08.02.2018 - 20:00 Uhr
Plößberg

Mitgliederversammlung des Fischerzeugerrings Oberpfalz im Gasthof "Zur Post" Possierliche Tierchen bleiben ein Problem

Die Teichwirte in der Region haben mittlerweile einen dicken Hals, wenn von "possierlichen Tierchen Tierchen" die Rede ist. Possierlich sind Fischotter und Co. für sie nämlich überhaupt nicht.

„Wir wollen Fische verkaufen. Wir wollen damit Geld verdienen.“ Vorsitzender Hans Klupp sieht die Zukunft der Teichbauern alles andere als rosig. Bild: wro
von Werner RoblProfil

Schönficht. Dies wurde bei der Versammlung des Fischerzeugerrings Oberpfalz nur allzu deutlich. Vorsitzender Hans Klupp aus Schönficht lud gemeinsam mit dem Fachberater für Erzeugerringe am Schwandorfer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Franz List, die Kollegen zur Mitgliederversammlung in den Gasthof "Zur Post" nach Schönficht ein. Auf der Tagesordnung stand auch die geänderte Gebührenordnung. Franz List erläuterte, dass an der Erhöhung aufgrund der Kostensteigerungen und Förderrichtlinien kein Weg vorbeiführe. Mit zehn Prozent mehr fiel die Erhöhung aber sehr moderat aus. Die Mitgliedsbeiträge schwanken nun, je nach Betriebsgröße, zwischen 100 und 450 Euro im Jahr.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Fachreferat von Ministerialrat Franz Geldhauser vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Gast aus München beschäftigte sich mit Kormoranen, Fischottern und anderen Räubern, die der Teichwirtschaft große Sorgen bereiten. "Sie werden als ,liebe Tierchen' bezeichnet", sagte er und fügte hinzu: "Die Karpfenlandschaft aber leidet unter ihnen." Große Karpfenteichflächen seien den "Tierchen" schutzlos ausgeliefert.. "Präventivmaßnahmen sind nur eingeschränkt möglich." Hürden gebe es auch bei der Bürokratie zu überwinden. Man müsse nachweisen, woher die Schäden rührten. Auf schriftlichen Antrag würden sie zum Teil nach Überschreitung der sogenannten Bagatellgrenzen (1500 Euro) aber ausgeglichen. In den Genuss komme aber nur der gewerbsmäßige Fisch- erzeuger. "Zierfische fallen ohnehin nicht darunter!"

"Wir wollen Fische verkaufen. Wir wollen mit unserer Arbeit Geld verdienen." Almosen lehne man ab, entgegnete Vorsitzender Klupp: "Wenn man die Teichlandschaft erhalten will, müssen die Verluste gemindert werden." Klupp meinte damit nicht allein Geldmittel. Angesichts der Otterschäden von 281 000 Euro bei 220 Anträgen (Stand 2016, Zahlen für 2017 liegen derzeit noch nicht vor) rechne man in den kommenden Jahren mit einer deutlichen Steigerung der Verluste.

Zur Verbesserung der Situation und für die künftige Unterstützung der Teichwirte habe man am Landratsamt das Pilotprojekt "Ranger" gestartet. "Das ist einmalig", lobte Klupp die fachliche Unterstützung durch einen Gebietsbetreuer, der sich am 2. März in einer Informationsveranstaltung persönlich vorstellen werde. Einen besonderen Dank richtete Klupp auch an den Bezirk für die "großzügige finanzielle Unterstützung". Der Schönfichter betonte: "Der Bezirk gewährleistet damit den fortwährenden Bestand der Selbsthilfeeinrichtung."

Seinen Aufgabenbereich stellte Dr. Andreas Wimmer vor. Der aus Österreich kommende Tierarzt und Fischwirt ist am Nürnberger "Haus der Fischerei" tätig. Regelmäßig sei er auch am Teichwirtschaftlichen Beispielsbetrieb in Wöllershof anzutreffen, erklärte er. Mit einem Grußwort wandte sich Otterberater Peter Ertl an die Zuhörer. Es gebe leider keine Zahlen für den Bestand, bedauerte er das Fehlen genauer Angaben. "Aber es sind viele." Einen Teich mit 200 bis 500 Fischen könnten sie allein ausräubern. Der Sprecher befürchtete, dass viele Hobby-Teichwirte angesichts der immensen Schäden aufgeben.

Die Räuber würden auch vor großen Karpfen und Forellen nicht Halt machen. Die Existenz von Berufsfischern sei da schnell bedroht. Verbesserungsbedarf gebe es auch beim Otter-Monitoring, warf Vorsitzender Klupp ein. Die bisherigen Ergebnisse seien wenig befriedigend. Die Bilder von Wärmebildkameras reichten nicht aus, und die Entschädigungen würden die Probleme nicht lösen, fasste er zusammen.

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