Ausstellung zum Thema Energie im Poppenrichter Rathaus
„Politik darf nicht bremsen“

Eine Energieausstellung wurde im Poppenrichter Rathaus eröffnet mit Bürgermeister Franz Birkl (Dritter von rechts), dem Klimaschutz-Manager Jürgen Stauber (Vierter von rechts), zahlreichen Gemeinderäten und dem Vorsitzenden des Solarenergie-Fördervereins Amberg, Hans-Jürgen Frey (Vierter von links). Bild: gf
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Poppenricht
06.12.2016
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E-Mobilität und erneuerbare Energien müssen vorangebracht werden - das forderte Bürgermeister Franz Birkl bei der Eröffnung einer Energieausstellung, die im Poppenrichter Rathaus bis Ende Dezember zu den normalen Öffnungszeiten besichtigt werden kann.

In Zusammenarbeit mit dem Solarförderverein Amberg hat Jürgen Stauber, der Klimaschutz-Manager der Gemeinde Poppenricht, eine Informationsausstellung konzipiert, die sich mit Klimawandel und -schutz sowie erneuerbaren Energien befasst.

Die Energiewende müsse Fahrt aufnahmen, sagte Bürgermeister Franz Birkl. "Wenn aktuell die Politik schon wieder zurück rudert, ist das mehr als kontraproduktiv", stellte er fest. Auf neun Roll-ups werden bei der Schau die Folgen der Verbrennung fossiler Brennstoffe dargestellt. Wie Jürgen Stauber erklärte, war 2016 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Meeresspiegel sei angestiegen, Extremwetterlagen nähmen zu, menschliches Leid und unabsehbare volkswirtschaftliche Kosten kämen auf die Menschen zu.

Stauber kritisierte die Atomindustrie, die keine vernünftige Lösung für die Entsorgung des Atommülls vorweisen könne. Bei Reaktorunfällen in den vergangenen 60 Jahren seien mehrfach radioaktive Substanzen freigesetzt worden. Chalk River in Canada, Windscale in England, Tschernobyl in Russland und Fukushima in Japan würden die Umwelt auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte belasten. Mit erneuerbaren Energien wie Windkraft, Erdwärme, Wasserkraft, Sonnenenergie oder Biomasse könnte der Bedarf gedeckt werden, sagte Stauber. Diese kosteten nichts, man müsse nur die notwendigen Techniken bereit halten.

Massive Lobbyarbeit

Zwar finde die Energiewende in der Bevölkerung eine Zustimmung von 70 Prozent, aber die großen Energiekonzerne mit massiver Lobbyarbeit steuerten gegen. So werde die Öko-Strom-Subventionierung zusammengestrichen, aber die Förderung für Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken bleibe erhalten. Nicht nachvollziehbar sei, so Jürgen Stauber, dass der Bürger als einfacher Stromverbraucher die EEG-Umlage zahlen müsse, die Industrie als Großverbraucher von Strom aber davon freigestellt werde. Da Wind und Sonne nicht kontinuierlich Strom liefern können, seien Kurzzeitspeicher, etwa Batterien, für eine gleichmäßige Stromabgabe ins Netz notwendig. Längere, ungünstige Wetterlagen könnten nur mit Langzeitspeichern bewältigt werden, und da komme die Umwandlung des Stromüberschusses in Methanol oder Wasserstoff ins Spiel. Jürgen Stauber forderte auf allen Ebenen massives Umdenken: "Die Politik darf nicht bremsen, sondern muss die Vorreiterrolle spielen." Viel zu holprig werde die E-Mobilität angegangen, die langfristig mit Tausenden von Arbeitsplätzen verbunden sei.

6500 Photovoltaikanlagen

Hans Jürgen Frey, der Vorsitzende des Solarenergiefördervereins, meinte, dass in den Kommunen Klimaschutzbeauftragte eine wichtige Aufgabe hätten. In den Entwicklungsländern sollte in die Nutzung erneuerbarer Energien groß investiert werden. Die Klimaschutzkoordinatorin des Landkreises, Katharina List, informierte, dass in Amberg-Sulzbach 2015 rund 6500 Photovoltaikanlagen 116 188 MWp Strom produziert hätten. "Damit wurden zwei Drittel des im Landkreis verbrauchten Stroms aus erneuerbarer Energie erzeugt", unterstrich sie. Ziel bis 2035 sei es, den CO2-Ausstoß im Landkreis um weitere 60 Prozent zu verringern.

Eine einzige Stunde Strahlungsenergie der Sonne könnte, richtig genutzt, den Jahresenergieverbrauch der gesamten Menschheit abdecken.Jürgen Stauber, Klimaschutz-Manager
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