Loretofest in Haid
Grenzen überwinden

Die Schwarze Madonna von Haid (Bor) in der Loreto-Kapelle ist am Wochenende das Ziel vieler Wallfahrer aus Pleystein. Bild: tu
Vermischtes
Pleystein
06.09.2017
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Schon bald nach dem Fall des Eisernen Vorhangs pilgerten die Pleysteiner wieder zur Schwarzen Madonna nach Haid. Diese Wallfahrt hat aber eine viel längere Geschichte.

Pleystein/Haid. An diesem Wochenende ist das grenzüberschreitende Loretofest (Infokasten) im tschechischen Bor (Haid), seit 2003 Partnergemeinde von Pleystein. Haid liegt 25 Kilometer von der Landesgrenze entfernt in Tschechien. Die kleine Stadt im Egerland ist Knotenpunkt von sieben Straßen, darunter der alten Reichsstraße, die von Prag über Pilsen und über Pfraumberg nach Waidhaus führt.

Die Bewohner dieser alten Siedlung waren bis 1945 in ihrer überwiegenden Mehrheit deutsch. So zählte der Ort im Jahre 1939 noch 1942 Einwohner mit meist römisch-katholischem Bekenntnis. Siedlungsgeschichtlich ist die Haider Gegend ohne Zweifel als das älteste Gebiet des Kreises Tachau anzusprechen, wobei die Ortsbezeichnung vom Naturnamen "Heide" abstammt. Durch die Vertreibung und Flucht der deutschen Bevölkerung nach 1945 endete die Wallfahrtstradition zwischen Haid und Pleystein mit einer an Höhen und Tiefen reichen Geschichte seit 1668.

So pilgerten vor 1945 die Pleysteiner nach Haid zur Schwarzen Madonna, und umgekehrt erfreuten sich die böhmischen Pilgergruppen bei den Bergfesten im Rosenquarzstädtchen besonderer Beliebtheit. Sie kamen in ihren Trachten mit weiten Faltenröcken und Miedern mit enger Taille, bunten Kopftüchern und klobigen Holzpantoffeln. Ab 1946 waren dann Wallfahrten in der damaligen CSSR verboten.

Die Loreto-Kapelle, die 1668 eingeweiht worden war, verfiel zusehends. Die Samtene Revolution und die Öffnung des Eisernen Vorgangs machten es 1990 möglich, diese im südlichen Kreis Tachau so populäre Wallfahrt zu reaktivieren. Die ersten Kontakte knüpfte der damalige Bürgermeister Willi Reil bald nach seinem Amtsantritt mit Dekan Vladimir Born im Herbst 1990, um die ehedem engen Verbindungen wieder in Gang zu setzen.

Die grenzüberschreitenden Bande wurden von seinem Nachfolger Johann Walbrunn weiter ausgebaut. Beiträge zur Förderung der Verbindung auf dem kulturellen, sozialen und sportlichen Sektor lieferten viele Vereine. Der zuständige Pfarrer von Haid betreut ein Gebiet in der Größe des Altlandkreises Vohenstrauß. Vor allem der im Vorjahr verstorbene Dekan Vladimir Born leistete bei der Renovierung der Gotteshäuser Vorbildliches. Als Ehrensache betrachtete er die Restaurierung des Marienheiligtums "Loreto" in Haid, dem Standort der "Schwarzen Madonna".

Im März 1991 fungierte er als Prediger während der religiösen Tage in der Pfarrei Pleystein. Diese Kooperation auf kirchlicher Ebene erfuhr mit der Pfarrwallfahrt nach Haid vor 26 Jahren und mit diversen Hilfsaktionen seitens des Pfarrgemeinderats, des Touristikvereins und des ehemaligen Kirchenpflegers Johann Walbrunn eine weitere Steigerung.

Programm des LoretofestsDas grenzüberschreitende Loretofest in Haid startet am Freitag, 8. September, mit einem Gottesdienst um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Nikolaus, zelebriert von Neupriester Pater Ondrej Spilner, der auch den Primizsegen erteilen wird. Am Samstag, 9. September, geht es um 10 Uhr in der Nikolauskirche mit einer Wallfahrermesse in tschechischer sowie deutscher Sprache weiter mit Hauptzelebrant Krysztof Dedek, Generalvikar des Bistums Pilsen. Um 19 Uhr ist Messe in der Loretokapelle, um 20 Uhr Lichterprozession und um 20.30 Uhr Marienandacht. Am Sonntag, 10. September, wird in der Nikolauskirche um 10 Uhr ein Festgottesdienst in tschechischer und deutscher Sprache gefeiert. (tu)
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