12.01.2018 - 20:00 Uhr
Pösing im Landkreis ChamSport

Josef Wocheslander hört auf im Fußballkreis Schwandorf/Cham auf Fußball-Boss spricht über Kompromisse und einen schmerzlichen verlust

Es gilt, nicht zwei oder drei Interessen unter einen Hut zu bringen. Es sind 144. So viele Vereine zählt der Fußballkreis Schwandorf/Cham. Dessen Chef hat am Montag beim Kreistag seinen letzten großen Auftritt.

Josef Wocheslander hat sich auch im Funktionärsleben sein sonniges Gemüt bewahrt. Am Montag beim Kreistag in Neunburg vorm Wald hört er nach mehr als zehn Jahren als Kreis-Spielleiter auf. Bild: Josef Maier
von Josef Maier Kontakt Profil

In Neunburg vorm Wald geht am Montag die Funktionärskarriere von Josef Wocheslander zu Ende. Gut zehn Jahre stand der Pösinger an der Spitze des Fußballkreises, aber schon vorher war er ehrenamtlich in Sachen Fußball unterwegs. Zum Abschluss blickt der 69-Jährige nochmals zurück. Er verhehlt nicht, dass es das ein oder andere Problem gab, er spricht über klare Linien und auch über einen schmerzlichen Verlust.

Hallo Herr Wocheslander, wie wurden Sie eigentlich zum Fußball-Funktionär?

Josef Wocheslander: Wie so viele Mitarbeiter des Verbandes habe ich als Schiedsrichter beim BFV begonnen. Ich kann sagen, dass ich mich nie um ein Ehrenamt beworben habe oder die Initiative von mir ausgegangen ist, sondern dass mich immer Weggefährten gedrängt haben, Ehrenämter zu übernehmen.

Was hat den Job als oberster Fußball-Funktionär im Kreis so interessant gemacht?

Man hat schon viele Möglichkeiten, bestimmte Vorgänge selbst zu steuern. Der Kontakt zu den Vereinen war gut. Man bekommt viel Einblick in die Arbeit in den Vereinen und sieht sofort, wo gute, engagierte Mitarbeiter in den Vereinen tätig sind, die nicht selten, interessante Vorschläge und Verbesserungen an mich herangetragen haben. Schön ist es natürlich auch, wenn man die Vereine von Neuerungen, denen sie zunächst skeptisch gegenüberstanden, überzeugen konnte und dann positive Rückmeldungen kamen.

Funktionäre stehen oft in der Kritik. Sind Sie zum Ende mit allen Klubs im Reinen?

Von meiner Seite bin ich mit allen Vereinen im Reinen. Natürlich wird es Vereine geben, die froh sind, dass ich aufhöre. Aber ich habe immer festgestellt, dass es die meisten Probleme mit Vereinen in der A-Klasse gab. Die vor allem in letzter Zeit große sportliche Defizite hatten und auch in der Führung schwächelten. Die versuchten dann von ihre eigenen Fehler abzulenken, indem sie dann den Verband für ihre sportliche Misere mitverantwortlich machten.

Man kann es nicht jedem Recht machen: Ist das das Problem?

Für mich war immer wichtig: Jedem Verein zu helfen, wenn dadurch ein anderer Verein keinen Nachteil hat. Wir kommen den Vereinen, soweit wie möglich, entgegen. Solange du den Wünschen immer entgegenkommst, gibt es keine Probleme. Wenn du dann einmal Nein sagst, dann hagelt es gleich Kritik. Da heißt es: "Die Vereine werden nicht mehr gefragt" oder "Ihr macht ja immer, was ihr wollt". Wir haben aber auch noch eine Spiel- sowie Rechts- und Verfahrensordnung und somit ist unser Spielraum auch etwas eingeengt.

Gab es auch mal Lob von Vereinen?

Ich kann mich noch gut an meine erste Sommertagung mit den Kreisliga-Vereinen erinnern. Als ich bekanntgab, dass ich alle Wünsche der Vereine erfüllt habe, haben alle Vereinsvertreter Beifall geklatscht. Das tut einem schon gut, weil man sieht, dass doch die ganze Arbeit nicht umsonst war, sondern, dass die Arbeit auch anerkannt wurde.

Was würden Sie jüngeren Funktionärskollegen raten?

Das Wort "Funktionär" gefällt mir eigentlich nicht, weil es von "Funktionieren" kommt. Ich kann eigentlich jedem Mitarbeiter des Verbandes nur raten, immer eine gerade Linie zu fahren. Das heißt keine Ausnahmen zu machen und jeden Verein gleich zu behandeln. Wenn ich einem Verein etwas zugestehe, dann muss ich es auch dem anderen Verein zugestehen.

Sind Modelle wie große Spielgemeinschaften oder "Neun gegen Neun" der Weg aus der Krise?

Natürlich werden die Spielgemeinschaften auch im Herrenbereich immer mehr. Dass lässt sich nicht verhindern und wird auch von uns bevorzugt. Wir wollen, dass in jedem Ort, in dem ein Fußballverein angesiedelt ist, der auch erhalten bleibt und auch dort Fußball gespielt wird.

Und was ist mit der Reduzierung der Mannschaftsstärke?

Bei "Neun gegen Neun" besteht noch Handlungsbedarf. Hier spukt natürlich in den Köpfen vieler Vereinsvertreter immer noch die Zahl "Elf" herum. Das heißt, das Fußball im Herrenbereich nur mit elf gegen elf gespielt werden kann. Dass es auch anders geht, macht uns der Bezirk Niederbayern vor. Dort wird in vielen Reserven-Ligen bereits mit "Neun gegen Neun" gespielt wird. Der Verband hat gute Erfahrungen damit gemacht, wenngleich auch hier Spielausfälle wegen Spielermangels immer wieder vorkommen.

Bleiben Sie dem Fußball in irgendeiner Form erhalten?

Ich bin nach wie vor Schiedsrichter. Derzeit ein paar Knieprobleme, aber ich hoffe, dass ich nochmal Spiele im Jugendbereich leiten kann.

Was war die schlimmste Situation in Ihrer Amtszeit?

Als ich im Oktober vergangenen Jahres vom plötzlichen Tod meines Bezirksvorsitzenden Max Karl erfuhr. Mit Max verband mich eine innige Freundschaft seit er den Schiedsrichterlehrgang bei mir als Lehrwart machte.

Und welche die schönste?

Einen tollen und nachhaltigen Eindruck hat bei mir die Fußballiade 2015 in Landshut hinterlassen.

Josef Wocheslander

Josef Wocheslander wurde in Stamsried geboren, ist in Pösing aufgewachsen und wohnt heute noch mit seiner Frau dort. Der Familienvater (1 Tochter) ist 69 Jahre alt und arbeitete vor seiner Pensionierung bei der Postbank in Cham.

Seine Fußballkarriere begann er mit 13 Jahren in der einzigen Jugendmannschaft des FSV Pösing, später wechselte er zum TB Roding und schaffte schon mit 17 Jahren den Sprung in die erste Mannschaft. 1972 legte er die Schiedsrichterprüfung ab. 1977 wurde er Schiedsrichter-Obmann im Kreis Cham. Wocheslander pfiff auch selbst viele Spiele, bis hinauf in die Bayernliga, der damals dritthöchsten deutschen Spielklasse. Im Jahre 1990 wurde er Spielleiter, zuständig für den Bereich Ost im damaligen Fußball-Kreis Amberg/Schwandorf/Cham. Als im Mai 2007 der damalige Kreis-Spielleiter Werner Wiebusch plötzlich verstarb, wurde Wocheslander zu seinem Nachfolger befördert. Nur kurze Zeit später wurde das Amt des Kreisvorsitzenden neu geschaffen. Auch diese Position hat Wocheslander seit dieser Zeit inne. (mr)

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