23.01.2018 - 20:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Ab Februar Infostelle für Mediation im Pfreimder Rathaus Nicht gleich vor Gericht ziehen

Bürgermeister können ein Lied davon singen: Sie sollen vermitteln, wenn Äste vom Nachbargrundstück über den Zaun ragen, Grenzstreitigkeiten hoch kochen oder Erben sich nicht grün sind. Richard Tischler holt sich eine Mediatorin ins Pfreimder Rathaus.

Bürgermeister Richard Tischler und Monika Hebeisen wollen die Mediation als Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung bekannter machen. Einmal im Monat wird kostenlos darüber informiert. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Sie heißt Monika Hebeisen. Bürgermeister Tischler kam bei einem Wirtschaftsfrühstück mit ihr ins Gespräch. Er wird nicht selten mit Konflikten zwischen Bürgern konfrontiert. Doch das sind zivilrechtliche Angelegenheiten. Die Stadt ist der falsche Ansprechpartner. "Jeder versucht, den Bürgermeister auf seine Seite zu ziehen, doch der muss ja neutral sein", umschreibt Hebeisen die Situation.

Mit Profi an einem Tisch

Hier setzt die Mediation an. "Dieses Instrument ist zu wenig bekannt", meint Bürgermeister Tischler. Es entstand die Idee, eine kostenlose Sprechstunde im Rathaus anzubieten. In Gunzenhausen hat man damit positive Erfahrungen gemacht, so Tischler nach einem Gespräch mit seinem Amtskollegen. Ziel ist es, Bürger in Konfliktsituationen in einer Sprechstunde im Rathaus über die Möglichkeit einer Verständigung - mit einer neutralen Person als Mittler - aufzuklären. Was viele nicht wissen: Bevor sich Kontrahenten vor Gericht treffen, soll nach "Paragraf 253 Klagerecht" versucht werden, außergerichtlich zu einer Lösung zu kommen, erläutert Monika Hebeisen. Effektiver seien "der professionelle Umgang mit Konflikten, unkomplizierte und kreative Lösungen". Nicht ohne Grund wurde vor sechs Jahren im Bundestag das Mediationsgesetz beschlossen. Damit möchte der Gesetzgeber Streitigkeiten zeitnah und kostengünstig beilegen.

Beim "miteinander Reden und Streiten unter kompetenter Gesprächsführung" kommt es in über 90 Prozent der Fälle "zu einer auf Konsens basierenden Vereinbarung", weiß Hebeisen aus ihrer Erfahrung. Sie nennt ein Beispiel: Das Laub von zwei großen Eichen verstopft die Fallrohre des Nachbarn. Der Eigentümer hätte sie abgesägt. Dem Nachbar ging es jedoch nur ums Laub, an den altehrwürdigen Bäumen wollte er sich aber weiter freuen. Nun teilt man sich die Reinigung.

Die Konfliktfelder

Die 54-jährige Betriebswirtschaftlerin absolvierte vor zehn Jahren ein Mediationsstudium. Sie und zwölf Kollegen der "mediation mh" haben unterschiedlichste Berufe: Bausachverständiger, Versicherer, Jurist, Betriebswirtschaftler, Verwaltungsfachmann. Denn reden reicht nicht, kompetentes Basiswissen ist gefragt, um Konflikte fundiert anzugehen. "Und man muss menschlich, empathisch sein. Fingerspitzengefühl ist gefragt", betont Monika Hebeisen.

Breit ist das Betätigungsfeld der Ambergerin: Zoff mit dem Nachbarn, Grundstücksangelegenheiten, Baustreitigkeiten, Kontroversen beim Nachlass, Scheidungskrieg. Oder GmbHs mit 50-prozentigen Anteilen, in der sich die Partner nicht mehr verstehen, Vereine, die sich nicht mehr grün sind. Auch ein großes Thema: Die Betriebsübergabe in der Landwirtschaft.

Eines ist Monika Hebeisen wichtig: "Die streitenden Parteien müssen sich darüber klar sein, dass es immer nur einen Kompromiss geben kann." Sie lässt die Kontrahenten Ziele formulieren, visualisiert sie. "Dann sehen die Parteien, dass sie im Großen und Ganzen das Gleiche wollen". Die restlichen 20 Prozent werden in Angriff genommen. Das Gespräch muss - ohne nachzutarocken - zielorientiert sein. "Das sind ja keine Silvesterwünsche". Hebeisen findet, dass vielen Menschen schon geholfen ist, "wenn sie gehört werden". Sie scheut sich auch nicht, emotionale Ausbrüche zuzulassen. "Manchmal muss einfach raus, was einem schon lange auf der Seele liegt".

Infostelle Mediation

"Talk First": Die Grundberatung über das Angebot der Mediation und weiterer 16 außergerichtlicher Konfliktlösungsverfahren gibt es jeden ersten Montag im Monat nach telefonischer Anmeldung (09606/8890) im Pfreimder Rathaus. Erster Termin ist der 5. Februar. Die Beratung ist gratis. Kosten fallen erst an, wenn man sich für eine Mediation entscheidet. Die Grundberatung bei einer Kommune gibt es derzeit nur in Pfreimd. Jeder Bürger kann sie in Anspruch nehmen.

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