01.09.2004 - 00:00 Uhr
PressathOberpfalz

Marterln haben eine besondere Bedeutung - Lobenswerte Initiative: Zeugen des Glaubens

Wegkreuze und Marterln sind Mahnmale, die Menschen seit alters her aufgestellt haben, zur Erinnerung oder zum Dank an ein Ereignis. Sie zeugen vom Glauben und der Frömmigkeit vergangener Generationen und der handwerklichen Geschicklichkeit derer, die sie aufgestellt haben.

von Autor ISProfil

Viele solcher Marterln und Wegkreuze befinden sich in den Fluren rund um Pressath und seinen Ortsteilen. "Man möge an Wegesecken, so man sich zu begegnen pflegt, Kreuze errichten", so soll es Papst Leo III., der um das Jahr 800 gelebt hat, angeordnet haben. Die Gründe für das Aufstellen eines Marterls oder den Bau einer Kapelle gestalten sich vielfältig und sind nur noch selten bekannt.

Als einst weit sichtbare Land- und Wegemarken übernahmen sie sicherlich auch die Funktionen von Wegweisern. Anlässe für die Errichtung waren häufig Stiftungen für erhörte Fürbitten, Dank für überstandene Gefahren oder Gedenken an durch Unfall zu Tode gekommene Angehörige. Die Geschichte der Marterln rund um Pressath ist sicherlich vielschichtig und die früheren Generationen haben immer wieder innegehalten, um ein kurzes Gebet zu sprechen.

Seit Generationen

Leider hat sich diese Einstellung in den vergangenen Jahren geändert. Hast und Eile lassen es nicht zu, sich derer zu erinnern, die das Marterl aufgestellt haben. Aber das, was in den vergangenen Tagen an der Straße zwischen Pressath und Döllnitz passiert ist, müsste sicherlich nicht sein. Seit mehreren Generationen steht hier kurz vor der Ortseinfahrt von Döllnitz ein Wegkreuz, das vor etwa zehn Jahren von Bewohnern der Ortschaft restauriert worden war. Der "Zahn der Zeit" hat daran genagt.

Der bereits verstorbene Albert Neumann aus Döllnitz hat zusammen mit Hans Faast und Richard Dilling das Marterl wieder instandgesetzt und zu einem Schmuckstück gemacht. Vor einigen Tagen aber haben unbekannte Täter das Kreuz, das darauf angebracht ist, mit brutaler Gewalt abgebrochen und es einfach entfernt. Über "purer Vandalismus der übelsten Sorte" ärgern sich die Menschen. Dass es auch anders geht, haben drei "rüstige Rentner" aus Pressath bewiesen. Karl Rupprecht aus der Kolpingstraße ist in den Sommermonaten sehr oft mit dem Rad in den Fluren um Pressath unterwegs. Dabei ist ihm am Feldweg zum Tannenberg ein mit Klinkersteinen gemauertes Marterl aufgefallen, das in keinem guten Zustand war.

Gleich Nägel mit Köpfen

"Das muss geändert werden", sagte er sich. Und er machte auch gleich Nägel mit Köpfen. In Willi Fischer aus dem Weiherweg und Josef Hutzler aus der Wollauer Straße fand er zwei fleißige Mitarbeiter. Gemeinsam machten sie sich an die Arbeit, um das Marterl vor dem Verfall zu retten.

Unterstützt wurden Drei drei von Werner Kraus vom Weiherweg, der die anfallenden Maurerarbeiten übernahm. "Die Steine für das Marterl hat uns die Firma Pravida kostenlos überlassen, die Dachziegel bekamen wir von der Firma Neumann aus Döllnitz spendiert und der Schotter für die Gestaltung des Vorplatzes wurde vom Kieswerk Suttner geliefert", erzählten die Drei, als die Arbeit getan war. Hinter einer Glasscheibe in einer frisch getünchten Nische wurde eine Figur der Heiligen Maria aufgestellt und die frühere Inschrift auf einer Steintafel "O Maria hilf" erstrahlt in neuem Glanz.

Sämtliche Malerarbeiten übernahm bereitwillig Josef Hutzler. Eine Ruhebank, von Werner Dötsch aus der Kettelerstraße zur Verfügung gestellt, lädt die Spaziergänger zu einer besinnlichen Rast ein und Josef Hutzler hat dazu noch eine weitere Sitzgelegenheit angefertigt und aufgestellt.

Schaffen und erhalten

Zwei Extreme prallen also aufeinander: auf der einen Seite die Zerstörungswut unverbesserlicher Zeitgenossen, auf der anderen Seite die vorbildliche Initiative von Menschen, die die Leistungen unserer Vorfahren anerkennen und für die Allgemeinheit etwas erhalten oder neu schaffen wollen.

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