11.05.2017 - 15:44 Uhr
PressathOberpfalz

Christina Walberer verliert fast die Hälfte ihres Körpergewichts Die halbierte Frau

Christina Walberer hat sich dünne gemacht. Keine 10 Jahre ist es her, da wog die 1,68 Meter große Frau 130 Kilogramm. Heute ist sie Vorzeige-Modell für die Frauenzeitschrift Women's Health.

Stolz auf ihre Seite in der Women's Health. Josef Walberer nahm im "Windschatten" seiner Frau immerhin 30 Kilo ab, von 110 auf etwa 80. Das war der "Men's Health" ebenfalls einen Bericht wert. Bild: Schönberger
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Pressath/Plößberg. Am Beginn des Erfolg stand eine Blamage. Christina Walberer hat die Hälfte ihres Körpergewichts verloren. Und sie weiß noch genau, was sie einst zum Abnehmen brachte. "Es war vor der Achterbahn im Europapark", erzählt die 29-Jährige. Mit ihrem Freund und einem anderen Pärchen war sie im Jahr 2008 nach Rust gefahren, um die neue Bahn zu testen. Eine Stunde standen die Vier an, als sie kurz vorm Start ein Mitarbeiter des Parks ansprach. "Ich sollte probeweise in einen Sitz steigen", erzählt Walberer. Der Mitarbeiter hatte Angst, der Sicherheitsbügel würde nicht über ihren Körper passen. "Ich hab mich nicht hingesetzt, bin einfach gegangen. Vor all den Leuten wollte ich das nicht."

Damals wog Walberer über 125 Kilogramm. Heute sind es 68. "Mein Mann sagt, meine Frau hat sich halbiert'", erklärt Walberer und lächelt. Der Weg zu diesem Lachen war lang. Rund sechs Jahre hat es gedauert. "Ich hab in keinem Jahr mehr als 15 Kilogramm abgenommen." Seit 2014 hält sie ihr Gewicht. Der Vorteil: Jojo-Effekt war kein Thema, Haut und Magen konnten sich langsam zurückbilden. Nur am Bauch musste sie sich 2012 einen rund 30 Zentimeter langen überflüssigen Hautsack in einer OP wegschneiden lassen. Die Narbe und einige Streifen verstecken heute Tattoos. Sonst erinnert nichts mehr daran, dass sie einst doppelt so viel wog wie heute.

Direkt nach dem Schockmoment im Freizeitpark war der Erfolg nicht absehbar. Zu Beginn war da eher eine "Frust-Phase", erinnert sich die Hauswirtschafterin. "Zuerst habe ich noch mehr gegessen." Dazu kam eine Schwangerschaft, an abnehmen war erst einmal nicht zu denken. Aber die Erinnerung an das Fiasko vor der Achterbahn und der Gedanke, etwas zu ändern, haben sie nicht losgelassen. Bei E-Bay besorgte sie sich Weight-Watchers-Kochbücher und stellt ihre Ernährung um. "Ich bin aber nie in Kurse gegangen oder habe Ernährungspunkte gezählt." Trotzdem machte sich der Wandel bemerkbar, langsam. Es gab Phasen, in denen sie über Monate kein Gewicht verlor. Davon habe sie sich nicht verrückt machen lassen.

Das rät die Pressatherin, die heute in Plößberg lebt, auch allen, die selbst Gewicht verlieren wollen. "12-Wochen-zum-Traumgewicht"-Programme machen sie wütend. "Das funktioniert nicht." Entscheidend sei, die Ernährung dauerhaft umzustellen. "Es bringt nichts, eine Zeit zu verzichten, um dann wieder weiterzumachen wie vorher." Bewegung spielte zunächst kaum eine Rolle. "Mit so viel Übergewicht kann man keinen Sport machen." Sportlich wurde sie nach der OP im Jahr 2012: Laufen, Schwimmen und Fitnesstraining halfen ihr, die letzten 20 Kilos zum Traumgewicht zu verlieren. Seit 2014 hält sie ihr Gewicht.

Dabei verzichte sie fast auf nichts, erklärt Walberer. Dies sei ein weiterer Vorteil des langfristigen Denkens: "Ich esse Pizza, gehe zu McDonalds. Es darf nur nicht täglich sein", sagt sie und nippt an ihrer - nicht zuckerfreien - Cola. Auch die gönnt sie sich, aber eben sehr selten. Wenn sie bemerke, dass sie zunimmt, steuere sie mit Sport dagegen. "Bei 70 Kilogramm beginne ich mich unwohl zu fühlen." Das habe sie an sich selbst beobachtet.

Am einfachsten lassen sich dann Kalorien bei Alkohol, Energydrinks und Limonaden einsparen. Das sage sie auch, wenn Sie nach Tipps gefragt wird. Wegen ihres Abnehm-Erfolgs sei ihr Rat gefragt. Allerdings begegne ihr nicht nur Anerkennung. Immer wieder schlage ihr Neid entgegen. "Ich habe Freundinnen verloren, die mit meinem Gewichtsverlust nicht umgehen konnten." Eine Freundin habe mit ihr die Ernährungsumstellung begonnen, dann aber nicht durchgehalten. Mit dem Gewicht nahm der Kontakt ab.

Trotzdem: Christina Walberer ist absolut glücklich mit ihrem neuen Leben. Das beginne beim Treppensteigen und höre beim Shoppen lange nicht auf. "Ich fand früher nichts zum Anziehen, heute kann ich fast alles tragen, muss beim Einkaufen nichts anprobieren." Natürlich habe sich auch ihre Wahrnehmung in der Männerwelt geändert. Im Februar 2016 wurde sie bei einer Abstimmung auf Facebook zur "schönsten Oberpfälzerin des Monats" gewählt. "Wenn ich früher bei Obi war, musste ich lange nach einem Verkäufer suchen. Heute kommen sie von selbst auf mich zu." Zusammen ist Christina Walberer seit 2005 mit dem selben Mann. "Der war für mich da, als ich 125 Kilogramm gewogen habe und ist es jetzt mit 68 auch noch."

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