20.10.2017 - 15:22 Uhr
PleysteinOberpfalz

Pleystein beantragt Entwicklungskonzept Stadtkern aufpolieren

Wie sieht die zukünftige Entwicklung der Stadt Pleystein aus und was gilt es besonders zu beachten? Mit integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten (ISEK) tun sich die Kommunen leichter, ihre Hausaufgaben zu machen. Auch die Verantwortlichen im Pleysteiner Rathaus holen sich nun planerische Unterstützung.

Nicht nur die Straße ist in der Steingasse in einem maroden Zustand. Neben wunderschön renovierten Häusern stehen leider auch einzelne verfallene Gebäude. Hier will die Stadt in den nächsten Jahren ansetzen.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Der Stadtrat hat 2016 den ersten Schritt gemacht und aus den Städtebauprogrammen bei der Regierung der Oberpfalz Fördermittel beantragt. Geschäftsleiter Günter Gschwindler beschreibt das Prozedere: "Derzeit läuft die Ausschreibung für das Architekturbüro, welches das Entwicklungskonzept für uns erstellen soll. Es wird etwa ein Jahr dauern bis die ISEK-Ergebnisse vorliegen. Erst nach diesem Abschlussbericht können wir die Maßnahmen angehen." Und diese städtebaulichen Projekte werde man in Absprache mit den Bürgern vorantreiben.

Als Impulsprojekt nennt der Verwaltungschef die Marktplatzsanierung mit Leerstandsoffensive mit den Anschlüssen Steingasse und Pfarrplatz. Für die städtebauliche Sanierung wird sich die Kommune viel Zeit nehmen müssen. "Ich gehe von einem Planungshorizont von 25 bis 30 Jahren aus", schätzt Gschwindler.

Bürgermeister Rainer Rewitzer erklärt, dass das Untersuchungsgebiet durch die historischen Stadtgräben vorgegeben sei. Das Hauptaugenmerk legt der Rathauschef auf Familienfreundlichkeit: "Junge Leute sollen sich im Stadtkern wieder wohlfühlen." Der Geschäftsleiter spricht die Barrierefreiheit an. Im Hinblick auf den demografischen Wandel sei dies unabdingbar. Nicht zuletzt seien auch die Bewohner des Seniorenheims oft und gerne auf dem Marktplatz unterwegs.

Eine Aufgabe sei es, die Gebäude attraktiver zu gestalten und mit Leben zu füllen. Derzeit, so Gschwindler, würden am Marktplatz und in dessen unmittelbarer Nähe vier Häuser leer stehen. Er könne sich sehr gut vorstellen, dass sich - bei zusätzlichen finanziellen Anreizen - junge Familien im Stadtkern ansiedeln. Es gebe bereits positive Beispiele, die Nachahmer finden könnten. Der Geschäftsleiter sieht durchaus Potenzial in den alten Gebäuden, die mit wunderschönen Innenhöfen punkten könnten. Vom Marktplatz aus könne man nicht erahnen, was sich hinter den Fassaden verberge. Grundsätzlich sei das Pleysteiner Zentrum versorgungstechnisch gut aufgestellt. Im Stadtkern gebe es Bäcker, Metzger, Ärzte und gute Busverbindungen.

Rewitzer und Gschwindler lassen sich nach und nach einige Visionen entlocken. Ihre Vorstellungen von der künftigen Stadt Pleystein müssen schließlich mit der Bevölkerung gut abgesprochen und vor allem finanzierbar sein. Im Stadtmuseum könnte man zum Beispiel das Dachgeschoss als Bürgersaal nutzen - vorausgesetzt es lasse sich Barrierefreiheit organisieren. Der Rathaus-Anbau an der Neuenhammerstraße 3 wäre prädestiniert für Mietwohnungen oder noch besser: als Stadtarchiv, in dem alle Unterlagen zentral greifbar wären.

"Eins ist sicher: Alleine mit dem Straßenausbau wird es nicht getan sein", erklärt Gschwindler. Ihm schweben vielmehr kleine "Erholungsoasen" vor. Die Reaktivierung und Offenlegung von Teilbereichen des Stadtbachs sei dabei ein möglicher Mosaikstein für einen attraktiveren Stadtkern.

Nicht ausschließen will Gschwindler, dass sich die Stadt selbst um die Belebung des Marktplatzes bemüht, indem sie als Käuferin auftritt und die eine oder andere Immobilie anschließend vermietet. Was spreche dagegen, dass sich beispielsweise eine Praxis für Ergotherapie am Marktplatz ansiedelt? Förderprogramme sollen Privatleute dazu animieren, ihre Häuserfassaden zu erneuern. Eventuell bekomme Pleystein als Stabilisierungskommune sogar noch mehr als die üblichen 60 Prozent Zuschuss für städtebauliche Sanierungsmaßnahmen. Dem Bürgermeister ist die Vorfreude auf die ISEK-Ergebnisse anzumerken. Nach all den "unterirdischen" Maßnahmen und Projekten in Sachen Wasser und Kanal geht es nun in Pleystein in den kommenden Jahren darum, die Oberfläche der Stadt aufzupolieren.

Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept

In vielen Kommunen ist eine integrierte Stadtentwickungsplanung bereits bewährte Praxis. Vor allem integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte (ISEK) haben sich als geeignetes Mittel zur Umsetzung integrierter Ziele und Maßnahmen erwiesen. Ein ISEK schafft konkrete, langfristig wirksame und vor allem lokal abgestimmte Lösungen für eine Vielzahl von Herausforderungen und Aufgabengebieten wie zum Beispiel städtebauliche, funktionale oder sozialräumliche Defizite und Anpassungserfordern-nisse. Ein ISEK zeigt diese Problembereiche für einen konkreten Teilraum auf und bearbeitet sie ergebnisorientiert. Dabei berücksichtigt es regionale und gesamtstädtische Rahmenbedingungen. Nach der Verwaltungsvereinbarung (VV) Städtebauförderung ist die Erstellung eines ISEK Fördergrundlage für sämtliche Programme der Städtebauförderung. (ck)

Eins ist sicher: Alleine mit dem Straßenausbau wird es nicht getan seinVerwaltungsleiter Günter Gschwindler
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