02.02.2018 - 16:25 Uhr
Poppenricht

Hans Prem und sein Leben als Fahrradhändler Der Herr der 1000 Bikes

Berghammer - ein Fachgeschäft, seit fast 70 Jahren, daheim in Witzlhof und bekannt weit darüber hinaus. 55 Jahre lang war Hans Prem der Herr über viele 1000 Fahrräder, jetzt aber schließt er die Ladentüre. Er wird vermisst werden. Unzähligen Radausflüglern hat er die Drahtesel repariert, oftmals um Gottes Lohn.

von Helga KammProfil

Vermissen werden Hans Prem und sein Geschäft natürlich auch die Kunden, denen er über Jahrzehnte hinweg das für sie passende Fahrrad verkauft hat. "Aber so arg kommt es nicht", sagt er, "denn es wird weitergehen". Nach der Renovierung der Geschäftsräume zieht im Frühjahr der bisherige Nachbar Helmut Schneider in den Laden, macht weiter mit Motorrädern und Zubehör, mit der Werkstatt und - traditionell - mit Fahrrädern.

Ein paar Touren-und Rennräder stehen noch im bereits ausgeräumten Geschäft herum, auch ein Einrad. "Die wird der Helmut Schneider übernehmen, wie viele andere auch", sagt Prem. Der Räumungsverkauf ist beendet, die Firma Berghammer gibt es nicht mehr. Der Schwiegervater Georg Berghammer hat den Laden 1949 übernommen, erzählt Prem, und zwar vom Fahrradhändler Zinkl, der dann in Amberg das Volkswagen-Autohaus eröffnet hat. Eine lange Geschichte also, in die der junge Hans Prem 1964 eintrat, als er die Berghammer-Tochter Waltraud heiratete.

Vom Drahtesel zum E-Bike

"Schritt für Schritt haben wir das Geschäft ausgebaut, haben das Sortiment erweitert, Mitarbeiter eingestellt und Lehrlinge ausgebildet", erzählt Waltraud Prem, sie im kaufmännischen Bereich, ihr Mann im technischen. Nach seiner Tätigkeit in der Luitpoldhütte musste der gelernte Former und Gießer für seinen neuen Beruf umlernen, machte die Meisterprüfung im Mechanikerhandwerk und schuf sich mit Schweißtechnik ein zweites Standbein. Über Jahrzehnte hinweg hat er für die Maxhütte kaputte Schneidbrenner repariert, später für das Rohrwerk und die Maxhütte Technologie. "Ich habe denen viel Geld für neue Geräte gespart."

Die wichtigste Rolle im Leben des Hans Prem aber hat immer das Fahrrad gespielt. Er erinnert sich an die Jahre des Umbruchs, als der einfache Drahtesel von Mountainbikes, Trekkingrädern, Rennrädern und zuletzt E-Bikes abgelöst wurde. Als es statt einer Dreigangschaltung plötzlich 15 bis 30 Gänge gab. Das bedeutete Umlernen, sich mit der neuen Technik vertraut machen. "Kurse, Schulungen und Werksbesuche waren notwendig", erinnert sich Prem, "meistens im Winter, außerhalb der Saison". Sein Einsatz hat sich bezahlt gemacht: Durchschnittlich 100 bis 120 Räder hat er im Monat verkauft, der Rekord lag bei fast 1000 in einem Jahr.

Im Dienst für die Heimat

Das Verkaufen war die eine Seite des Berufs, das Reparieren und Helfen die andere. Und daran hat Prem viele schöne Erinnerungen. "Ich hab schon Post gekriegt aus der ganzen Welt", lacht er und zeigt Ansichtskarten aus Wien, Kanada und sogar Hawaii. Die Absender von Briefen, Karten und Päckchen waren Radler, denen er das Rad repariert und damit die weitere Ausflugs- oder Urlaubsfahrt gerettet hat. Da war der ältere Radler aus Stuttgart, dem in Schöpfendorf die Kette gerissen ist. Prem hat ihn mit dem alten VW-Bus geholt, den Schaden behoben und - wie so oft - bei der Frage nach dem Preis einfach abgewunken. "Eine Woche später ist das Packerl gekommen mit Schinken und Wein, und ich hab gesehen, dass der Radler ein Uni-Professor war." Mit Stolz zeigt er auch das Buch eines Weltumseglers aus Bremen. Ihm hat er eine abgerissene Speiche am Hinterrad wieder befestigt, auch um Gottes Lohn. Der postalische Dank war der Bildband des Bremers, ein Kontakt, der bis heute noch besteht.

Als langjähriger Ortsheimatpfleger von Poppenricht ist Prem von Anfang an, also seit rund 20 Jahren, im Einsatz für den Drei-Flüsse-Radweg. Er fragt nach bei den Radlern, die bei ihm Station machen, ob sie zufrieden sind mit der Trasse, leitet eventuelle Klagen an die Stadt weiter, gibt den Touristen Tipps und Hinweise über Entfernungen, Einkehrmöglichkeiten, Unterkünfte, vor allem auch in der näheren Umgebung. Auf dem vor rund zehn Jahren eröffneten Erzwanderweg kümmert er sich um Hinweistafeln und führt auch gern Gruppen von Luitpoldhöhe über den Höhenweg nach Neuricht. "Viele Fremde fragen nach diesem sogenannten "Ruhrgebiet des Mittelalters", sagt er. "Ich kann ihnen dann von der Geschichte erzählen." Viel zu erzählen hätten wohl auch zwei alte Schlitten, die noch im fast leeren Laden ihren Platz haben. Mehr als 70 weitere hat Hans Prem im Lauf der Jahre zusammengetragen, vom Sperrmüll gerettet, geschenkt bekommen oder auch ziemlich teuer gekauft. Einmal waren die interessantesten davon in der Schulaula in Poppenricht ausgestellt: der Ponyschlitten, der aus massivem Holz geschnitzte und bemalte aus dem Böhmerwald, der bunte aus Blech, der nur für Dekozwecke gebaut worden ist und viele andere.

Räder für Bedürftige

"Das hat auch mir viel Freude gemacht", erinnert sich Prem an eine besondere Hilfsaktion, die er vor ein paar Jahren ins Leben gerufen hat. Auf eine Anzeige in der Zeitung hin haben ihm die verschiedensten Leute insgesamt 160 alte Fahrräder gebracht. Er hat sie repariert, verkehrssicher gemacht und an die Aktion "Amberg hilft Menschen" weitergegeben. Bedürftige waren dankbar für diese fahrbaren Untersätze.

So etwas könnte er auch im Ruhestand noch weitermachen, sagt Prem. Er werde ja jetzt etwas mehr Zeit haben, meint er. Der heimatkundlichen Arbeit will er weiterhin treu bleiben, auch Führungen anbieten, mit Menschen in Kontakt bleiben. Und Radfahren? "Ja", sagt er, "so wie bisher auch". Das heißt: einmal im Jahr nach Regensburg radeln, einmal nach Nürnberg. Am liebsten ganz allein, mit eigenem Tempo, mit Pausen dazwischen, mit Einkehr, und vor allem mit offenen Augen für die Schönheit der Natur und Heimat.

Das Glump

Darüber kann Hans Prem heute noch lachen: Als die Räder neumodischer wurden, gab es die Technik mit Commander-Orbit-Schaltung. "Die meisten Händler in ganz Bayern haben die als Glump bezeichnet. Sie konnten nichts anfangen mit dem neuen Linksgewinde, waren nur das Rechtsgewinde gewohnt." Der Berghammer-Chef war der einzige, der wusste, wie's funktioniert und wurde bei der Präsentation vor allen anderen gelobt. Nun ist die Berghammer-Ära zu Ende. Hans Prem nimmt die Geschichten mit in den Ruhestand. 

Ich hab schon Post gekriegt aus der ganzen WeltHans Prem über dankbare Radler, denen er unentgeltlich geholfen hat.

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