Interessensgemeinschaft organisiert Fest zum letzten Mal - Brauchtum hat lange Geschichte in ...
Zunftbaumfeier: Eine Tradition endet

Lokales
Pressath
26.04.2013
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Die Ursprünge des Maibaumbrauchtums liegen noch immer im Dunkel der Geschichte. Sicher dürfe aber sein, dass schon die alten Germanen Waldgottheiten huldigten, denen sie Obelisken oder Kultpfähle aufstellten. Eine durchgängige Tradition zu den heutigen Maibäumen lässt sich jedoch nicht herstellen.

In diesem Zusammenhang sollten jedoch Einflüsse betrachtet werden, die nach der Christianisierung heidnische Sitten unterdrückten und oftmals sogar bestrafte. In Pressath hat das Aufstellen des Maibaums schon eine lange Tradition. Diese geht auf die Nachkriegszeit zurück. Viele ältere Pressather erinnern sich noch heute an die Zeit Anfang der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, als es in Pressath eine "Maikönigin" und einen "Prinzen" gab, die im Landauer durch die Straßen der Stadt fuhren und beim Aufstellen des Maibaumes als "Ehrengäste" dabei waren.

Ersatzplatz nötig

Die Maiköniginnen von damals sind auch heute noch bekannt: Hanni Reber (später verheiratete Wischer), Hermine Eichermüller (verheiratete Hautmann, heute verwitwete Meier), Marga Staufer (verheiratete Reim). In der Professor-Dietl-Anlage beim Gasthaus Heining stellten die Pressather den Baum auf. Das geschah bis zum Jahr 1975. In den folgenden Jahren konnte dieser Ort nicht mehr genutzt werden, weil der "Festplatz" wegen des Kanalbaues gesperrt war und man keinen geeigneten Ersatzplatz finden konnte.
Nach fünfjähriger Pause war es dann am 30. April 1980 wieder so weit: Im Ortsteil Steinbühl stellte Stadtpfarrer Ludwig Bock ein Grundstück in der Nähe der Schlesierstraße zur Verfügung, das im Besitz der Pfarrpfründestiftung war. Dort richtete die Feuerwehr unter der Führung des damaligen Kommandanten Manfred Schmidt einen 28 Meter langen Baum auf. Das Maibaumfest war ein voller Erfolg. Leider ließ in den darauf folgenden Jahren die Resonanz der Bevölkerung stark nach und 1992 wurde dann kein Baum mehr aufgestellt.

Diese Vakanz dauerte aber nur ein Jahr, denn 1993, also vor genau 20 Jahren, fand der Maibaum wieder eine neue Heimat: auf dem Kirchplatz. Jedoch mussten verschiedene Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden. Wenige Tage vor dem 1. Mai wurde der im städtischen Bauhof gelagerte Maibaum angesägt. Daraufhin besorgte die Feuerwehr zusammen mit dem Stadtverbandsvorsitzenden Andreas Anger aus dem Stadtwald ein neues Exemplar. Aber damit waren die Schwierigkeiten noch nicht ganz beseitigt, denn am Tag des Aufstellens machte ein Waldbrand im Moos die Pläne der Feuerwehr zunichte: alle Feuerwehrmänner mussten ausrücken um zu löschen. Dennoch brachte ein Pferdegespann der Familie Schiffmann den Maibaum einstweilen zur Kirche, wo ihn Andreas Anger und Erhard Hauck die ganze Nacht nicht aus den Augen ließen.

Stundenlanger Einsatz

Am Tag darauf gegen 11 Uhr konnten dann die Feuerwehrler, noch gezeichnet vom stundenlangen Einsatz, den geschmückten Baum unter der Regie des Kommandanten Heinz Koppauner aufstellen. Der Spielmannszug umrahmte das Geschehen, dem ein zünftiger Frühschoppen folgte. Aus dem Maibaum des Jahres 1993 ist in der Zwischenzeit ein Zunftbaum geworden, der mit Tafeln verschiedener Handwerkzünfte geschmückt ist. Es hat sich eine Interessengemeinschaft Zunftbaum gebildet, der die Vereine DJK Pressath, TSV Pressath, Heimatpflegebund Pressath und Feuerwehr Pressath angehören und die vom ehemaligen Stadtverbandsvorsitzenden Andreas Anger geleitet wird.

Nach 20 Jahren wird heuer am 1. Mai zum letzten Mal von diesen Vereinen die Zunftbaumfeier auf dem Platz hinter dem Dostlerhaus abgehalten. Mit dabei sind auch der Spielmannszug der Feuerwehr und die Böllerschützen der SG Waldlust Riggau. Ab 16 Uhr wird am Mittwoch der Baum aufgestellt. Anschließend wird dann auf dem Dostlerhausplatz mit Bier, alkoholfreien Getränken und Grillspezialitäten sowie Käse zünftig gefeiert. Gegen 22 Uhr endet die Feier. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen.
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