Krippenausstellung in Pleystein
Ein Krippe ist nie fertig

Alfred Rappl hat sich mit dieser Krippe verewigt. Für den Verstorbenen stellt Schwager Albert Schneider sie bei der Schau auf.
Freizeit
Pleystein
23.12.2016
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Im fünfjährigen Turnus lädt die Pleysteiner Interessengemeinschaft der Holzschnitzer zu ihrer Krippenausstellung ein. Doch wie lange dauert es eigentlich, bis eine Krippe fertig ist?

Weit über 20 Krippen sind im Bachofnersaal ausgestellt. Bei der Gestaltung haben sich die Holzschnitzer ihre eigenen Gedanken gemacht. Das gilt auch für den Stall mit der Krippe. Mal ist dies dem Augenschein nach ein recht marodes Gebäude, dann wieder ein prächtiges Haus. Sogar ein baulicher Ausflug ins Orientalische wird gewagt. Doch eines ist bei allen Krippen gleich: Das Christuskind auf Stroh gebettet, Maria und Josef sowie der Ochs und der Esel stehen im Mittelpunkt.

Mit der Schau wollen die Holzschnitzer aber nicht nur an die Geburt Jesus erinnern, sondern den Besuchern die Freude und den Spaß am Umgang mit Holz als einzige Arbeitsgrundlage weitergeben. Weihnachtskrippen haben seit jeher die Hobbykünstler fasziniert. Der beste Beweis in der Ausstellung ist die Präsentation eines über 70 Jahre alten Exponats. Der Erbauer hatte damals seinen eigenen Beruf mit dem Geschehen in der Stadt Bethlehem verbunden: Neben der Krippe dreht sich ein Mühlrad, dass den Hammer einer Schmiede antreibt.

Zu groß für die Wohnung

Doch wie lange dauert es, bis so ein Werk fertig ist? Genau genommen kann eine Weihnachtskrippe nie als fertig betrachtet werden. Gerhard Müller, Vorsitzender der Schnitzergemeinschaft und seit über zwei Jahrzehnten im Umgang mit den scharfen Messer geübt, weiß das nur allzu gut: "Immer wieder ergänzen wir unsere Exponate um eine weitere oder auch mehrere Figuren."

Seine eigene Krippe ist mittlerweile auf über sechs Quadratmeter gewachsen. Damit ist sie zu groß für die eigene Wohnung. Dafür hat Müller eine "Zweitausgabe" geschaffen mit rund 40 Zentimeter großen Figuren, sich aber auf das Jesuskind in der Krippe, Maria und Josef, den Ochs und den Esel sowie ein paar Hirten beschränkt. Bei seinen Kollegen ist es ähnlich. Auch hier wachsen die Krippen immer wieder.

Geduld gehört beim Schnitzen neben dem rund drei Jahre gelagerten und restlos trockenen Lindenholz dazu. Vier Stunden werden benötigt, um ein Schaf mit all seinen Nuancen auf dem Fell entstehen zu lassen. Wenn dann 10, 20 oder gar über 100 Schafe in einer Krippe zu sehen sind, kann der Zeitaufwand nur noch geschätzt werden.

Zehn bis zwölf Stunden arbeitet ein Schnitzer an einem Josef, der Maria oder einem Hirten. Ein Leistung, die beim Verkauf von Figuren nicht bezahlt werden kann. Zudem ist kein "Schmerzensgeld" berücksichtigt. Denn manchmal geht der Schnitt nicht ins Holz, sondern in den Finger. Große Krippen sind nach den Worten Müllers nicht bezahlbar, sondern stellen einen immensen ideellen Wert dar.

ÖffnungszeitenDie Krippenausstellung ist vom 26. bis 30. Dezember und vom 1. bis 8. Januar jeweils von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Es besteht auch die Möglichkeit, von Hand gefertigte Figuren, Krippen und profane Figuren zu erwerben. (bey)
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