28.08.2017 - 20:00 Uhr
PlößbergOberpfalz

Kundgebung mit Uli Grötsch in Plößberg Nase voll von Großer Koalition

Bis zum Tag der Bundestagswahl wollen die Sozialdemokraten strampeln, um ihren Kanzlerkandidaten zu unterstützen. Ein Loblied auf Martin Schulz sang Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch, der seit Mai auch als Generalsekretär der bayerischen SPD in der Verantwortung steht.

MdB Uli Grötsch gab sich in Plößberg leidenschaftlich und kämpferisch. Für sich selber lehnte er eine erneute große Koalition, in welcher Konstellation auch immer, konsequent ab.
von Josef RosnerProfil

Bei der ersten von drei Kundgebungen im Landkreis nahm der MdB kein Blatt vor den Mund. Bei seinem Besuch im "Bayerischen Hof" vor knapp 50 Besuchern machte er in seiner 45-minütigen Rede deutlich, dass er - egal, wie die Wahl ausgeht - für eine Große Koalition nicht mehr stimmen wird: "Sie hat sich abgearbeitet." Weiter sagte er, dass die SPD eine Rentensteigerung garantiere. "Wer dieses Mal schwarz wählt, wählt eine Rentenkürzung um fünf Prozent."

Ortsvereinsvorsitzender Hans-Dieter Dietl begrüßte zum Wahlkampftermin eine ganze Reihe von Ortsverbänden aus der Region. MdL Annette Karl hob die Tradition der gastgebenden SPD Plößberg hervor und sah sie gut aufgestellt für die Zukunft. Lob zollte sie Uli Grötsch, der sich in den vergangenen vier Jahren zu einem politischen Schwergewicht entwickelt habe. "Sein Wissen und Können ist in der Bundestagsfraktion gefragt", sagte sie und bezeichnete Uli Grötsch als starke Stimme für die Region. "Ich wünsche mir für ihn am 24. September einen starken Vertrauensbeweis, damit er seine erfolgreiche Arbeit in Berlin fortsetzen kann."

Anschließend streifte Uli Grötsch das weite Feld der Bundespolitik, wobei er sich thematisch ausschließlich der Union widmete und die anderen Parteien mit keinem Wort erwähnte. In der SPD herrsche aktuell eine andere Stimmung als zu Zeiten von Peer Steinbrück, betonte er. "Mit Martin Schulz ging es aufwärts, sogar die 32-Prozent-Marke wurde übertroffen", wies er auf Umfragewerte hin. Der Kanzlerkandidat stehe für alle Werte der Sozialdemokratie: "Deutschland braucht wieder eine starke Stimme, die Welt erwartet das von uns. Mit Angela Merkel wird dies nicht geschehen. Wer nichts sagt, kann auch nichts falsch machen. Wer die Zukunft unseres Landes angehen will, muss auch eine eigene Meinung haben." Das sei bei Martin Schulz der Fall.

Für die Sozialdemokraten kündigte er an, dass sie Flüchtlingszentren in der Herkunftsländern anstrebe: "Wir wollen das Übel an den Wurzeln anpacken." Lob zollte er den Deutschen, die in der Flüchtlingskrise eine historische Leistung erbracht hätten. Kritik übte er an den EU-Ländern, die solidarische Hilfe in der Flüchtlingskrise vermissen ließen. Hart kritisierte Grötsch den türkischen Präsidenten Erdogan: "Wir brauchen uns gerade von ihm keine Nazivergleiche gefallen lassen. Und was sagt Angela Merkel dazu? Kein Wort." Ein weiteres Thema war die Elektromobilität, deren Entwicklung nach Meinung des Abgeordneten in Deutschland komplett verschlafen worden sei. Grötsch kündigte an, dass es bei einem SPD-Wahlsieg bundesweit keine Kita-Gebühren mehr geben werde. Weiterer Kritikpunkt waren die Rüstungsausgaben, die Angela Merkel nahezu verdoppeln wolle. "Immer wenn die SPD den Verteidigungsminister stellte, ging es der Armee gut", behauptete Grötsch. Die SPD dagegen wolle lieber ein Schulsanierungsprogramm auflegen. "Unsere Schulen müssen wieder Leuchttürme unseres Landes werden. Deshalb: weniger Geld für Rüstung und mehr Geld für Bildung", forderte der Sprecher.

Als Unverschämtheit der Kanzlerin bezeichnete er ihre Behauptung, sie hätte die Rente mit 63 gemacht. "Gemacht haben es wir Sozialdemokraten in der großen Koalition." Grötsch beklagte eine immer mehr um sich greifende Altersarmut: "Wir als Sozialdemokraten können es am besten fühlen, wie es ist, nach einem harten Arbeitsleben eine Rente zu bekommen, die kaum zum Leben reicht." Wer diesmal "schwarz" wähle, entscheide sich für die Rente ab 70.

Weiter sagte der Kandidat aus Waidhaus, die Sozialdemokraten wollten den Solidaritätszuschlag sofort nach der Wahl abschaffen. "Ich habe große Lust, in Berlin weiterzumachen. Ich hoffe, ihr seid mit meiner Arbeit zufrieden. Meine größte Freude ist es, wenn ich Menschen helfen kann", betonte Grötsch. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Wahl noch nicht entschieden ist: 40 Prozent der Deutschen seien noch unentschlossen.

Ich habe große Lust, in Berlin weiterzumachen.MdB Uli Grötsch
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