Alexander Murr beim Zugspitz-Ultra-Trail
Der ganz normale Ultra-Läufer

Fertig und glücklich: Alexander Murr im Ziel.
Sport
Pressath
30.06.2017
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Alexander Murr beim Abwärtslaufen. Im Rucksack hat er die notwendige Grundausstattung dabei, dazu zählt auch eine Stirnlampe. "Die Ausrüstung wird vorab genau kontrolliert", sagt der Läufer, Sicherheit werde groß geschrieben. Bilder: exb (2)

100 Kilometer durch die Alpen. Zu Fuß, an einem Tag. Alexander Murrs Start beim Zugspitz-Ultra-Trail klingt extrem. Dabei ist alles halb so schlimm, findet der Pressather selbst.

Pressath/München. Eines will Alexander Murr auf keinen Fall: "Dastehen, als hätte er etwas Verrücktes vollbracht." Allerdings hat der Ausdauersportler mit Pressather Wurzeln in dieser Beziehung aber schlechte Karten: Gut 17 Stunden war Murr beim Zugspitz-Ultra-Trail (ZUT) unterwegs: Ziemlich genau 100 Kilometer legte er in der Zeit laufend zurück - und 5500 Höhenmeter. Von Grainau bei Garmisch geht es einmal um die Zugspitze samt Wettersteingebirge. Von 700 Meter über dem Meer laufen die 550 Starter mehrfach bis an die 2000-Meter-Marke und darüber. Trotzdem beharrt Murr darauf: "Es klingt schlimmer, als es ist."

Der 46-Jährige hat allerdings etwas andere Maßstäbe. Seit er mit 16 Jahren in Pressath bei der Wasserwacht anfing, macht er Ausdauersport. Damals richtete die DJK den ersten Triathlon aus. So sei er auf den Sport aufmerksam geworden. "Schwimmen kann ich, Radfahren tu' ich sowieso und fünf Kilometer laufen schaff ich auch." Nach der Devise sei er dann selbst bei seinem ersten Triathlon am Start gestanden.

Der Herangehensweise blieb er treu, als er sich 2015 erstmals für den ZUT anmeldete. Er habe über eine der kurzen Strecken nachgedacht, und sich dann mit einem Freund herangetastet: "Als Marathonläufer sollte die 39-Kilometer-Strecke kein Problem sein", haben sie sich Mut gemacht. Und als Triathlet sei man doch längere Belastungen gewohnt, also doch die 62 Kilometer. "Und weil es eine Herausforderung sein sollte, waren wir dann irgendwann bei den 82 Kilometern und dann kommt es doch auf die letzten 20 nicht mehr an." Wegen Regens wurde damals die Strecke verkürzt, so machte er erst vor zwei Wochen tatsächlich die 100 Kilometer voll. "Man muss sich das selbst schönreden, damit es der Kopf schafft. Körperlich ist viel möglich, wenn der Kopf mitspielt."

Murr sagt aber auch, dass er mit der Distanz eine Grenze erreicht hat. "17 Stunden am Stück sind überschaubar. Alles was über einen Tag hinausgeht, finde ich zu extrem." Wenn Murr von diesen 17 Stunden erzählt, betont er immer wieder, dass er kein Hexenwerk vollbracht habe. "Man läuft ja nicht dauernd Vollgas." "Low and steady - langsam und gleichmäßig" laute das Motto. Bergauf werde flott gegangen. Natürlich muss die Grundlage stimmen: Etwa 3000 Trainingskilometer habe er im Jahr zuvor gesammelt. Dazu komme alternatives Training: Bergwandern, Radfahren, Schwimmen, Ski.

"Das klingt viel, aber ich komme in der Woche mit neun bis zehn Stunden aus, rechnet Alexander Murr vor. Wer zweimal die Woche ins Fußballtraining geht und am Sonntag spielt, investiere ähnlich viel Zeit. Fürs Laufen braucht man keine Anfahrt und ist flexibler, weil man sich nicht mit der Mannschaft arrangieren muss. Und Murr ist sicher, dass er bei Veranstaltungen wie dem ZUT mehr erlebt als bei einem Fußballspiel: "Die Zeit vergeht so schnell", sagt er über den Extremlauf und schwärmt vom Abstieg von der sonnigen Scharnitzalm: "Das war einfach schön". Auch an den nächtlichen Blick von der Bergstation der Alpspitzbahn hinunter ins beleuchtete Ziel und auf die Lichtpunkte auf der Strecke denkt Murr gerne. Vor allem aber erinnert er sich an die Stimmung im Feld. "Das Miteinander ist super. Man hilft sich, macht sich Mut."

Anders habe er es im Triathlon erlebt. Dort gehe es immer aggressiver zur Sache. "Für uns Amateure geht es doch nur um die Goldene Ananas." Auch im Ziel in Grainau ist der Schnellste fast sechs Stunden vor Murr, obwohl der zu den vorderen 20 Prozent zählt. Die Stimmung war vom Ersten bis zum Letzten kameradschaftlich. Im Triathlon werde gerade beim Schwimmen getreten und getaucht, als ging es ums Leben. "Für mich ist das Kapitel Triathlon deshalb beendet."

Ganz anders schaut es mit der Heimatstadt aus. Obwohl Murr bereits 1993 zur Ausbildung nach München zog und dort bis heute als Technischer Assistent bei einer Pharmafirma arbeitet, sei er regelmäßig in Pressath. "Und es ist immer noch ein Heimkommen", sagt Murr über die Besuche. "Und den Oberpfälzer Dialekt habe ich auch nicht verlernt."
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