Hauptfeldwebel Christian Ertl aus Pleystein berichtet von seinem schwierigen Einsatz in ...
"Ruhig, aber überhaupt nicht stabil"

Auch in Afghanistan hat Hauptfeldwebel Christian Ertl seine Heimatstadt nicht aus den Augen verloren. Der Fußballer des TSV berichtete in einem Brief von seinem Einsatz. Bild: tu
Lokales
Pleystein
27.04.2013
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Seit einigen Monaten ist Hauptfeldwebel Christian Ertl aus Pleystein in Afghanistan in der Task Force Kundus stationiert. Der 30-jährige Fußballer des TSV, der dem Panzergrenadierbataillon 122 in Oberviechtach angehört, schrieb an den TSV-Vorsitzenden Josef Windirsch einen Lagebericht. Außerdem wünschte er seinen Mitspielern von der ersten und zweiten Mannschaft noch viel Erfolg in der Saison.

Zunächst dankte der Berufssoldat für die Bratheringe, die pünktlich zwei Tage vor Karfreitag aus der Heimat bei ihm angekommen sind. Die Lage in der Provinz Baghlan bezeichnete er als zwar ruhig, aber nicht im geringsten stabil. Es gebe derzeit keine Informationen, dass Aktionen gegen die Internationale Sicherheits-Unterstützungstruppe (ISAF) geplant seien oder durchgeführt werden sollen.

In der letzten Zeit seien einige Angriffe auf lokale Sicherheitskräfte zu verzeichnen gewesen. Es habe zwei tote afghanische Polizisten und zwei Schwerverletzte gegeben, die in einen Hinterhalt gelockt worden seien.

"Jedes Mal, wenn wir rausfahren, ist allerhöchste Konzentration und Vorsicht gefordert. Ich besuche mit meinem Panzergrenadierzug, der sich aus 32 Soldaten und insgesamt zwölf Fahrzeugen zusammensetzt, öfters die Civil Order Police (COP's) an der Nordgrenze des Baghian-Tales an den Durchmarschrouten der Taliban. In der letzten Zeit ist es gelungen, einige Talibanführer auszuschalten", berichtet Ertl.

Hochwertige Bewaffnung

Sein Zug verfüge über Schützenpanzer Marder, Transportfahrzeuge Dingo und Transportpanzer Fuchs. Die Bewaffnung und Ausstattung der Soldaten sowie der Fahrzeuge sei sehr hochwertig.

"Die Bevölkerung tritt uns mit gemischten Gefühlen gegenüber. In manchen Bereichen wird wie wild gewunken, in anderen Gebieten werden wir mit Steinen beworfen. Aber auf solche Situationen reagieren wir gelassen und entspannt. Ab und zu sind wir auch mit den Schützenpanzern draußen, um zu zeigen, dass wir noch mit größter Kampfkraft vor Ort sind. Das machen wir, um Aufständische einzuschüchtern und ihnen zu zeigen, dass es sich nicht lohnt, uns anzugreifen."

Vor den "Mardern" herrsche in der Provinz Baghlan Riesenrespekt, da die Afghanen in den letzten Jahren miterleben mussten, was dieses Fahrzeug mit seiner Besatzung leisten könne.

"Ansonsten befinden wir uns in der Rückbauphase des Observation Post (OP) North. Mittlerweile sind wir von der Spitze des Berges schon ins Tal umgezogen. Die Pioniere leisten wahnsinnige Arbeit. Sie haben die Aufgabe, den ganzen Bereich zurück- und abzubauen. Unsere ehemalige Station auf der Bergspitze existiert schon nicht mehr. Wann wir letztlich den Stützpunkt verlassen, wissen wir noch nicht genau, da es noch einige Aufträge für uns gibt, die wir abarbeiten müssen."
Die Provinz Baghlan sei von der Umgebung her atemberaubend. Geographisch liege sie im Dreieck Masar-i-Scharif, Kundus und Kabul und sei somit strategisch wichtig für ISAF. Die Provinz werde durch den Baghlan-Fluss in eine Ost- und eine Westhälfte geteilt. Das grüne Tal erstrecke sich über 60 Kilometer von Südwest nach Norden und liege eingebettet zwischen Gebirgszügen.

Es werde viel Ackerbau betrieben. Wie die Bauern ihre Felder bestellen würden, sei für deutsche Verhältnisse unvorstellbar. "Sie schaufeln sich quasi durch das Feld. Danach wird mit Hand der Samen ausgebracht und sorgfältig mit den nackten Füßen festgetreten."

Nach Hause

"Für uns soll es voraussichtlich am 31. Juli nach Hause gehen. Das ist erfahrungsgemäß aber erst Realität, wenn wir in der Maschine sitzen und diese sich in der Luft befindet."
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