05.04.2018 - 16:56 Uhr
PressathOberpfalz

Ärger um Döllnitzer Sirene Brüllender Nachbar

Der fürchterliche Lärm kommt ganz plötzlich. Morgens, mittags oder auch nachts reißt er Familie Walberer aus ihrem Alltag. Die Döllnitzer wollen, dass das aufhört: Die Sirene der Feuerwehr soll weg. Doch so einfach ist es nicht.

Wenn die Sirene loslegt - 29 Meter von ihrem Haus (im Hintergrund) entfernt -, müssen sich die Walberers in Döllnitz die Ohren zuhalten.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Döllnitz. Erster Samstag im Monat, 13.45 Uhr, und die Feuerwehr-Sirene "jodelt" mal wieder. So nennt Mutter Katrin Walberer den Lärm, den sie und ihre Familie aushalten müssen, wenn die Lautsprecher auf dem Mast loslegen. Nur 29 Meter steht dieser von ihrem Haus entfernt, und so bekommen die Döllnitzer jedes Mal die volle Dröhnung ab - mittlerweile führt die auch zu einigen Uneinigkeiten zwischen der Familie und dem Bürgermeister von Pressath, Werner Walberer, (Sie sind weder verwandt noch verschwägert).

"Es ist nicht auszuhalten", poltert Opa Günther Walberer. Er wohnt zwar einige Kilometer entfernt in Pressath, doch selbst da ist die Sirene aus Döllnitz noch deutlich zu hören, "wenn der Wind in die Richtung weht". Dass es tatsächlich diese Sirene ist, da ist sich Walberer sicher: "Sie hat einen anderen Ton als die Pressather." Besonders seine drei Enkel aus Döllnitz leiden jedoch unter dem Lärm, erzählt der 72-Jährige. Wenn der Alarm nachts loslegt, können sie oft nicht mehr einschlafen, müssen mit Augenringen und müde in die Schule. Das schlaucht die Buben Lukas (14), Jonas (12) und Simon (8).

"Nicht nur ein paar Mal"

Mindestens einmal im Monat fängt die Sirene an zu brüllen. Der Testlauf der Feuerwehr jeden ersten Samstag im Monat um 13.45 Uhr ist für die Walberers noch erträglich. Darauf können sie sich einstellen und sind dann vielleicht nicht zu Hause. Werden sie aber in der Nacht geweckt, wie zuletzt um halb 3, "stehen wir senkrecht im Bett", erzählt die 34-jährige Mutter. Auch tagsüber im Garten sei es nicht auszuhalten. "Der Hund jault. Ihm tut der Lärm noch mehr weh, und wir müssen ins Haus und die Fenster schließen."

Die letzten beiden Alarme hat sich Katrin Walberer notiert: Am 2. März um 11.30 Uhr und am 10. März um 7.15 Uhr war es wieder so weit. "Ich schreibe das jetzt immer mit, wenn ich da bin", sagt die 34-Jährige, die vormittags in Grafenwöhr arbeitet. "Es ist schon sehr oft, nicht nur ein paar Mal", sind sich sie und ihr Mann Robert (39) einig. Wie viel Dezibel die Familie dann ertragen muss, kann sie nicht sagen, Messwerte hat sie keine. Eins weiß sie aber: Sie muss mehr aushalten als alle anderen, denn so nah wie sie wohnt niemand an dem Mast.

Dass die Sirene ausgerechnet vor ihrem Esszimmerfenster, 29 Meter westlich von ihrem Haus, aufgestellt werden musste, können die Walberers nicht verstehen. Sie seien nicht gefragt worden, beteuern sie. "In einer Nacht- und Nebelaktion", wie es Opa Günther Walberer beschreibt, seien die Lautsprecher vor rund zwei Jahren angebracht worden. Ob der Familie das recht ist, danach habe die Stadt Pressath nicht gefragt, obwohl der Mast zur Hälfte auf seinem Grundstück und zur Hälfte auf Flurbereinigungsgrund stehe, behauptet Günther Walberer. Als die Sirene installiert wurde, sei er sofort ins Rathaus gefahren und habe nachgeforscht. Auch einen Brief schrieb er im Januar 2018 an Bürgermeister Werner Walberer und die Stadträte. Auf eine Reaktion wartet er noch, erzählt der 72-Jährige.

Besonders ärgert den Opa der Buben aber, dass die Lautsprecher seiner Meinung nach auch an einem anderen Standort Platz gehabt hätten. Der heutige Sirenen-Mast sei vorher aus Holz gewesen und habe eine Starkstromleitung getragen. Als die Leitungen in die Erde verlegt wurden, sei der Pfosten durch einen aus Stahl ersetzt und die Lautsprecher seien dort installiert worden. Es hätte aber auch noch Alternativen gegeben, meint Walberer. Ein anderer Starkstrom-Mast, etwa 100 Meter Luftlinie vom Haus entfernt, wäre möglich gewesen. Dieser ist mittlerweile abgebaut worden.

Walberer wurmt auch, dass die Sirenen in Riggau und Eichelberg, die Arbeiter zeitgleich zur Döllnitzer aufstellten, nicht so nah am Dorf stehen. 300 Meter zur Dorfkapelle in Riggau und 97 Meter zur ersten Scheune von Eichelberg hat der 72-Jährige mit dem Auto-Tacho gemessen. Er könne verstehen, dass die anderen Orte, die wie Döllnitz zur Feuerwehr Altendorf gehören, den Alarm aus Döllnitz ebenfalls hören müssen, trotzdem ärgere ihn der neue Standort der Sirene. Zuvor war sie auf dem Hausdach einer anderen Familie. Weil diese umbaute, musste sie dort weg.

Ob sich auch schon andere Dorfbewohner bei der Stadt Pressath beschwert haben, kann Opa Günther Walberer nicht sagen. Er weiß aber von einigen Nachbarn, dass sie bereit wären, ihre Unterschrift dafür zu geben, dass die Lautsprecher wegkommen - sollte das erforderlich sein. Aufgrund der Beschwerde der Familie hat sich nun auch der Pressather Stadtrat mit der Sirene beschäftigt (siehe www.onetz.de/1832671). Eine Entscheidung über einen eventuellen neuen Standort zwischen "Am Heidweg" und Solarpark wurde jedoch vertagt. Der Platz muss noch ausreichend geprüft werden, war sich das Gremium einig. Auch anfallende Kosten von 5500 Euro müssten erst noch besprochen werden.

Bürgermeister kontert

Auf Nachfrage teilt Bürgermeister Werner Walberer am Donnerstag mit, dass er die Familie aus Döllnitz versteht, allerdings: "Irgendwo muss man die Sirene halt hinstellen. Wenn es darauf ankommt, ist jeder froh, wenn die Feuerwehr kommt." Die Vorwürfe an den Bürgermeister, die Walberers seien vorab nicht über den Sirenen-Standort informiert worden, weist der Rathauschef deutlich zurück: "Fakt ist, wir haben die aufgestellt, auch in Absprache mit der Familie, auch wenn sie nicht erfreut war. Aber sie hat es so hingenommen." Bei einem Ortstermin zuvor seien Günther Walberer und seine Familie dabei gewesen. "Ich werde mich hüten, Leuten einfach etwas vor die Nase zu setzen."

Zum Grundstücksbesitz betont der Bürgermeister ausdrücklich, dass der Grund, auf dem die Sirene steht, öffentlich ist und der Teilnehmergemeinschaft Döllnitz gehöre. Auf NT-Anfrage hat er sich darüber extra informiert. Wie Günther Walberer darauf komme, dass es sich um sein Grundstück handele, will Werner Walberer nicht beurteilen. "Fakt ist, es ist nicht auf seinem Grund", betont er. Dem Bürgermeister liege aber trotz der Uneinigkeiten eine einvernehmliche Lösung am Herzen. Deshalb wolle er nun prüfen, ob ein neuer Mast an der Straße "Am Heidweg" eine Option sein könnte. Die Gesundheit der Kinder sei schließlich wichtig. Komplett auf die Sirene verzichten will er nicht, sie sei eine gute Unterstützung zur Funk-Alarmierung, die die Wehr ebenfalls hat. Von der Feuerwehr war am Donnerstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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