04.05.2018 - 20:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Dem Pfreimder Panzerbataillon 104 steht ein großer Einsatz bevor: Mit 450 Soldaten nach Litauen

Kommandeur Stefan Reiße kennt die Situation vor Ort. "Die Soldaten spüren, was ihr Einsatz für Litauen bedeutet". Die nächste Battlegroup, der Zeigefinger der Nato gegen Russland, kommt im nächsten Jahr aus Pfreimd. Voraussichtlich gehen etwa 450 Soldaten nach Litauen.

"Es hat Sinn, was wir hier tun." Zitat: Kommandeur Stefan Reiße
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Das Land fühlt sich durch die Annexion der Krim, durch Stellvertreterkriege mit Rebellen in der Ukraine, bedroht. "Die Nato zeigt deshalb Präsenz", erläutert der Chef der Oberpfalzkaserne. Seit vergangenem Jahr sind in den drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland sowie in Polen jeweils ein multinationales Bataillon - eine Battlegroup mit rund 1000 Soldaten - eingesetzt. Die Nato erhofft sich einen Dialog mit Russland.

Die multinationalen Truppen werden halbjährlich ausgewechselt, es gibt kein dauerhafte Stationierung. "Das soll ein Zeichen sein, dass die Nato ihre Mitglieder schützt, ohne einen Konfrontationskurs zu fahren", so Reiße. Die USA haben die Führung in Polen übernommen, Kanada und Großbritannien in Lettland und Estland. Deutschland leitet die Battlegroup in Litauen. Als erstes Kontingent war das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach ein halbes Jahr vor Ort. Aktuell sind Soldaten aus Donaueschingen in Litauen und im Sommer 2018 bis Ende Januar 2019 das Panzerbataillon aus Bad Frankenhausen. Dann verlegen die Pfreimder nach Litauen.

"Einsatzgleiche Verpflichtung nennt sich das", erläutert Oberstleutnant Stefan Reiße. "Das ist Präsenz, Abschreckung, das Zeigen von Reaktionsfähigkeit", nachdem das Pfreimder Panzerbataillon seit 16 Jahren ausschließlich Stabilisierungseinsätze in Kosovo, in Afghanistan und auf Mali geleistet hat. Der Aufenthalt in Litauen und die Vorbereitung sind auch Ausbildung und Übung in den originären Aufgaben des Panzerbataillons, des Gefechtsverbandes.

Kommandeur wechselt

Außer Deutschland sind vermutlich Holländer, Belgier und Tschechen mit je einer Kampfkompanie dabei. Mit weiteren Verstärkungskräften werden das dann rund 1300 Soldaten sein, wenn man diejenigen, die standby sind (in 30 Tagen einsatzbereit) dazurechnet. Die Zahlen und Konstellationen sieht Reiße mit Blick auf die jetzt im Mai stattfindende multinationale Force Planing Conference des Einsatzführungskommandos in Potsdam noch unter Vorbehalt. "Erst hier wird alles fest eingetaktet", meint er. Doch ein Jahr ist schnell vorbei. Da müssen Strategien darüber entwickelt werden, welche Dienstgrade, welche Fachgebiete in Litauen gebraucht werden. Stefan Reiße selbst wird nicht mehr dabei sein. Heuer gibt es einen Kommandeurswechsel in der Oberpfalzkaserne. Der Nachfolger wird sowohl den Einsatz als auch die Vorbereitung bestreiten. Diese ist bereits mit einer Gefechtsübung auf dem Truppenübungsplatz Klietz angelaufen. Im Mai/Juni geht es zwei Wochen ins Schießübungszentrum nach Munster, im Juli zur Computersimulation nach Wildflecken und im November ins Gefechtsübungszentrum Gardelegen. 450 Soldaten inklusive Stab sind für den Einsatz von Januar 2019 bis August 2019 vorgesehen. Ein weiterer folgt im zweiten Halbjahr 2020. Die Soldaten verlegen auf der Schiene und mit dem Flugzeug nach Rukla und sind hier in einem Kasernengelände der litauischen Streitkräfte untergebracht. Das Zeitfenster ist klimatisch günstig. Man kommt in die Sommermonate hinein. Mitverlegt werden 16 Leo2-Kampfpanzer plus Haubitzen und Transportpanzer. Ein gewisser Pool an Material - beispielsweise Nachtsichtgeräte - ist vor Ort.

Material gut gewartet

Um die Ausrüstung der Bundeswehr in Deutschland scheint es ja Nachrichtenmeldungen zufolge nicht zum Besten zu stehen. "Die Panzerkompanien haben ein Verschleiß- und Ersatzteilproblem", räumt Reiße unumwunden ein. "Doch unser Panzerbataillon 104 hat eine überdurchschnittliche Einsatzbereitschaftslage - dank unseres guten Personals. Ich habe das Notwendige, wir werden das schaffen".

Die Oberpfalzkaserne wird dann dünn besetzt sein. Von 800 Soldaten gehen über die Hälfte in den Einsatz. Sie fehlen "teilweise in entscheidenden Vitalfunktionen", so Reiße. Doch man wachse wieder von der Zweitrolle, der Stabilisierung in krisengeschüttelten Ländern, in die eigentliche Aufgabe des Panzerbataillons hinein. "Das ist ein guter Einsatz", ist Reiße mit Blick auf die Problematik Litauens überzeugt. "Es hat Sinn, was wir hier tun."

Es hat Sinn, was wir hier tun.Kommandeur Stefan Reiße

 

 

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