Abschnitten die Fahrer stauen. "Die Meisterschaft, das war eine Schlammschlacht", berichtet Wolf, "es hat die ganze Nacht geregnet, und am Wettkampftag war alles nass, bei steilen Abfahrten kann man da kaum noch bremsen".

Der "Minder" steht dann auch zur Stelle, um den Sportler notfalls aufzufangen. "Aber sobald er ihn berührt, gibt es die größte Strafpunktzahl." Mit deutlichem Abstand hat sich Vinzenz Paulus unter diesen Bedingungen gegen die älteren Teilnehmer durchgesetzt und auf den dritten Platz vorgekämpft. Hinterher war seine schlammbedeckte "Gasgas" um zehn Kilo schwerer. "Er kämpft, beiß sich durch, wo andere resignieren", lobt Wolf den 15-Jährigen.

"Der zweite Platz wär schon auch drin gewesen", meint der junge Trial-Fahrer, "aber das ist halb so schlimm, weil den immerhin mein Teamkollege (Aaaron Schulz) belegt hat". "So wie ich das sehe, läuft das nächstes Jahr genauso erfolgreich", meint Trainer Wolf. Allerdings soll in der ersten Hälfte der Saison erst einmal die Schule Vorrang haben, weil da Abschlussprüfungen anstehen. "Die Schule ist wichtiger fürs Leben, vom Motorradfahren kann man keine Familie ernähren", gibt der Trainer zu bedenken.

Verlieren lernen

Und mit welchen Zielen startet sein Schützling in die nächsthöhere Klasse? "Vorsätze hatte ich noch nie. Spaß haben, fahren und schauen, was rauskommt", lautet die Devise von Vinzenz Paulus. Sollte es trotzdem nicht mit einem neuen Titel klappen, so ist auch das eine gute Schule, meint Trainer Wolf: "Die Fehler macht immer der Fahrer selbst, da lernt man auch, Verantwortung zu übernehmen - und zu verlieren."

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