06.02.2018 - 20:10 Uhr
Pfreimd

Anton Wagner begleitet evangelische Militärpfarrer "Messdiener" in Afghanistan

"Ich selbst bin Katholik", schmunzelt Anton Wagner. Doch vier Monate lang begleitet der Pfreimder die evangelischen Militärpfarrer Christian Andreas Tübler und Ralf Eckert nach Afghanistan. Er bereitet die Messe vor, hilft beim Altardienst und ist für die Geistlichen, die keine Waffe tragen, auch "Beschützer".

Vor dem Stabsquartier der deutschen Streitkräfte in Kabul: Anton Wagner (links) begleitete den evangelischen Militärpfarrer Christian Andreas Tübler (rechts). Bild: exb
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Der 57-jährige Pfreimder hat viel erlebt: 34 Jahre war der Berufssoldat in Pfreimd beim Panzerbataillon 104 stationiert. Es war die Zeit des Wandels. Im Jahr 2000 begannen die Auslandseinsätze. "Zwei mal war ich sechs Monate im Kosovo, einmal vier Monate in Afghanistan", erzählt Wagner. Mit 54 Jahren trat er 2014 in den Ruhestand. Doch so ganz ließ ihn die Bundeswehr nicht los. Bis zum 60. Lebensjahr hat Wagner die Möglichkeit, als Reservist in den Einsatz zu gehen. In seiner aktiven Zeit gehörte der Pfreimder dem Pfarrgemeinderat der Militärseelsorge an. So entstand auch der Kontakt zu Militärpfarrer Gunther Nagel aus Kümmersbruck, den er 2016 vier Monate nach Afghanistan begleitete. Nun gab es eine Neuauflage. Anton Wagner nahm Kontakt zum Evangelischen Bischofsamt in Berlin auf und fragte nach, ob seine Dienste wieder gebraucht würden. Bei Christian Andreas Tübler aus Hamburg und Ralf Eckert aus Stadtallendorf war jeweils zwei Monate ein Dienstposten frei.

Verständnisvolle Ehefrau

Ehefrau Barbara atmete zwar tief durch, als ihr Mann erzählte, dass er wieder mit nach Afghanistan gehen könnte. Sie erinnert sich noch an Zeiten, als die Soldaten eine Telefonkarte bekamen, nur per Videokonferenz in der Oberpfalzkaserne Sichtkontakt möglich war. Doch dank Whatsapp und Skype rückt Afghanistan näher. Barbara Wagner war mit der "Auszeit" einverstanden. Der Pfarrfeldwebel war im Camp Qasaba in der Sechs-Millionen-Einwohner-Stadt Kabul stationiert. Etwa 900 Soldaten sind derzeit in Afghanistan im Auslandseinsatz, 130 davon in Kabul.

Und Geistliche haben gerne erfahrene Soldaten mit Auslandserfahrung an ihrer Seite, die das Land kennen "und auch mit den kirchlichen Abläufen vertraut sind", erzählt Wagner. Sein Aufgabengebiet war zum einen Büroarbeit. Er erledigte Telefonate und Mails für den Pfarrer, der sich im Camp um die Soldaten kümmerte, bei Beziehungskrisen, Ärger mit Vorgesetzten oder Kollegen zuhörte. Wagner assistierte bei den für alle Konfessionen offenen Gottesdiensten, war Mesner und Ministrant. Für Pfarrer Tübler war es auch beruhigend, Wagner als Unterstützungssoldat an seiner Seite zu haben, wenn ins internationale Hauptquartier, in dem auch deutsche Soldaten Dienst tun, gefahren wurde - zwischen Bussen und Pferdefuhrwerken hindurch.

Die Frage des Risikos

Und das Risiko? Während Wagners Aufenthalt ist mehrfach ein Sprengsatz in Kabul detoniert. Doch das Risiko ist für Anton Wagner "akzeptabel". Deutsche Soldaten "stehen nicht im direkten Fokus der Taliban, des IS, vielmehr Zivilisten und Einrichtungen der afghanischen Regierung. Und wenn du zur falschen Zeit am falschen Ort bist, kann es dich überall treffen, auch in Europa. Falls das Risiko nicht überschaubar gewesen wäre, hätte ich es nicht gemacht". Der Einsatz in Afghanistan hat für ihn nach wie vor Sinn: "Schulen entstanden, die Infrastruktur wurde mancherorts verbessert. Ohne internationales Kontingent wäre die Situation noch schlimmer."

Geistliche haben gerne Soldaten mit Auslandserfahrung an ihrer Seite.Anton Wagner

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