26.02.2018 - 16:14 Uhr
Plößberg

Vortrag bei "Bürgerinitiative zum Schutz von Mensch und Natur" Gefahr für Kulturlandschaft

Traditionelle Teichwirtschaft erzeugt biologisch hochwertige Lebensmittel, fördert die Biodiversität und bewahrt eine 1000 Jahre alte Kulturlandschaft. Sie ist daher selbst ein schützenswertes Gut.

Hans Klupp sorgt sich um die Zukunft der Teichpfanne. Bild: exb
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Dies war die Botschaft die Hans Klupp als Gastredner zur Jahreshauptversammlung der Plößberger "Bürgerinitiative zum Schutz von Mensch und Natur" am Donnerstag mitgebracht hatte. Das Thema des Vortrags "Fischotter, Biber, Kormoran und Silberreiher - Wie verändert sich dadurch unsere Kulturlandschaft?" passe gut zur diesjährigen Mitgliederversammlung, betonte erster Vorsitzender Markus Remold, der zunächst Informationen über die Vereinsarbeit gab.

Man habe sich im vergangenen Jahr intensiv für den Erhalt eines naturnahen Wanderwegs eingesetzt, nur um am Ende erleben zu müssen, wie dieser durch Aktivitäten des Bibers komplett unter Wasser gesetzt worden sei (Bericht am 16. Januar). Dennoch werde man sich weiter im Plößberger Wald engagieren und vertraue darauf, dass nach anfänglicher Konfrontation nun eine Kooperation mit dem Forstbetrieb Flossenbürg möglich sei. Als ersten positiven Schritt stellte Ulrike Remold das Projekt "Grünes Klassenzimmers" vor, das in der Nähe des Großen Weihers geplant sei. Dort werden die Plößberg Grundschüler die Lebensräume "Wald" und "Wasser" ganz praktisch kennenlernen können. Weiterverfolgt werde auch das Projekt eines Walderlebnispfads.

Als weitere Schwerpunkte der Vereinsarbeit nannte Markus Remold die Kooperation mit dem VLAB und die Unterstützung eines Volksbegehrens gegen den fortschreitenden Flächenfraß. Der VLAB sei ein positives Beispiel für einen Naturschutzverband mit Augenmaß. Ihm sei sowohl die Artenvielfalt (Wiederansiedlung des Habichtskauzes) als auch das Landschaftsbild wichtig, ohne dass dabei ideologische Schwarzweiß-Malerei betrieben werde.

Gegen Flächenfraß

Das anstehende Volksbegehren gegen den Flächenfraß in Bayern gehe ein längst überfälliges Problem an. Wolle man Konflikte zwischen Naturschützern und Landnutzern entschärfen, so müsse man gegen die weitere Versiegelung und Zerschneidung der Landschaft vorgehen. Da die Politik in dieser Hinsicht bisher nur Lippenbekenntnisse geliefert habe, sei es wichtig, dass die Bürger selbst zeigten, dass ihnen ihre Heimat zu wertvoll sei um Stück für Stück zugebaut zu werden.

Das Gesicht der Heimat stand auch im Zentrum des Vortrags von Hans Klupp. 1000 Jahre lang habe man in unserer Region Teichwirtschaft betrieben und nun drohe diese wertvolle Kulturleistung unwiederbringlich zu verschwinden, weil man nicht in der Lage sei, die Ausbreitung und Vermehrung neu zugezogener Arten, insbesondere des Fischotters, zu kontrollieren. Dabei gebe es wohl kaum ein besseres Beispiel für ein gelungenes Miteinander von Ökologie, Landschaftsschutz und Lebensmittelproduktion als die aus dem Mittelalter stammende Bewirtschaftung der Fischteiche im Landkreis. Hans Klupp gerät fast ein bisschen ins Schwärmen, wenn er von den Leistungen der Tirschenreuther Teichwirte spricht. "Unsere Karpfen erhalten weder Importsoja noch Antibiotika. Das sind Tiere, die drei Jahre lang unter artgerechten Bedingungen leben dürfen, bevor sie am Ende auf Herd und Teller landen. Wir betreiben ökologische Landwirtschaft erster Güte."

Keine Almosenempfänger

Aber all das sei in Gefahr. "Biber, Kormoran, Silberreiher und zuletzt der Fischotter drohen die Bewirtschaftung der Teiche unrentabel zu machen." Der Staat entschädige die Teichwirte zwar mit Ausgleichszahlungen: "Aber wir wollen keine Almosenempfänger sein. Wir möchten Fische produzieren und mit hochwertigen Lebensmitteln Anerkennung und Geld verdienen. Wenn das nicht mehr möglich ist, wird die Tirschenreuther Teichwirtschaft verschwinden." Hans Klupp wüsste auch, wie diese Entwicklung aufzuhalten wäre: Bürokratieabbau und eine wirksame Populationskontrolle der Fisch fressenden Arten. Aber gerade beim Fischotter sehe es derzeit nicht danach aus. "Er genießt nach wie vor den strengsten Schutzstatus und er wird wohl die Teichwirtschaft zum Erliegen bringen, wenn sich daran nichts ändert."

In der Forstwirtschaft gelte seit langem 'Wald vor Wild'. "Warum", fragte der Referent, "kann man diesen Grundsatz nicht auf die Teichwirtschaft übertragen?" Es gehe ja nicht darum, die Wildtiere auszurotten, sondern lediglich darum, das Überleben der Teichwirtschaft zu sichern. Ein Zuhörer wollte wissen, ob man nicht wie beim Rotwild Gebiete ausweisen könne, in denen diese Tiere geschützt werden und andere, in denen sie bejagt werden. "Das haben wir längst vorgeschlagen", so Klupp. "Aber bisher vergeblich." Dabei gebe es in anderen, europäischen Ländern durchaus Beispiele für erfolgreiches Artenmanagement. In Deutschland scheitere dies oft an der Uneinigkeit der Bundesländer.

Abschließend dankte der Vorsitzende dem Referenten für den informativen Vortrag. Er habe wieder einmal deutlich gezeigt, dass man im Natur- und Landschaftsschutz mit einseitigen Festlegungen nicht weiter komme und dass eine differenzierte Betrachtung mit Verstand und Augenmaß wichtig sei, wenn man die Vielfalt und Schönheit der Heimat bewahren wolle.

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