15.01.2018 - 20:00 Uhr
PlößbergOberpfalz

Selbst Fachleute sind überrascht Land unter am Buchnersteig

Selbst die Fachleute sind überrascht. In wenigen Wochen hat der Biber im Geißbachtal die Landschaft umgestaltet. Nicht nur kleine Tannen, sondern auch ein Wanderweg sind verschwunden.

Bei der Begehung sehen die Teilnehmer, wie nachhaltig und schnell ein Biberdamm die Landschaft verändern kann. Bild: exb (2)
von Externer BeitragProfil

Land unter heißt es auf dem alten Buchnerweg. Der Biber hat begonnen, sich dort seine eigene Wasserlandschaft zu gestalten. Wo die Bürgerinitiative Plößberg im vergangenen Mai auf einer gut besuchten Frühjahrswanderung unterwegs war, um auf die Bedeutung alter Wandersteige hinzuweisen, kann man jetzt nur mit Gummistiefeln waten. Dabei hatten OWV und Bürgerinitiative große Hoffnungen in den alten Steig gesetzt. Man hatte die Verbuschung beseitigt und einen Rundwanderweg mit Start und Endpunkt an der Weiherklause beworben.

Schneller als erwartet

Schon im September hatte der Leiter des Forstbetriebs der Bayerischen Staatsforsten in Flossenbürg, Stefan Bösl, darauf hingewiesen, dass der Biber begonnen habe, das Gebiet zu besiedeln. Er werde wohl den alten Wanderweg in Teilen unter Wasser setzten. prophezeite Bösl. Dass Meister Bockert dazu nicht einmal drei Monate brauchen würde, hatte aber auch Bösl nicht voraussehen können.

Revierleiter Christoph Arbeiter zeigte Bürgern und Kommunalpolitikern bei einer Ortsbegehung die Folgen der landschaftlichen Veränderungen. Wo ein verschlungener Wildnispfad war, rinnt, fließt und sprudelt es jetzt. Überall treiben die Dämme des Bibers den Geißbach über die Ufer, kleine und größere, stehende und fließende Überschwemmungsflächen machen nicht nur eine Verlegung der Buchnertrasse auf die parallel verlaufende Forststraße nötig, sie zwingen den Revierförster auch, entgegen den ursprünglichen Planungen zeitnah Bäume im Geißbachtal zu fällen.

Bäume sterben ab

"Die in den Überflutungsgebieten stehenden Fichten würden in kurzer Zeit absterben und dann in den kommenden Jahen als stehendes Totholz die Sicherheit der Wanderer sowohl auf dem Buchnersteig wie auf der angrenzenden Forststraße gefährden", erläuterte Arbeiter. "Stehen die Flächen erst einmal vollständig unter Wasser, ist auch eine Fällung der abgestorbenen Bäume nicht mehr möglich." Deshalb habe er die Stämme in den zu erwartenden Überflutungsbereichen bereits markiert. Sie sollen nun zeitnah mit moderner Harvestertechnik herausgeholt werden.

Sehr beeindruckt zeigten sich die Waldbesucher vom zweiten Teil der Ortsbegehung, bei der Arbeiter ihnen eine Biberfläche im Bereich des Gösener Baches am Fuße des Haselsteins zeigte. Hier ist der Biber seit zwei Jahren aktiv und, so der Revierleiter, die Dynamik der Veränderung sei erstaunlich. Ausgehend von einem kleinen Biotopweiher habe der Biber inzwischen 3,5 Hektar unter Wasser gesetzt. Die Bäume sind nun größtenteils abgestorben und es zeigen sich offene Wasserflächen, wo man vor der Ankunft des Bibers großzügig in die Pflanzung junger Tannen investiert hatte. Arbeiter sieht das Auftauchen des fleißigen Nagers trotzdem nicht nur negativ: Natürlich sei der Verlust an Waldfläche und Bäumen bedauerlich. Aber im Staatsforst könne man dies leichter kompensieren, als wenn ein privater Waldbesitzer betroffen sei. Auch stellten die entstehenden Wasserbiotope eine wertvolle ökologische Bereicherung dar.

Markus Remold von der Bürgerinitiative Plößberg stimmte dem zu. Unter den gegebenen Umständen müsse man die teilweise Verlegung des Buchnerwegs natürlich hinnehmen. Es sei sogar erfreulich, wenn der Biber im Plößberger Wald neue Biotope schaffe. Es werde sicher spannend zu beobachten, wie sich das Geißbachtal unter der Herrschaft seiner neuen Bewohner verändere. Das freie Waldbetretungsrecht, das allen Bürgern zugestehe, erlaube es schließlich, die herrlicher Naturlandschaft auch ohne ausgewiesenen Wanderweg weiterhin zu besuchen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.