70 000 Euro als Geschenk

Der Sattelschlepper wird mit Betten und Geräten für die Partnerkrankenhäuser beladen. Vier Lieferungen gingen heuer in die Ukraine. Bilder: Völkl (3)
Vermischtes
Pfreimd
23.12.2016
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Mit warmen Händen geben: Eine wohlhabende Seniorin aus dem Amberger Raum las den letzten Artikel, der im Neuen Tag über Projekte der "Aktion Tschernobyl" erschienen war. Die 75-Jährige beeindruckte die direkte, sichtbare Hilfe. 70 000 Euro hat die großzügige Dame der Pfreimder Initiative überwiesen.

Eine Barspende in dieser Höhe, das hatten wir noch nie", sagt Dr. Josef Ziegler mit Blick auf die letzten 25 Jahre. Das Geld der 75-jährigen Dame, die nicht genannt werden will, fließt laut Ziegler in eine neue Sterilisationsanlage für die Neurochirurgische Klinik in Kiew. Denn was helfen OP-Geräte und medizinische Ausstattung ohne die entsprechende Hygiene? Das ist zwar unpersönlicher, als Nahrungsmittel, Kleidung oder Geschenkpakete an Bedürftige zu schicken, doch für die Menschen ist die medizinische Hilfe am effektivsten, ist Dr. Ziegler überzeugt.

Vier Sattelschlepper

Die Hilfsinitiative hat einen großen Wandel mitgemacht. Die jährlichen Konvoifahrten sind mit Zuspitzung des Ukrainekonfliktes eingestellt worden. Die Hilfslieferungen laufen jedoch weiter - über eine Spedition. Vier Sattelschlepper wurden heuer beladen und mit medizinischen Hilfsgütern zu den Partnerkrankenhäusern geschickt. Der rein materielle Wert in diesem Jahr: "Rund 80 000 Euro", so Ziegler. Die intakten, fast neuwertigen Betten, Diagnosegeräte und Verbrauchsmaterialien aus Kliniken und Praxen in ganz Deutschland sind für die Menschen in der Ukraine viel mehr wert.

Dr. Ziegler bleibt seinem Grundsatz treu: "Transparenz und Kontrolle. Das sind wir den Spendern schuldig." Der Mediziner verhehlt nicht, dass es durchaus frustrierende Momente, das Gefühl der Ohnmacht gegen Lethargie und Bürokratismus gibt. Jetzt muss beispielsweise alles Russische verbannt werden. Uljanovka, die Stadt, in der eines der Partnerkrankenhäuser steht, heißt jetzt Blahovishtshenske - was die Zustellung der Hilfslieferungen nicht gerade einfacher macht.

Sterilisation aufbauen

Mit der Spende der 75-jährigen Seniorin wird in der Neurochirurgischen Klinik in Kiew - 400 Betten - eine Sterilisation aufgebaut. Die alten Anlagen aus dem Jahr 1993 wurde dreimal im Jahr von Fachkräften aus der Oberpfalz gewartet, doch nun haben sie ausgedient. Noch nicht geklärt ist die Frage der Zuleitungen, der Infrastruktur für die neue Anlage. "Das muss die Klinik selbst stemmen", so Dr. Ziegler. Erst wenn das in trockenen Tüchern ist, "wird geliefert." Das Krankenhaus in Jagotin hat mit Renovierungsarbeiten begonnen - ohne Projektplan. Das soll die Stadtverwaltung klären. Erst dann geht es mit den Lieferungen weiter.

Ein ganz anderes Bild bietet sich im Krankenhaus Uljanovka: Um zwei Agrarunternehmer hat sich eine Unterstützer-Gruppe gebildet. "Die Entbindungsstation entspricht inzwischen westlichem Muster", freut sich der Pfreimder Arzt. "Das ist eine tolle Zusammenarbeit, das klappt."

Den Schwerpunkt legt die Hilfsorganisation derzeit auf die Erneuerung der Kinderstation in Naroditschi. 32 000 Euro, das ist die Summe von Sponsoren aus der Region. 17 000 Euro legt der Verein drauf. Die Zimmer sind entkernt, eine neue Elektro- und Wasserinstallation ist fällig, ein neuer Estrich, Fenster und Türen. Vor zwei Wochen wurden Boiler, Armaturen und Fliesen geliefert. Nun muss auch noch die Heizungsanlage erneuert werden. "Das müssen sie aber selbst auf die Reihe bekommen", so Ziegler. Mitte Februar soll die Station für 33 Kinder fertig sein. Vor Ort wurde ein ukrainischer Bauleiter eingesetzt. Josef Ziegler und seine Frau Angelika sehen alle paar Wochen nach dem Rechten - auf eigene Kosten.

Ziegler ist glücklich, dass es über so lange Zeit immer wieder gelingt, Sponsoren zu gewinnen. Kliniken und Praxen unterstützen ihn mit Mobiliar und Geräten. Er hat treue Dauerspender, Privatleute und mittelständische Firmen. Abholen, sortieren, verpacken - die Helfer sind gefordert. Doch sie sind über ganz Deutschland verstreut. Wenn es darum geht, vor Ort die Ladung für einen Sattelschlepper zusammenzuzustellen, ist Ziegler froh über eine Handvoll Mitstreiter. Das Material für den nächsten Sattelschlepper steht in der Wernberger Halle schon bereit.

"Ich habe immer die Politik ausgeblendet, sie wechselt wohl auch zu häufig", stellt Dr Ziegler fest. "Es geht um die Menschen, die mit unserer Hilfe, mit Medizin und Hygiene überleben können". Die Politik könne man nicht beeinflussen, "doch wir können dafür sorgen, dass die Menschen etwas davon haben, wenn die medizinischen Verhältnisse besser werden", ergänzt Angelika Ziegler. Die Menschen haben oft drei Jobs, um zu überleben. Hier sichtbar helfen - das hat der Amberger Seniorin imponiert.

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Weitere Informationen:

www.aktiontschernobylpfreimd.de

Ich habe immer die Politik ausgeblendet, sie wechselt wohl auch zu häufig. Es geht um die Menschen, die mit unserer Hilfe, mit Medizin und Hygiene überleben können.Dr. Josef Ziegler
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