29.08.2017 - 20:00 Uhr
PirkOberpfalz

Oberpfälzer baut afrikanische Jemben Trommelperle aus Erle

"Ich würde gerne Klavier spielen können. Aber bei Musik und Sprachen fehlt es bei mir." Stefan Egeter ist mehr der kreative Techniker - und damit den Rhythmen Afrikas eng verbunden.

Auf den Klang der Trommel wirken sich viele Faktoren aus, hat Stefan Egeter festgestellt. Der Pirker experimentiert bei den Jemben und Congas mit Materialstärken, mit dem Fell junger oder alter Ziegen und verschieden abgerundeten Kanten. "Ich habe mir vieles abgeschaut und probiere aus, was mir logisch erscheint." Bilder: ui (2)
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Die Gitarre, mit der der in Scherreuth bei Windischeschenbach aufgewachsene Pirker vor langer Zeit angefangen hat zu musizieren, hat jetzt die Tochter. "Ich kann kein Instrument spielen." Aber er hat es immer wieder probiert.

Im Weidener Juz hat Egeter zusammen mit einem Freund vor Jahren bei einem Senegalesen namens Omar einen Trommel-Workshop mitgemacht. "Für mich war es total schwierig, die beiden Hände in verschiedenen Geschwindigkeiten zu bewegen." Zusammen mit dem Kumpel kaufte er Omar eine Jembe ab - und beschloss, so ein Instrument selbst zu bauen.

Pappel von der Donau

Der heute 55-Jährige zog nach Crailsheim, war Hausmann und kümmerte sich um den Nachwuchs. Nebenbei holte er vom Donauufer ein vier Meter langes Stück Pappel, aus dem er einen indianischen Totempfahl schnitzen wollte. Der letzte Abschnitt des Stammes war für die erste Trommel reserviert.

Die Holzarbeiten waren schnell erledigt, die Bespannung wollte Egeter ursprünglich einen Afrikaner machen lassen. Die Bestellung eines Fells in einem Musikladen klappte nicht. Amazon und Ebay waren 1997 noch nahezu unbekannt, Youtube noch nicht gegründet. "Also musste ich auch die Haut selber machen." Viele Gespräche später landete er bei einem Metzger in Kaltenbrunn, der damals immer wieder einige Ziegen schlachtete.

Von einem Tierpräparator kam der Tipp, die Haut aufzuspannen, Fett und Fleischreste zu entfernen und im Schatten zum Trocknen aufzuhängen. "Ich bin Vegetarier und habe fast gek...", erinnert sich der Vater einer Tochter. Am Rand der Haut waren noch Fleischreste, aus denen nach kürzester Zeit Maden krochen.

"Die Stücke habe ich abgeschnitten, die Haut zusammengerollt, aufs Autodach geschnallt, und dann bin ich nach Crailsheim gefahren." Dort kam die Haut in Wasser mit gelöschtem Kalk, danach ließen sich die Haare entfernen. "Dann sieht es aus, wie weißes Fensterleder und ist schon viel sympathischer."

Egeter schweißte die Ringe für die Bespannung viel zu dünn und mit zu wenig Befestigungspunkten. "Man hat schon trommeln können, aber es hat sich alles verzogen." Also: Alles runter, Haut einweichen, neu bespannen. "Beim dritten Mal hat es funktioniert."

Kraft zum Spannen

Mathe ist gefragt beim Ausmessen der Seile. Eines für die Schlaufen an den Metallringen und 35 bis 40 Meter für das Netz. Egeter verwendet farbenfrohe Reepschnüre, wie sie Kletterer mit in den Fels nehmen. "Rauf und runter und immer die komplette Länge durch die Schlaufen durchziehen, Abstand ausrichten, nachspannen und mit viel Kraft und Lederhandschuhen die Querspannung herstellen." Das sehe schwieriger aus, als es ist, meint der gelernte Mechaniker und Werbe-Fotograf, der jetzt als selbstständiger Messebauer seine Brötchen verdient.

Am besten ist Erle, sagt Egeter auf die Frage, welches Holz er verwendet. Auch Apfel- und Birnenholz hat er schon ausgehöhlt und mit Fell bespannt. "Das sind schon besondere Stücke, wenn ich sie für jemanden aus dem Holz mache, das von einem gefällten Gartenbaum stammt."

Die ersten Trommeln hat er noch geschnitzt. Mittlerweile kommen Motorsäge, Flex und selbst gebaute Werkzeuge wie eine Art handbetriebene langsame Drechselbank oder eine Zange aus alten Holzteilen zum Messen der Holzdicke zum Einsatz.

Was in den Instrumenten steckt, hörte Egeter bei Borel de Sousa. "Der hat natürlich als Könner ganz anders draufgehauen." Für den in Brasilien geborenen Multipercussionisten sollte der Handwerker eine Trommel neu bespannen. "Ich habe seine und er hat meine mitgenommen. Wir haben uns nie wieder gesehen." Nur zwei Stunden hatte der Oberpfälzer in Augsburg einen Kurs bei dem Musiker besucht und dazu seine eigene Jembe mitgenommen.

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