02.03.2018 - 20:00 Uhr
Pfreimd

Nach einem Jahr: Sebastian Bauer berichtet über seine Archivarbeit Gedächtnis der Stadt stärken

"Sie sollen sehen, dass ich nicht nur Papier in Kartons lege", schickt Sebastian Bauer voraus. Der Archivar ist seit einem Jahr für die Städte Pfreimd und Nabburg tätig. Nun berichtet er dem Pfreimder Stadtrat über seine Arbeit, schärft den Blick für die Schätze der Vergangenheit.

Wird von Sebastian Bauer behutsam behandelt: die wertvolle Glasplattensammlung des Fotokünstlers Jakob Schmidt aus dem Jahr 1870. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Bauers Aufgabe ist es, das in der Verwaltung angefallene Schriftgut systematisch aufzuarbeiten: Bände, Urkunden, Rechnungen und Belege. Nicht alles kann aufgehoben werden. Sebastian Bauer muss entscheiden, was archivwürdig ist. Schriftstücke, die es nicht ins Archiv schaffen, kommen in spezielle Container und werden verbrannt. Dann gibt es noch zusätzlich Schenkungen, Depots und Nachlässe von Privatpersonen, die das Abbilden der Stadtgeschichte auf eine breitere Plattform stellen. Das, was ins Archiv kommt, wird bewertet, wissenschaftlich erschlossen, gesichert - um es letztendlich auch für Nachfragen nutzbar zu machen. Das amtliche Schriftgut macht in dem Fundus mit 95 Prozent den größten Teil aus.

Bauer musste sich zunächst einen Gesamtüberblick verschaffen. Da waren ihm seine Kollegen aus der Verwaltung und vor allem Helmut Friedl, der sowohl Verwaltung als auch Archiv kennt, eine große Hilfe. Bauer vermittelte den Stadträten einen Einblick in "Faust 8", das Archivprogramm, in das alles Eingang findet und mit System geordnet wird. Das hat auch den praktischen Hintergrund, dass wertvolle Schriftstücke nicht jedes mal geöffnet und angefasst werden müssen: "Faust" bietet eine komplette Übersicht mit allem Wissenwertem. Doch dazu muss das Programm erst einmal "gefüttert" werden. Akten, Urkunden, Baupläne, Fotos, Flugblätter, Postkarten, Sterbebilder und vieles mehr werden systematisch so aufbereitet, dass sie mit einem Klick zu finden sind.

Das "Anreichern" des Materials, die Recherche, ist aufwendig. Es gibt beispielsweise Ratsprotokolle, doch ohne große Erklärungen. Die Personen, die Inhalte - da muss Bauer zusätzlich in die Tiefe gehen. Nicht ohne ist auch die Archivierung alter Baupläne. Die aus den 50er Jahren haben jetzt komplett neue Flur- und Hausnummern, sind oft ohne Straßenbezeichnungen. All das muss für den digitalen Auftritt recherchiert werden, um das Thema rund zu machen. Alleine an Bauplänen für Pfreimd und Trausnitz hat Sebastian Bauer noch 3700 Stück aufzunehmen. 300 Stück pro Woche, macht zwölf Wochen. Bauer lenkte den Blick der Stadträte auch auf einen kleinen Schatz. Es gibt eine wertvolle Glasplattensammlung des Fotokünstlers Jakob Schmidt aus dem Jahr 1870.

Was mit "Faust" benutzerfreundlich digitalisiert ist beziehungsweise werden soll, lagert in drei Magazinräumen, vier Registraturräumen, in der archivinternen Bibliothek und im Eingangsbereich. Zwei große Planschränke beherbergen großformatige Pläne und Bilder. Die klimatischen Verhältnisse sind übrigens optimal, so Sebastian Bauer. Die Kapazität reicht noch aus, mittelfristig müsse man sich aber Gedanken machen. Bauer appelliert an die Bürger, das "Gedächtnis der Stadt" durch alte Festschriften, Fotografien oder Protokollbände von Vereinen zu erweitern, um das Archiv abwechslungsreicher zu gestalten. Er möchte auch die Präsenz des Stadtarchivs beim Online-Auftritt der Stadt erhöhen. "Es ist deutlich geworden, wie wichtig Archivarbeit für die Stadt ist", betonte Bürgermeister Richard Tischler am Ende des Vortrags.

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