Teichwirte klagen ihr Leid
Und jetzt auch noch der Otter

Sein Name sagt's schon: Der Otter hat den Fisch zum Fressen gern. Zum Leidwesen der Fischer, die nach Reiher, Kormoran und Co. nun auch den Wassermarder als Konkurrenten fürchten müssen. Bild: Grüner
Politik
Plößberg
05.12.2016
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Die Ernte ist weitestgehend eingebracht, die Probleme der Stiftländer Fischzüchter sind einmal mehr größer geworden. Darüber diskutierten (von links) Hans Klupp, Alfons Stock, Dr. Bernhard Feneis, Otterfachmann Alexander Horn, Klaus Bächer, Peter Ertl und MdL Annette Karl. Bild: tr

Fischzüchter prägen die Stiftländer Teichlandschaft seit Jahrhunderten. Mehr und mehr sieht sich die Berufsgruppe mit tierischer Konkurrenz konfrontiert. Jetzt soll's MdL Annette Karl von der SPD richten.

Schönficht. Die Liste der natürlichen Feinde wird immer länger. Längst redet niemand mehr über den Graureiher, der als erster die Tirschenreuther Teichpfanne als üppiges Nahrungsreservoir für sich entdeckt hatte. Heute sind es die Silberreiher, die in Trupps bis zu 150 Vögeln die Ernte der Fischer schmälern. Dazu kommen Kormorane, die ebenfalls in Kompaniestärke auftreten und die Fische im Tauchgang fangen. Und jetzt auch noch der Fischotter, der es ihnen gleichtut und auch zehn Kilogramm schwere Laichfische nicht verschont. Biber, die Teiche ablassen, und der Mink, der die Nester der Wasservögel plündert und damit der Vogelwelt in der Teichlandschaft massiv schadet, tun ein Übriges..

Pflege statt Wildnis

Die Berufsfischer verstehen nicht, dass Naturschutzbehörden mehr auf Wildnis als auf die Pflege der gewachsenen Kulturlandschaft setzen. Um auf politischer Ebene einmal mehr auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen, hatten sie Landtagsabgeordnete Annette Karl (SPD) in den Gasthof Klupp eingeladen. Gut zwei Stunden lang machten sie ihrem Ärger Luft.

Bei der Diskussion war viel Resignation zu spüren. Denn eigentlich glaubt kein Fischer mehr daran, dass mit weiteren Gesprächen und Gutachten eine Lösung erreicht werden kann. "Nur die Politik kann Verbesserungen bringen", meinte Hans Klupp, der Sprecher der Stiftländer Teichwirte.

Abschuss stört nicht

So auch beim Kormoran. Hier gebe es mittlerweile die Möglichkeit Jungtiere das ganze Jahr über und adulte Exemplare zu bestimmten Zeiten zu bejagen. Entsprechende Versuche hätten gezeigt, dass sich dadurch andere, auch sehr sensible seltene Vögel, nicht hätten beeindrucken lassen. Auch mit den Auflagen in den Naturschutzförderprogrammen sind die Berufsfischer unzufrieden. Dies sei immer mit der Nichtbewirtschaftung von Teichen verknüpft. Für die Fischer der falsche Weg. Auch deshalb, weil es nur eine Frage der Zeit sei, bis Blauband-Bärblinge den Weg dorthin fänden und sich ungeniert vermehrten. Diese eingeschleppte aggressive Fischart mache sämtlichem Leben in einem Teich den Garaus. Amphibien, Muscheln und Libellenlarven hätten da keine Chance.

Bei Teichflächen, wo wirkliche tierische Raritäten, die keinerlei Fischbesatz vertragen, wie etwa die Moosjungfer, sei so eine Auflage in Ordnung. Ein generelles Bewirtschaftungsverbot lehnen sie aber ab. Naturschutzprojekte stellen sie grundsätzlich nicht infrage, aber auch dabei müssten die Betriebe überlebensfähig bleiben können.

Die Berufsfischer sehen mit der momentanen Regelung immer mehr die gewachsene Kulturlandschaft verschwinden. Hans Klupp gab zu bedenken, dass gerade diese Landschaft die Basis der regionalen Identität darstelle - ein wichtiger Aspekt bei der Bewerbung um den Status eines Weltkulturerbes. Bei der Teichwirtschaft setze der Naturschutz ganz falsch an.

Kein Ertrag ohne Zaun

Fischzüchter Thomas Beer befürchtete, dass wegen der vielen Fischotter künftig ohne Zaun kaum mehr ein Ertrag zu erwirtschaften sei. Schon jetzt verursache der quirlige Wassermarder Schäden von bis zu 50 Prozent. Aber Zäune seien teuer. Beer hat das mal für eine seiner Anlagen schätzen lassen. Demnach müsste er 100 000 Euro berappen.

Dr. Bernhard Feneis vom Tiergesundheitsdienst Bayern sagte, dass nur ein Bestandsmanagement das Problem löse. Auch die Einschätzung von Experten, dass sich die Population beim Erreichen einer bestimmten Größe von selbst beschränke, teilte der Veterinär nicht. "Wenn die Tiere genug zu Fressen haben, dulden sie auch die Nähe von Artgenossen."

Mehr Habitatschutz

Hans Klupp forderte mehr Habitat- als Artenschutz. "Unsere Kulturlandschaft geht ohne die richtige Bewirtschaftung kaputt." Die derzeitige Schaffung von Ersatzlebensräumen für nicht mehr existierende Moore führten nicht zum Paradies und entzögen den Fischern die Existenz.

Annette Karl sah als Lösungsansatz der vielen Probleme ein Sonderprogramm für die Stiftländer Fischer und regte "einen gemeinsamen Sturm auf München" an. Hans Klupp brauchte keine Gutachten mehr. "Es müssen Taten folgen, um den Status quo zu erhalten." Er zitierte den verstorbenen Biologen Dr. Wolfgang Völkl, der wohl profundeste Kenner der Tirschenreuther Teichpfanne: "Die größte Bedrohung für das Gebiet ist die Aufgabe der Nutzung."

Unsere Kulturlandschaft geht ohne die richtige Bewirtschaftung kaputt.Hans Klupp
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