07.12.2017 - 19:12 Uhr
PlößbergOberpfalz

Jubiläumsausstellungzum Geburtstag des Künstlers Tom Brankovic: Mit Pinsel und Farbe dem Himmel ganz nah

Greift Tom Brankovic zum Pinsel, entstehen auf der Leinwand bunte Welten, die von einer tiefen Kreativität zeugen. Zu seinem 70. Geburtstag gibt es ein ganz besonderes Geschenk.

Meist sind seine surrealistischen Malereien vom Glauben geprägt: Der bald 70-jährige Künstler Tom Brankovic malt Ikonen, aber auch Motive, die seine Seele berühren. Bilder: ubb (2)
von Ulla Britta BaumerProfil

Tirschenreuth/Plößberg . 55 Jahre malt der Schönkircher nun schon Ikonen. Mit unzähligen Exponaten hat er in der internationalen und regionalen Kunstszene Spuren hinterlassen. Zum 70. Geburtstag zeigt Brankovic nun im Museumsquartier in einer Ausstellung sein Lebenswerk.

Draußen ist es Winter geworden. Im Atelier sorgt ein flackerndes Kaminfeuer für eine anheimelnde Atmosphäre. Tom Brankovic sitzt vor seiner Leinwand, Pinsel und Farbpalette in Händen. In wenigen Tagen, am 14. Dezember, feiert der Künstler den runden Geburtstag. Anlass genug für einen Maler, sich dem eigenen Lebenswerk zu stellen.

Brankovic zieht die Stirn kraus, kneift die Augen zusammen. Dann erst setzt er den Pinsel an. Auf einer über zwei Meter hohen Leinwand hat er einen Mönch abgebildet, darüber ein Engelsgebilde. "Das ist mein Freund", erzählt er. Vor einem Jahr habe er den orthodoxen Geistlichen auf der griechischen Halbinsel Athos besucht, wo uralte Klöster seit Jahrhunderten die Heiligkeit des Glaubens bewahren. Auf dieser Pilgerreise, so Brankovic, habe er mit den Mönchen gebetet, lange Gespräche geführt und mit ihnen geschwiegen.

Aus der dortigen Stille und Ruhe konnte er Kraft schöpfen zur Vorbereitung auf das Jubiläum. Drei Mal war der Schönkircher bisher dort. Diesmal, erzählt er, sei in ihm der Entschluss gereift, seine Arbeit Athos selbst zu widmen. Ein hoher Anspruch: Brankovic wollte endlich das Schweigen auf die Leinwand bannen. Leiten ließ er sich dabei von seiner lebenslangen Erfahrung und einer tiefen Gläubigkeit.

In Himmelsphären

Der 1947 in Belgrad geborene Ikonenmaler ist überzeugt, dass es zwischen Himmel und Erde eine dritte Ebene gibt. "Nur können wir diese Energieflüsse nicht sehen", sagt er. Was für ihn Tatsache ist, hat seine Kunst beeinflusst. "Ausflug meiner Seele" ist nur eine der Bilderserien, in denen sich Brankovic surrealistisch mit dem Kosmos beschäftigt.

Die Lehrer und der Belgrader Künstlerkreis entdeckten das Talent von Brankovic. Damals war er 14 Jahre alt. Das war der Zeitpunkt der ersten Ausstellung, danach räumte man ihm einen festen Platz in der Galerie von Belgrad ein. "Dann wollte ich Kunstmaler werden oder Musiker", erzählt der Mann, der auch auf der Geige Karriere hätte machen können. Der Vater aber wollte einen "anständigen" Beruf für das Kind. Brankovic hängte die Geige an den Nagel, niemals aber den Pinsel. Geprägt vom gläubigen Elternhaus entdeckte er die Ikonen. Seither malt er die Heiligen, wie es auf Athos überliefert wird.

"Ich wollte stets besser werden", spricht Brankovic über seinen unstillbaren Drang zum Perfektionismus. Zum Vergleich zeigt er Ikonen aus verschiedenen Zeitepochen. Alle sind faszinierend schön. Aber das Auge des Meisters ist kritisch. Und die Selbstkritik dient der Weiterentwicklung, auch nach 55 Jahren noch. 1976 ging der gebürtige Jugoslawe nach Deutschland, in Schönkirch fand er mit der Familie eine neue Heimat. Es folgte eine Auszeit zur Neuorientierung. "Ich versuchte, den Kosmos und die Himmelswelten zu verstehen", erklärt Brankovic diese Lebensphase. Dann taucht er seinen Pinsel wieder in die Farbe, will dem entstehenden Gemälde einen Hauch mehr Ausdruck verleihen. Es wird still im Raum, denn intensives Malen braucht keinen Ton. Der Mönch auf dem Bild, sein Freund, betet in den Felsenschluchten des heiligen Berges Athos. Ein schweigsames Bild.

"Für diese Darstellung", erzählt Brankovic wenig später anhand einer surrealistische Darstellung des Menschenlebens, "habe ich 20 Jahre gearbeitet." Auch die Ausdauer habe ihn mitunter geprägt. "Und die Geduld". Das Bild ist eine frühe Arbeit und wird zum Jubiläum im Museumsquartier ausgestellt. Unter den etwa 35 gezeigten Werken sind elf Ikonen, die "Seelenreise", einige Exponate aus dem Opus "Bibelgeschichte" und mehr. Erstmals zeigt Brankovic auch seine Porträts, sie gehören zu seinen ältesten noch vorhandenen Werken. Die Darstellung von Athos kann "farbfrisch" bestaunt werden. "Ich werde bis zur Ausstellung daran arbeiten", schmunzelt der Künstler, dessen Kreativität ein Leben lang geprägt ist vom unaufhaltsamen Drang, der Daseinsfrage mit Pinsel und Farbe zu begegnen.

Die Ausstellung

Die Ausstellung mit Titel "Impressionen aus Athos mit einem Querschnitt aus bisherigen Werken" beginnt im Museumsquartier am Samstag, 9. Dezember, und dauert bis 14. Januar. Geöffnet ist jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Bei der Vernissage am Freitag, 8. Dezember, hält Petra Schicker, Vorsitzende des Kunstvereins Tirschenreuth, die Laudatio.

Tom Brankovic ist Mitglied im Kunstverein, ebenso im OKV Weiden und im Verein Kunsthaus Waldsassen. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen in Orten im In- und Ausland, darunter Tirschenreuth, Waldsassen, Weiden, Pilsen und Paris sowie Orte in Kroatien, und Serbien, gezeigt. Als Gastaussteller wirken Hans-Georg Schulze und Stefanie Schulze mit.

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