31.03.2017 - 22:00 Uhr
PleysteinOberpfalz

Landratsämter heben die letzten Vogelgrippe-Schutzzonen auf – Wie geht es Tieren und Besitzern ... Stallpflicht: Vogelfrei nach fast 120 Tagen

Von Beate-Josefine Luber

Die Hühner sind wieder frei. Die Vogelgrippe-Erreger verbreiten sich weniger, wenn es wärmer ist, informiert das Landratsamt Neustadt. Bild: Popp
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Pleystein. Es ist vorbei. Die Stallpflicht ist gelockert, für viele Gemeinden in der Oberpfalz ganz überstanden - bis auf Widerruf. Von 19. November bis 17. März waren Tausende Tiere in der Region eingesperrt. Nun dürfen die Nutzvögel wieder raus und es gibt Freilandeier. Doch wie geht es den Tieren und Besitzern nach knapp vier Monaten?

In den letzten Tagen hoben die Landratsämter auch die letzten Beobachtungsgebiete auf, wie etwa in Konnersreuth und Waldsassen (Kreis Tirschenreuth) sowie Pleystein (Kreis Neustadt/WN). "Wir haben nach toten Tieren gesucht, mit Geflügelbesitzern geredet", erzählt Dr. Ralf Blome vom Veterinäramt am Landratsamt Neustadt. Nach dem infizierten Schwan vor einigen Wochen in Pleystein fanden sich keine Hinweise mehr auf Vogelgrippe-Fälle. "Letztendlich muss man das auch mit dem Tierschutz abwägen." Eine Umfrage unter Geflügelbesitzern aus der Region zeigt: Tiere und Besitzer litten, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Bauer Karl Balk vom Griesslhof in Burkhardsrieth bei Pleystein verkauft Freiland-Eier von etwa 6000 Legehennen, dazu hat er noch100 Gänse. Er bestätigt: "Die Legeleistung hat nachgelassen." Seine Hennen konnte er in einen Wintergarten auslagern. Doch für die Gänse musste er eine Gerätehalle ausräumen. "Die haben das lange nicht kapiert, dass es nicht raus geht. Die waren verstört, haben nichts gegessen", sagt er. "Für die Tiere ist das eine Qual." Seine Freilandeier musste er als Bodenhaltung verkaufen. Doch er konnte sich mit den Kunden einigen, musste den Preis nicht reduzieren. Was Balk nicht versteht: Die Bio-Eier würden trotz Stallhaltung als Bio-Eier verkauft und gestempelt. "Von einer Bio-Henne erwarte ich doch, dass sie ins Freiland raus darf." Er bezweifelt auch, dass die Stallpflicht so wirkungsvoll ist. "Die sagen ja die ganze Zeit, das Virus ist nicht gefährlich für die Menschen. Warum muss ich die Herde dann keulen? Warum gibt man der Herde nicht die Chance, ein Immunsystem aufzubauen?"

Hermann Bieber aus Floß vertreibt Bio-Eier von 3000 Legehennen. Ihm habe die Stallpflicht eigentlich überhaupt nichts ausgemacht. Er habe einen großen Wintergarten. "Im Winter gehen sie eh nicht gern raus." Er hatte sogar Vorteile durch die überdachte Bestallung: "Ich hatte weniger Verluste dieses Jahr als durch die Greifvögel." Er bestätigt: Weil er Bio-Eier produziere, müssten die Hennen nicht jeden Tag im Freien sein. "Das Futter ist ja weiterhin Bio." Anders als bei den Freilandhühnern, die müssten jeden Tag raus.

Liane Scharf hält auf der Gänsmühle in Trabitz etwa 200 Gänse und 100 Enten, die sie Weihnachten schlachtet. Sie hatte zufällig einen alten Kuhstall frei, den sie für die Tiere herrichtete. "Da hatte ich Glück. Sonst wäre es wirklich schwer geworden." Sie bedauert, dass die Tiere das Gras, das am Ende des Jahres noch wuchs, nicht fressen konnten. "Aber das gemähte Gras zu füttern hab ich mich nicht getraut. Man hat ja auch gehört, dass die Grippe über den Kot übertragbar ist." Gut informiert habe sie sich nur teilweise gefühlt.

Wolfgang Paulus aus Etzenricht hatte keine Probleme mit seinen 800 Hühnern in Bodenhaltung. Auch für das Mastgeflügel hatte er große Stallungen. Bei ihm seien die Tiere durch die fehlende Bewegung auch nicht verfettet. "Da muss man einfach mit dem Futter arbeiten." Doch wie was er den Hühnern gab, verrät er nicht: "Jeder hat da sein Geheimnis."

Regeln für Halter

Auch wenn die Stallpflicht aufgehoben ist, es gelten bis 20. Mai noch sogenannte "Biosicherheitsmaßnahmen". Dazu gehört etwa Schuhdesinfektion und Schutzkleidung. Nähere Informationen gibt es bei den Landratsämtern. (blu)

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