29.08.2017 - 20:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Die High Society von Iffelsdorf

"In Iffelsdorf hat eine Elite gelebt", fasst Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie im Landkreis Schwandorf, das Ergebnis der seit sechs Jahren laufenden archäologischen Ausgrabungen zusammen. In einigen Tagen machen die Studenten weiter.

Peter Egerer, Vorsitzender des heimatkundlichen und historischen Arbeitskreises "Der Stadtturm" freute sich, dass er den Kreisheimatpfleger für Archäologie, Kurt Engelhardt, für einen Vortrag über die Grabungen in Iffelsdorf gewinnen konnte. Sie werden Anfang September fortgesetzt. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Ein schwüler Sommerabend. Schlechte Papiere für einen Vortragsabend des "Stadtturms". Von wegen: Der Bürgersaal ist voll. "Ich bin kein promovierter Archäologe", schickt Engelhardt voraus. Doch fünf Jahre hat er bei Sonne, Wind und Wetter an der Grabungsstelle mitgearbeitet. Engelharts Vorgänger Ernst Thomann hatte im Bereich Iffelsdorf bereits aufsehenerregende Funde ans Tageslicht gebracht. 2011 waren dann die "Kapellenäcker" an der Straße von Untersteinbach nach Iffelsdorf erstmals das Ziel eine Lehrgrabung der Universitäten Bamberg und Wien mit Dr. Hans Losert und Professor Dr. Erik Szameit. Bevor die Studenten der Universität Bamberg am 4. September wieder anrücken - diesmal alleine, da der Wiener Professor in Ruhestand geht - warf Engelhardt einen Blick auf die akribische Arbeit vor Ort: Den Schnitt einmessen, Oberboden abtragen, ein Planum schaffen, auf dem sich Konturen und Flächen abzeichnen, in welchen der Boden "angegriffen" wurde. Die Abschnitte werden beschrieben, gelistet, eingemessen, fotografiert. Das sind Arbeitsabläufe, "die so lange dauern, wie die Arbeit mit Kelle und Schaufel." Ein Etikett mit allem Wissenswerten erhalten auch die Fundstücke.

Wertvolle Millefiori-Perlen

Um sie im Übergangshorizont zwischen Humus und Unterboden nicht zu zerstören, ging man beim Bodenabtrag händisch vor: Eine mühselige Angelegenheit. Engelhardt hatte aussagekräftige Fotos von den Arbeiten und Funden mitgebracht. In Iffelsdorf wurde eine Nekropole entdeckt, ein Friedhof mit vielen Gräbern. Die Funde lassen die Fachwelt aufhorchen. Stählerne "Feuerzeuge des Mittelalters" wurden freigelegt. Gefäße und Pfannenteile zeugen davon, dass die Hinterbliebenen an den Gräber aßen und tranken - vielleicht an Gedenktagen. Man stieß auf Skelette - und Perlen. Darunter Exemplare, "die für die Oberpfalz etwas ganz Besonderes sind". Hauptsächlich in den Kindergräbern fanden sich viele Millefiori-Perlen, die in Ägypten, Syrien oder Venedig gehandelt wurden. Der Wert einer Perle: Ein Stück Vieh.

Daran sieht man laut Engelhardt, wie bedeutend die Menschen gewesen sein müssen, wie wohlhabend, dass sie ihre Kinder so bestatten konnten. Entdeckt wurden auch Ohrgehänge, ein Langsax und ein Messer aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Christi. Für Aufsehen sorgte die Gürtelgarnitur eines awarischen Reiters. Das war kein Widerspruch zu den Slawen, die hier siedelten und beerdigt wurden. Professor Szameit spricht von einer damaligen "Multikultigesellschaft".

Die Christianisierung war schon weit fortgeschritten, berichtete der Kreisheimatpfleger. Deshalb wurden die Menschen in Blickrichtung Osten bestattet, wo die Auferstehung erwartet wurde. Trotzdem hielten die Slawen wohl noch an den alten Essensbräuchen am Grab fest - von der Kirche strengstens unter Strafe gestellt.

Es geht weiter

Eine Überraschung gab es im Vorjahr: Die Spuren eines Herrenhofs wurden freigelegt. Laut Kurt Engelhardt ist wohl daraus zu schließen, dass es sich bei den Gräbern um eine Hoflege handelt. Anhand der entdeckten Grabbeigaben stehe jedenfalls fest, dass hier "hochrangige Menschen gelebt haben." Heuer wird in einem 80 Meter langem und fünf Meter breiten Areal weitergegraben.

Die Studenten brauchen Kost und Logis. Engelhardt dankte der Stadt Pfreimd sowie den Lions Clubs Schwandorf und Oberpfälzer Wald - namentlich Zweiter Bürgermeisterin Dr. Johanna Mertins und Dr. Reinhard Proske - dass sie die Grabungen finanziell unterstützen. Dr. Mertins band in den Dank die Besitzer- und Pächterfamilie Reil ein, die ihre Flächen zur Verfügung stellen. "Die Grabungen wären ohne dieses Entgegenkommen nicht möglich."

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