Verlockender Großglockner

Katharina Löw im Glocknerleitl, einer Schlüsselstelle beim Aufstieg. Bilder: exb (3)
Freizeit
Plößberg
06.09.2017
396
0
 
Der große Ausblick vom Gipfel blieb den Stiftländern zwar verwehrt, doch gab es unterwegs genügend grandiose Naturerlebnisse.

Wer den höchsten Berg Österreichs besteigen will, sollte früh aufstehen. Doch manchmal lohnt sich auch das Warten. So waren die Kletterer aus Schönkirch vorübergehend die einzigen auf dem Gipfel des Großglockner.

Schönkirch. Das Projekt startete am 17. August und nahm drei Tage in Anspruch. Schon im Juni trafen sich sieben Schönkircher - alle Mitglieder der Alpenvereins-Sektion Karlsbad in Tirschenreuth - und schmiedeten Pläne. Schnell war klar, dass es nicht einfach werden würde. Schließlich galt es, 1874 Höhenmeter zu überwinden. Das Ziel war die Besteigung über den Normalweg von der Erzherzog-Johann-Hütte aus, so dass am Gipfeltag nur 344 Höhenmeter zu bewältigen sind. Die Hüttenübernachtungen wurden entsprechend gebucht.

Sechs Teilnehmer starteten in Schönkirch früh um 5 Uhr nach Kals am Großglockner. Nach fünfeinhalb Stunden Fahrzeit trafen sie am Lucknerhaus (1924 Meter) an. Dort trafen sie auf Hochtourenführer Marco Bauer aus Schönkirch und Kathi Gocke, die schon am Vorabend von einer Bergtour aus dem Stubaital angereist waren. Nach einem kurzen Ausrüstungscheck machten sich alle gemeinsam auf den Weg, vorbei an der Lucknerhütte (2241 Meter) bis hin zur Abzweigung Mürztalersteig. Nach einer kurzen Trinkpause ging es weiter in Richtung Stüdlhütte, da sich die Schönkircher für den Anstieg über den alten Kalserweg entschieden hatten.

Unterhalb der Stüdlhütte zweigte der Weg ab in Richtung Ködnitzkees. Vor dem Gletschereinstieg stärkten sich die Kletterer mit einer Brotzeit, legten die notwendige Ausrüstung wie Steigeisen und Helme an und sicherten sich mit einem Seil. Vorbei an Gletscherspalten ging es zum Felseinstieg, zu dem der Tourenführer über eine brüchige Gletscherbrücke sicherte. Nachdem alle sicher über die erste Felskletterei auf einem Flachstück ankamen, wurden die Steigeisen abgelegt.

Geröll und Eisplatten

Um der ganzen Gruppe den Anstieg zu ermöglichen, machte sich ein Teil gleich auf zum Gipfelkreuz. Zunächst ging es über einen gesicherten Felsgrat weiter zur Erzherzog-Johann-Hütte (3454 Meter), wo die erste Gipfelgruppe nur eine kurze Verschnaufpause einlegte und entsprechend ausgerüstet über den Normalanstieg weiter in Richtung Gipfel marschierte. Die zweite Gruppe konnte gleich auf der Hütte die Zimmer beziehen und die Zeit zur Regeneration nutzen.

Der Normalanstieg führt über ein Schneefeld, das als Bahnhof bezeichnet wird, weiter zum Glocknerleitl, einer der Schlüsselstellen am Berg, da sich hier die Klimaerwärmung bemerkbar macht. Das Glocknerleitl entwickelt sich von einem Eisfeld in eine Mischung aus losem Geröll und Eisplatten. Von da aus geht es nach durchgehender Kletterei über den kleinen Glockner, abfallend in die Glocknerscharte, zum Felsaufschwung des Großglockners. Durchgehende Sicherungsmöglichkeiten durch Sicherungsstangen erleichtern die Besteigung und sorgten für die nötige Sicherheit während der letzten Kletterpassagen, so dass die erste Gruppe den Gipfel gegen 17.30 Uhr erreichte. Durch den späten Aufbruch waren die Schönkircher die einzigen auf Österreichs höchstem Berg. Leider spielte das Wetter nicht mit und ein Ausblick blieb hinter dicken Nebelwolken verborgen. Gegen 19 Uhr kehrte die erste Gruppe zur Erzherzog-Johann-Hütte zurück.

Ansturm abgewartet

Die zweite Gruppe, auch sie geführt von Marco Bauer, startete am darauffolgenden Tag. Da der Großglockner viele Bergsteiger anzieht, kann es an manchen Stellen zu Staus am Berg kommen. Um das zu vermeiden, wurde der erste Ansturm auf den Gipfel abgewartet. Diese Taktik machte sich bezahlt, so dass es lediglich in der Glocknerscharte zu einer Verzögerung kam. Am Gipfel blieb auch der zweiten Gruppe die Aussicht verwehrt, was die Freude über den Erfolg aber kaum schmälerte. Nach der Rückkehr zur Erzherzog-Johann-Hütte nahmen die Aktiven der Sektion Karlsbad den Abstieg in Angriff, diesmal über den weiteren Mürztalersteig, um die brüchige Gletscherbrücke zu vermeiden. Über die mit Stahlseilen gesicherte Burgwartscharte führte der Weg wieder auf das Ködnitzkees, das von großen Gletscherspalten durchzogen war. Nach Überqueren des Gletschers war die Stüdlhütte das Ziel, wo ein gemütlicher Hüttenabend auf die Teilnehmer wartete. Am nächsten Tag zog ein Gewitter auf, so dass Hochtourenführer Bauer auf seinen eigentlich geplanten dritten Aufstieg zum Gipfel über den Stüdlgrad verzichten musste. Nachdem der Regen aufgehört hatte, schafften es alle Teilnehmer trocken zurück zum Parkplatz.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.