18.08.2017 - 19:20 Uhr
PirkOberpfalz

Markus Specht ist geprüfter Wespen- und Hornissenberater "Wespe nicht gleich Wespe"

Wespen und Hornissen sind halb so wilde Nachbarn. Dennoch versetzen sie wie kaum andere heimische Tierarten selbst naturverbundene Menschen oft in Angst. Sind sie in diesem Jahr besonders wild? Ein geprüfter Wespen- und Hornissenberater sagt nein - und erklärt, warum.

von Rita KreuzerProfil

Als überzeugter Feuerwehrmann ist Markus Specht nahezu zwei Jahrzehnte in Pirk aktiv, die vergangenen zehn Jahre als Kommandant. Und weil ihm die Natur am Herzen liegt, hat er sich als geprüfter Wespen- und Hornissenberater ausbilden lassen. "Wir werden oftmals gerufen, wenn Wespen oder Hornissen die typischen Papiernester anlegen. Wespen sind sehr gut an den menschlichen Siedlungsbereich angepasst und als Kulturfolger zu bezeichnen." Specht bedauert, dass Nester aus Unwissenheit auf eigene Faust vernichtet werden.

Ehrenamtlicher Berater

Seine Ausbildung absolvierte Specht an der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Ingolstadt. Grundlagen waren neben der Artenbestimmung, Nestgründung und der Biologie der Hautflügler die Beraterfunktion und der Artenschutz. Der Pirker ist einer von drei ehrenamtlichen Beratern im Landkreis, die über die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt angefordert werden können. "Ab Ende Juli fliegen sie wieder. Sommerzeit ist Wespenzeit." Doch die Begegnung mit Wespen sei noch längst kein Grund zur Panik. Denn: "Wespe ist nicht gleich Wespe." Lediglich zwei Arten, die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, sorgen für den schlechten Ruf der Insekten. Sie sind mit einem Wehrstachel und einer Giftdrüse ausgerüstet, mit denen sie schmerzhafte Stiche hinterlassen.

Wichtige Insektenjäger

"Die Nützlichkeit von Wespen, die Staaten bilden, wird oft verkannt, da sie im Gegensatz zu Bienen weder Honig noch Wachs produzieren." Als Insektenjäger seien Wespen jedoch wertvolle Schädlingsbekämpfer. "Von Natur aus sind wehrhafte Insekten nicht aggressiv und stechwütig. Instinktiv verteidigen sie nur sich und ihren Nachwuchs."

Während es in Mitteleuropa nahezu 500 Wespenarten gibt, kennt der Laie nur die typische gelb-schwarze. Die Waldwespe, Hausfeld-, Heidefeld- und Bergfeldwespe meiden den Kontakt mit Menschen. Alle heimischen Faltenwespen haben einen einjährigen Lebenszyklus, die Königin beginnt im Frühjahr allein mit der Nestgründung. "Erst, wenn genügend Arbeiterinnen entwickelt sind, bleibt sie im Nest." Hornissen sind geschützt. Sie bevorzugen Hecken, Bäume, Dachböden und Gartenlauben. Ihre Nester sind meist freihängend. Sie erreichen eine Volksstärke von 300 Tieren. Sie bevorzugen Holzabschabungen für ihren Nestbau. Hornissennester bestehen aus einer papierähnlichen Masse aus zerkauten und eingespeichelten Altholzfasern. Da die Tiere ausschließlich verwitterte Holzfasern verwenden, müssen sich Betroffene keine Sorgen um ihre Bausubstanz machen.

Specht erinnert sich an ein besonders großes Nest im Anbau am Feuerwehrgerätehaus, in dem er über 10 000 Deutsche Wespen gefunden hat. Es hat einen Durchmesser von 50 Zentimeter. Die Nesthülle hat identische Lufttaschen. "Die Wespen hatten einen Zugang unter dem Schalbrett hinter der Dachrinne." Da dieses Nest nach dem Absterben des Volkes ausgedient hat und nicht mehr neu besiedelt wird, nutzt es Specht als Vorzeigebau. "Die Tiere sind auch optimale Schädlingsbekämpfer - unter anderem für Fliegen, Spinnen und Raupen." Hornissen benötigen rund zehn Kilo Insekten im Sommer, um ihren Nachwuchs zu ernähren. Gerne fressen sie auch Zuckersäfte der Blüten, reife Früchte oder Fallobst.

Diese Kohlenhydrate sind das "Flugbenzin" für die großen Hautflügler. "Unbestritten bleibt, dass es sich bei den Wespen um wehrhafte Lebewesen handelt, deren Stiche schon Schmerzen und Schwellungen zur Folge haben". Wird man gestochen, sollte man Ruhe bewahren. Das Gift einer Honigbiene ist zehnmal stärker als ein Wespen- oder Hornissenstich.

"In erster Linie jedoch gilt der Artenschutz, der sich auf das Bundesnaturschutzgesetzt bezieht. Im Vorjahr konnte ich elf Wespennester umsiedeln, erhalten und nur eines musste vernichtet werden", informierte Markus Specht.

Verhaltenstipps für den Umgang mit Wespen und Hornissen

Um sich im Alltag vor Wespen und Hornissen zu schützen, sollten folgende Tipps berücksichtigt werden:

Fliegengitter mit Maschenweite kleiner als drei Millimeter an die Fenstern anbringen.

Rollladen und Jalousien regelmäßig bewegen. So können Wespen keine Nester bauen.

Existierende Nester nicht einschließen, keine Einfluglöcher verschließen.

Insektenspray sollte nicht direkt am Nest verwendet werden.

Hilfreich ist, eine "Ablenkfütterung" einzurichten. Eine Schale mit halbierten Weintrauben in einer ruhigen Ecke des Gartens bewirkt Wunder.

Süße und fleischhaltige Nahrungsmittel abdecken.

Süße Getränke mit Strohhalm trinken. Das ist besonders wichtig bei Getränken in Dosen.

Vorsicht beim Barfußlaufen über Sommerwiesen.

Obst früh ernten und sammeln, denn Wespen lieben Fallobst. (zer)

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