16.02.2018 - 18:10 Uhr
Pfreimd

Architekt Günter Naumann stellt seine Pläne vor Denkmodelle für das Haas-Haus

"So etwas gibt es heute nicht mehr", stellt Architekt Günter Naumann mit Blick auf das Haas-Haus fest. Der Städteplaner legt in der Stadtratssitzung seine Pläne für das Baudenkmal vor, das seit vier Jahren in Besitz der Stadt ist.

Der Kernbau des Haas-Hauses (Mitte) entstand noch vor dem großen Stadtbrand, an den die Inschrift am Haus gegenüber erinnert. Links ist der neue Anbau zu sehen, der einer besseren Verkehrssituation an der Haas-Kreuzung weichen soll. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Das Paket Naumanns war beachtlich: Historie, Bestandpläne, baugeschichtliche Untersuchungen, Statik, Schadensanalyse, Nutzungskonzept und Kostenumfang lagen vor. Es gibt einen Kernbau, der vor dem großen Stadtbrand 1800 entstand, einen Anbau im Hofraum mit dem Rest einer Schmiede aus dem Jahr 1895, einen türmchenartigen Anbau aus dem Jahr 1935 und einen vorgesetzten Neubau aus den 60er Jahren. Laut Naumann gab es bereits Gespräche mit Denkmalschutz und Stadtverwaltung. Demnach sollte der Neubau aus den 60ern abgebrochen werden. Der Anbau aus dem Jahr 1935 - ein Rundbau mit Walmdach - ist sehr baufällig. Hier könnte sich das Landesamt für Denkmalpflege auch mit einem Neubau anfreunden. Gerne sähe man auch eine Rekonstruktion der eingekürzten alten Schmiede.

Genutzt werden könnte der Gebäudekomplex von der Leuchtenberger Straße aus als Verkaufsraum mit Lagerflächen und Büros. Im Obergeschoß könnte sich Naumann eine großzügige Wohnung sowie ein Zwei-Zimmer-Appartement vorstellen. Alles ist flexibel. Ob man den Geschäftsbereich in kleine Gewerbeeinheiten aufteilen möchte oder im Obergeschoß die Räume zu einer Einheit zusammenlegt: "Für den Denkmalschutz ist das Jacke wie Hose". Hauptsache, das Gebäude werde erhalten. Im Hauptgebäude stehen 129, im Nebengebäude 73 Quadratmeter zur Verfügung. Das Obergeschoß bietet 131 Quadratmeter. Die Sanierung des Gebäudes mit einer Gesamtnutzfläche von 332,9 Quadratmetern kostet rund eine Million Euro. Für Naumann stellt sich die Frage, ob er auf dieser Basis weiter planen soll.

Die Stadträte hatten Fragen. Soll man das Nebengebäude aus den 1960er Jahren wirklich abbrechen? Manfred Bruckner ergänzte Georg Hösls Frage und konnte der Kombination Alt neben Neu durchaus einen gewissen Reiz abgewinnen. Naumann hielt nichts davon, könnte doch dann die Verkehrssituation an der neuralgischen Haas-Kreuzung nicht verbessert werden. Muss die alte Schmiede wieder aufgebaut werden? Norbert Auer und Kathrin Zuber konnten sich nicht sehr dafür erwärmen. Naumann hält einen Konsens mit der Denkmalpflege für möglich. Er hat ein großes Ziel: den Fremdkörper "Neubau" herausnehmen, um eine verkehrsmäßige Verbesserung zu erzielen und wieder ein homogenes Baukörperbild im Straßenzug zu schaffen. Klaus Summer hätte gerne gewusst, welche Förderung zu erwarten sei. Naumann nannte die Quellen: Städtebauförderung, Denkmaschutz, Entschädigungsfonds, Bezirk, Bayerische Landesstiftung. Günstige Kredite gebe es bei der KfW. Doch die Höhe der Zuschüsse könne erst im Einzelfall ermittelt werden.

Kathrin Zuber vermisste Balkon und Garage, um den Wohnbedürfnissen jüngerer Leute zu entsprechen. Laut Naumann sind vier Stellplätze eingeplant. Es wäre auch eine Garage und eventuell eine Dachterrasse möglich. Außerdem gebe es einen reizvollen kleinen Innenhof. "Ist es sinnvoll, wenn die Stadt saniert oder hat ein Privatmann einen besseren Zugang zu Fördertöpfen?", wollte Kathrin Zuber noch wissen. Die Stadt sollte "zur Überwindung der Risikophase beitragen", meinte Naumann. Also aufzeigen, was an Kosten entstehe und welche Konzepte möglich wären. Doch es sollte ein privater Investor gesucht werden.

Zweite Bürgermeisterin Johanna Mertins betonte, dass die Stadt auch über ein Museum oder ein Archiv nachgedacht habe. Für Günter Naumann führt kein Weg hin. Nur wegen der Ladeneinrichtung ein Museum zu definieren, sei zu dünn, zumal man die Räume im Bürgerhaus habe. Schön wäre, wenn der neue Eigentümer die Ladeneinrichtung integrieren könnte. Und für ein Archiv fehlen die statischen Voraussetzungen. Die Präsentation blieb ohne Beschluss, um die Pläne erst mal sacken zu lassen.

Die Stadt sollte zur Überwindung der Risikophase beitragen.Architekt Günther Naumann
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