11.07.2017 - 14:58 Uhr
PfreimdOberpfalz

Oberpfälzer Stefan Immler ist bei der Nasa ganz nah dran an neuen Entdeckungen Mission im Weltraum

Wenn es Außerirdische gibt, dann ist Stefan Immler garantiert einer der Ersten, die es erfahren. Der 49-Jährige mit Wurzeln in Pfreimd sitzt im Nasa-Hauptquartier, gleich neben dem Kapitol, dort wo in der Weltraumforschung die Fäden zusammenlaufen.

Auf diesen Apollo-11-Astronauten-Anzug kann Stefan Immler verzichten: Durch seinen Job bei der Nasa ist der Wissenschaftler mit Oberpfälzer Wurzeln dem All mit Hilfe modernster Technik ganz nah. Bilder: exb (2)
von Monika Bugl Kontakt Profil

Pfreimd/Washington. Als Astrophysiker zählt Stefan Immler zu den Chefstrategen in der Weltraum-Mission. In seinem Arbeitsfeld liegt das Hubble-Weltraum-Teleskop. Wenn es um Forschungs-Satelliten oder Experimente in der Weltraumstation geht, kurzum um alles, was High-Tech und Zukunft bedeutet, dann hat er ein Wörtchen mitzureden. Im Direktorat bei der Nasa (National Aeronautics and Space Administration) leitet der 49-Jährige das Hochenergie-Astrophysik-Programm: Röntgen- und Gamma-Strahlung soll neue Einblicke in Unbekannte gestatten.

"Hätten wir ,Röntgenaugen', dann wäre der Nachthimmel gleißend hell, weil das Weltall von dieser Strahlung durchflutet ist", schwärmt der Forscher, der schon mit 15 Jahren nichts dringlicher wollte, als einen Blick ins Universum zu werfen. Auslöser für dieses Faible war die Fernsehserie "Unser Kosmos". "Das war das Tollste, was ich je gesehen habe", erinnert sich Immler, der damals das Nabburger Gymnasium besuchte. Nach Ende der ersten Folge stand er auf und erklärte Eltern und Schwester: "Ich werde Astrophysiker und arbeite später für die Nasa."

Kollision mit Mars-Rover

Der Traum ist längst Wirklichkeit. Der Schüler von damals ist angekommen in einer Welt, in der alles "High-Tech, super hektisch sehr stressig" ist und die Arbeit mit "atemberaubendem Tempo" voranschreitet - oder besser saust. "Meinen ersten Tag am Nasa-Hauptquartier werde ich nie vergessen", berichtet Immler. Als er durch endlos lange Korridore um 6.30 Uhr morgens sein Büro ansteuerte, passierte er einen Konferenzraum mit Live-Schaltung zu Astronauten auf der Weltraumstation. Nebenan gab es gerade aktuelle Bilder von Hubble.

Im nächsten Raum zog ihn eine Videowand mit Plänen für eine zukünftige Weltraum-Mission in ihren Bann. "Und als ich weiterging, fuhr mir ein Mars-Rover im Gang fast über die Füße", erzählt der Astrophysiker. "Da wusste ich, dass ich am richtigen Ort gelandet bin, im Herzen der Nasa." Genau dort, wo er nun mit dem Chandra-Röntgenobservatorium mehr vom Universum sehen kann, als das menschliche Auge erlaubt. Sternleichen wie Neutronensterne, Pulsare, Überreste von Sternexplosionen oder Schwarze Löcher. Klar, dass er auch ganz schnell von Außerirdischen erfahren würde. "Die Frage ist nicht, ob es außerirdisches Leben gibt, sondern wann wir es finden werden", ist er überzeugt und rechnet damit, dass das in den nächsten Jahrzehnten passiert. "Meine Hoffnung ist, dass dieser Tag die Menschheit aufrüttelt, dass wir erkennen, dass unser Planet einzigartig in der Vielfalt ist und wir als Menschheit gemeinsam an der Erhaltung unseres Planeten arbeiten müssen."

Wie eine Droge

Der Forschritt führt für Stefan Immler ganz klar "ins Unbekannte", und "das macht es so spannend". Auch wenn das in seinem Fall inzwischen bedeutet, täglich von Meeting zu Meeting zu eilen, und für manches vielversprechende Projekt auch mal "den Stöpsel zu ziehen". Wissenschaft sei auch ein wenig wie eine Droge - zu stark, um damit aufzuhören, so die Erfahrung des 49-Jährigen, der davon nicht genug bekommen kann: " Ich würde gern die Zeit ändern, manchmal wie ein Gummiband strecken, damit der Tag länger ist, man mehr machen kann, manchmal in die Zukunft springen, um zu sehen, was kommt."

Stefan Immler braucht auf seiner Reise ins Unbekannte auch keinen Astronautenanzug. "Die Berührungspunkte von Theorie und Praxis sind die magischen Momente, wo Fortschritt entsteht", weiß er. "In meinen Gedanken bin ich den ganzen Tag im Weltraum, dazu muss ich nicht erst in eine Rakete klettern."

Leberkäse und Glühwein

Endlose Weiten, eine sehr diverse Gesellschaft und eine Regierungsform, die sich nicht groß in das Leben der Bürger einmischt: Das schätzt Stefan Immler an Amerika. Trotzdem vermisst er auch bayerische Lebensart: "So ne Leberkässemmel und ein Schweinebraten sind schon was Feines" stellt er klar. Einmal im Jahr veranstaltet er für Freunde einen Weihnachtsmarkt nach heimatlichem Vorbild: mit Lagerfeuer, Glühwein und Knackwürsten.

Zurück nach Europa will der 49-Jährige trotzdem nicht: "Das Wetter in Washington ist viel zu gut, um wieder nach Deutschland zu ziehen", meint der Wissenschaftler angesichts langer, heißer Sommer. Dazu kämen die hohe Museumsdichte, viel Kultur, eine große internationale Gemeinschaft, viele Parks, Grünflächen und ein großer Fluss: "Das Leben hier ist wie ein permanenter Urlaub." Sollte das Heimweh zu groß werden, setzt er sich in den Flieger und geht dann mit der Familie in den Biergarten in seiner Lieblingsstadt Regensburg. "Denn eines habe ich gelernt: Man kann den Jungen aus der Oberpfalz holen, aber die Oberpfalz kriegt man aus dem Jungen niemals raus."

Dokumentarfilme im Urlaub


Was macht ein Astrophysiker in der Freizeit? Stefan Immler versucht sein Energie-Niveau auch im Privatleben zu halten: Er dreht Dokumentarfilme. Sein erster über die Geschichte des Jazz war für ihn "erstaunlich erfolgreich". "Meine Frau und ich sind einen Sommer lang von einem Filmfestival zum anderen geflogen, und wir hatten jede Menge Spaß auf den Roter-Teppich-Galas."

Seinen kompletten Urlaub verbrachte der Wissenschaftler im vergangenen Jahr damit, den Alltag von Kohle-Bergarbeiterin in West Virginia mit der Kamera zu dokumentieren. Nun soll ein Fotobildband "Coal Towns" herauskommen. "Trotz all dieser Projekte heißt das aber nicht, dass meine Frau und ich nicht auch an den Strand fahren, um mal für ein Wochenende nichts zu tun."

Zur Person

Stefan Immler ist in Pfreimd aufgewachsen und hat in Nabburg das Andreas-Schmeller-Gymnasium besucht. Er erinnert sich noch gut an seinen Physiklehrer Mauritius Lohmann: Der habe nebenher einen Weingarten betrieben und ihm gezeigt, dass man als Physiker auch cool sein könne. Nach der Bundeswehrzeit studierte Immler an der Uni München (LMU) Physik und Astronomie. Nach dem Vordiplom wechselte er für ein Jahr ans Imperial College nach London. Zurück in München fertigte er seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching, später dann die Doktorarbeit. Einmal wöchentlich und während der kompletten Semesterferien arbeitete er nebenbei in der Weltraumforschung. Der Anruf eines amerikanischen Professors führte ihn 2000 in die USA. Die Uni von Massachusetts und die Pennsylvania State University waren Sprungbretter für die Forschung bei der Nasa. Vor vier Jahren ging es schließlich ins Hauptquartier nach Washington, wo Immler im Wissenschafts-Direktorium tätig ist. Der 49-Jährige, dessen Eltern in Schwarzenfeld leben, baut bei seiner Leidenschaft für den Weltraum auf eine Partnerin, die "im selben Boot sitzt": Seine Frau ist Physik-Professorin. (bl)

Die Frage ist nicht, ob es außerirdisches Leben gibt, sondern wann wir es finden werden.Stefan Immler
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp