Als Heimatforscher einen Namen gemacht
Die vielen Talente von Poblotzki

Siegfried Poblotzki. Repro: tu
Vermischtes
Pleystein
13.01.2017
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Siegfried Poblotzki war als Heimatforscher über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Aber auch seine berufliche Laufbahn bietet interessante Aspekte.

Heuer jährt sich der 100. Geburtstag und der 20. Todestag von Poblotzki. Daher bereitet der Museumsarbeitskreis eine große Sonderausstellung über die Schwerpunkte seiner Heimatforschung, Chronistentätigkeit und sein Kunstschaffen vor. Diese Präsentation im Stadtmuseum soll ab Mai über die Bühne gehen und an das verdienstvolle Wirken dieses bedeutenden Sohns der Stadt Pleystein erinnern.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Dienstag, 18. November 1997, die Nachricht vom Tod des bekannten Heimatforschers. Der Träger der Bürgermedaille und des Bundesverdienstordens erlitt im Mai 1992 einen Schlaganfall, von dem er sich nie mehr erholte. Die letzten Monate seines Lebens verbrachte er in einem Seniorenwohnheim in Altenstadt/WN, ehe seine schwere Krankheit eine Einlieferung in das Kreiskrankenhaus Neustadt/WN erforderlich machte, wo er auch starb. Seine Frau Maria war ihm am 6. August 1997 im Tod vorausgegangen.

Siegfried Poblotzki, geboren am 13. Mai 1917 als viertes und jüngstes Kind von Johann und Kreszentia Poblotzki, lernte nach dem Besuch der Schule Drogist. Nach der Übernahme des elterlichen Gemischtwarengeschäfts 1948 baute er dieses zusammen mit seiner Gattin Maria, geborene Walcher, die er am 29. Februar 1947 geheiratet hatte und die ihm zwei Töchter schenkte, zu einer Drogerie aus.

Gesellenprüfung mit 58

1972 wurde das Fachgeschäft geschlossen, musste doch Maria Poblotzki nach dem Tod ihres Vaters Fritz Walcher die Autoelektrik- und Ankerwickeleifirma in Weiden übernehmen. Siegfried Poblotzki bestand 1975 die Gesellenprüfung als Kfz-Elektriker im Alter von schon 58 Jahren und leitete das Unternehmen mit.

Seine große Passion blieb jedoch die Geschichtsforschung und die Erforschung der näheren Heimat. Nach langjährigen Archivarbeiten in Amberg, München, Wien und Prag erschienen die Werke "Die Geschichte der Stadt und Herrschaft Pleystein"1967, "Moosbach - Chronik des Marktes und des ehemaligen Gerichtsbezirks Treswitz" 1971, "Geschichte der Grenzlandgemeinde Markt Waidhaus" 1979, "Geschichte der Stadt, der Herrschaft und der Pfarrei Pleystein" 1980, "Geschichte des Marktes Moosbach" 1982 und "175 Jahre Kreuzbergkirche Pleystein" 1989. Außerdem verfasste er mehr als 150 Geschichtsberichte, die in Zeitschriften veröffentlicht wurden. Als freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks gestaltete er Sendungen über Besonderheiten seiner Heimat. Für seine weitere Lieblingstätigkeit, die Malerei, blieb ihm nur noch wenig Zeit.

Poblotzki gehörte als Maler und Grafiker seit 1950 dem Berufsverband Bildender Künstler, Nürnberg, an und beteiligte sich dort an Ausstellungen in der "Fränkischen Galerie" am Marientor. Später kam dieses Steckenpferd überwiegend in Illustrationen und Entwürfen zur Geltung.

Als einen echten Erfolg sah er selbst die Entdeckung und Erforschung der Vorgeschichte. Anhand zahlreicher Funde konnte er entgegen früherer gegensätzlicher Ansichten die Existenz des steinzeitlichen Menschen im Bereich des Oberpfälzer Walds nachweisen. Seine versierte Tätigkeit erfuhr vielfache Anerkennung. So verlieh ihm seine Heimatstadt Pleystein 1977 die Bürgermedaille. 1978 erhielt er die Medaille des Bundesverdienstordens und 1979 die Landkreismedaille.

"Molkerer-Siegfried"

Der Bayerische Landesverband für Heimatpflege verlieh ihm 1982 die Medaille für vorbildliche Heimatpflege. Im Lexikon für Bayerische Gegenwartsliteratur", 1986 erschienen, sind seine Veröffentlichungen aufgeführt. Der Publizist und Autor hat ferner zahlreiche Festschriften verfasst.

Wegen seiner unermüdlichen Bemühungen sind auch die Hallstattgräber bei Lohma gefunden worden. 1996 erhielt er den Kulturpreis des Landkreises Neustadt/WN für seine besonderen Verdienste um das Kunst- und Kulturleben. Poblotzki hat die Geschichtserforschung der näheren Heimat mit unbeschreiblicher Mühe, Geduld, Liebe und mit erheblichen finanziellen Mitteln betrieben und sich obendrein als Förderer und Wiederentdecker von alten Bräuchen in der Oberpfalz einen Namen gemacht. Der "Molkerer-Siegfried", wie er mit seinem Hausnamen genannt wurde, bleibt in der Region unvergessen.
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