09.08.2014 - 00:00 Uhr
PleysteinOberpfalz

Holländer Antoon Bink konnte fliehen und überlebte Todesmarsch - Angehörige besuchen Stadt Pleysteiner halfen KZ-Häftling

Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte haben Marijke Zwolschen mit ihrem Ehemann Ruud und Sohn Youp aus den Niederlanden bei ihrem Besuch in Pleystein aufgeschlagen. Licht ins Dunkel über das Leben von Antoon Bink, dem Vater von Marijke Zwolschen, zu bringen, war das Ziel des Kurzaufenthalts in der Stadt.

von Walter BeyerleinProfil

Bink gehörte dem Todesmarsch der KZ-Häftlinge aus Flossenbürg nach Dachau an, der Ende April 1945 durch Pleystein zog. Trotz der Dramatik hat die Tochter des einstigen KZ-Häftlings erfahren: Ohne die Hilfe Pleysteiner Bürger hätte Vater Antoon nicht überlebt.

Bink war am 27. März 1945 als Zwangsarbeiter ins KZ Flossenbürg eingewiesen worden. Nur vier Wochen später startete der Todesmarsch der Häftlinge ins Konzentrationslager Dachau. Nahe Pleystein gelang Bink und einem weiteren Häftling die Flucht. Auf Irrwegen und in ständiger Lebensgefahr kamen die beiden zur Unteren Bartlmühle. Dort wurde ihnen Zuflucht gewährt, Nahrung gegeben, bis die amerikanischen Soldaten die Stadt besetzten und die weiße Fahne gehisst wurde.

Bink hat Zeit seines Lebens im Familienkreis kaum über die schrecklichen Ereignisse gesprochen. Enkelsohn Youp wollte aber Licht in das Dunkel bringen, das sein Großvater nach seinem Ableben 1981 hinterlassen hat. Die Suche nach der Wahrheit war schwer, berichtete die Familie bei einem Besuch im Pleysteiner Rathaus. Dort hatten Bürgermeister Rainer Rewitzer und Altbürgermeister Johann Walbrunn die Chronik der Stadt aufgeschlagen, in der der ehemalige KZ-Friedhof auf dem Marktplatz abgebildet ist. Die Bartlmühle hätten sie überall gesucht, in Verbindung mit dem Namen Zeller, der ihnen bekannt gewesen sei, erzählt Marijke Zwolschen. Doch die Suche blieb zunächst erfolglos.

Bartlmühle der Schlüssel

Zusammen mit Annette Kraus von der historischen Abteilung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg gelang es dann, die Verbindung nach Pleystein herzustellen. Im Pleysteiner Rathaus ging es mit der Erforschung des Lebensabschnitts von Bink in der Stadt schnell und unbürokratisch weiter. Walbrunn stellte den Kontakt zu Albert Zeller her, der als neunjähriger Bub auf der Unteren Bartlmühle mit seinen Eltern gelebt hat.

Albert Zeller begrüßt die Gäste aus den Niederlanden und Begleiterin Annette Kraus herzlich. Mittlerweile 78 Jahre alt, gelingt es dem Pleysteiner immer wieder, sich an die Zeit zu erinnern. Er weiß genau, wie die beiden Häftlinge vor der Tür standen und um Hilfe baten. Hoch oben auf dem Galgenberg hatte Antoon Bink ein Licht gesehen, das von der Bartlmühle stammte. Dort war Zellers Vater als Polier in der Glasschleife tätig. Außerdem existierte eine kleine Landwirtschaft. Im Futterkorb für die Kühe versteckten die Kinder das Essen für die in Sicherheit gebrachten Häftlinge. Zeller kann sich auch an den Namen des zweiten Häftlings erinnern: Swarenstein sei der Name gewesen, berichtet er und ergänzt, dass dieser ehemalige Häftling Anfang der 60er Jahre in Pleystein war und seinem Lebensretter als nachträglichen Dank für die Hilfe eine goldene Uhr geschenkt hat. Der Pleysteiner erzählt den niederländischen Gästen, über die versteckten Häftlinge aus Angst vor Verrat stets streng geschwiegen zu haben. Für Zwolschen und ihre Familie hat sich die Fahrt nach Pleystein über den Umweg Flossenbürg gelohnt. Sie haben sich davon überzeugt, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen in der Stadt groß war.

Wo heute Wiesen sind

Im Anschluss an den Besuch bei Zeller führt der Weg noch zur Unteren Bartlmühle, die aber nur noch mit einem einzigen Gebäude existiert. Dort, wo die Scheune und der Stall standen, sind heute grüne Wiesen. Die Besucher sind dankbar, auch diese Umgebung gesehen zu haben.

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