07.03.2018 - 16:22 Uhr
Pressath

Ausbildungsmesse in Pressath Bund bleibt beliebt

In einer gern als "unsicher" charakterisierten Zeit sind krisenfeste Berufsbilder gefragter denn je. Dieser Trend kommt sogar im Pflegewesen an, urteilten Georg Müller Andreas Uschold bei der Ausbildungsmesse in Pressath.

Für alles, was Recht ist, interessieren sich viele junge Ausbildungswillige am Stand der bayerischen Justizverwaltung. Rechtspfleger Markus Bezold (rechts) zeigte eine Alternative zum langwierigen Jurastudium auf, das nur selten in eine Karriere als Richter, Staranwalt oder hochdotierter Syndikus mündet. Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

Krisenfeste Berufe sind auch im Pflegewesen gefragt, meinen Pflegedienstleiter Georg Müller und gerontopsychiatrische Fachkraft Andreas Uschold von der erstmals auf einer Vierstädtedreieck-Ausbildungsmesse vertretenen Regens-Wagner-Stiftung. Deren Michelfelder Regionalzentrum verwaltet auch die Eschenbacher Seniorenpflegeeinrichtung "Haus Clara" im alten Krankenhaus.

Für die Berufe des Heilerziehungs- oder Altenpflegers interessierten sich wieder mehr Bewerber, meinten Müller und Uschold bei der Pressather Ausbildungsmesse. Für stellvertretende Schulleiterin Claudia Wolf und Heilerziehungspflege-Lehrer Ulrich Sommer vom Berufsbildungszentrum Erbendorf steht jedoch außer Frage, dass die Rahmenbedingungen für Ausbildung und Arbeit nachjustiert werden sollten: "Die Politik tut zu wenig, die Pflegeberufe attraktiv zu machen."

Beliebter Bund

Von der Suche nach sicheren Berufswegen profitiert besonders der öffentliche Dienst, an dessen Ständen sich mitunter Schlangen bildeten. Trotz eines oft schlechtgeredeten Images sei das Interesse junger Menschen am Polizeidienst ungebrochen, freute sich Polizeihauptkommissar Ulrich Glaser von der Weidener Einstellungsberatung der Bayerischen Polizei. Freilich sei im Freistaat die Situation günstiger als in manchen anderen Bundesländern. "Hier investiert der Staat in die Modernisierung der Polizei."

Unverändert beliebt sei auch die Bundeswehr bei jungen Oberpfälzern, bilanzierte Oberleutnant Ronny Kühnel von der Weidener Karriereberatung der Streitkräfte. "Aufgrund unserer noch immer zahlreichen Standorte sind wir im Bewusstsein der hiesigen Bevölkerung nach wie vor sehr verwurzelt." Mit "Schnupperwehrdienst", 50 Ausbildungsberufen, 30 kostenfreien Studiengängen und nicht zuletzt dem IT-Bataillon, das sich dem Kampf gegen Internetkriminalität widmet, punktet die Bundeswehr zusätzlich.

Ass im Ärmel

Mit dem Reiz, den Bundeswehr oder Polizei auf viele Jugendliche ausüben, können Verwaltungszweige wie Justiz, Rentenversicherung, Zoll oder Arbeitsagenturen, die eher als "trocken" gelten, nur schwer mithalten. Doch Trümpfe wie eine Übernahmegarantie bei ordentlichem Ausbildungsabschluss, elternfreundliche Arbeitszeitmodelle und die besondere Altersversorgung des öffentlichen Dienstes verfehlen ihre Wirkung nicht. Den Behörden kann das hierdurch geweckte Interesse nur recht sein, denn einigen Branchen steht für die nächsten Jahre eine Pensionierungswelle ins Haus. Mit einer Ausbildungsoffensive reagieren die Behörden auf diese Entwicklung. "Verglichen mit 2013 bieten wir heuer dreimal so viele Ausbildungsplätze an", informierte beispielsweise Ausbildungsreferentin Daniela Schwindl von der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern. Auch an Berufsbildern wie dem des Rechtspflegers wird eifrig gefeilt: "Vielen ist nicht bewusst, dass dieser Beruf in der Justizverwaltung eine vielseitige Schlüsselstellung einnimmt, für immer wichtiger werdende Aufgaben wie Nachlasswesen oder Betreuung zuständig ist und dadurch eine Art ,zweite Säule der dritten Staatsgewalt' bildet", bedauerte Rechtspfleger Markus Bezold vom Amtsgericht Weiden.

Statt über eine Berufsausbildung den verlässlichen Weg ins Rechtswesen einzuschlagen, nähmen viele Abiturienten ein jahrelanges universitäres Jurastudium auf sich und würden allzu oft in ihren Karrierehoffnungen enttäuscht. "Wir sind hier, um dazu eine attraktive Alternative aufzuzeigen", betonte Bezold.

Nicht nur an Zapfsäule

Der Beruf des Mechatronikers steht in der Hitliste der beliebtesten Ausbildungsberufe weit vorn. Doch was nur wenige wissen: "Eine Mechatronikerlehre ist auch bei uns möglich", verriet Personalsachbearbeiterin Nicole Marksteiner von Oberpfalz-Medien, wo auch eine Vielzahl medienbezogener und kaufmännischer Ausbildungsgänge geboten wird. Zu einem Geheimtipp hat sich inzwischen auch die Tankstelle von Charlotte Hautmann in Pressath gemausert.

"Die 15 Praktikumsplätze, die wir zur Ausbildungsmesse angeboten haben, sind restlos besetzt", resümierte die Chefin. Mit fünf unterschiedlichen Arbeitsfeldern von Tankstelle und Mini-Supermarkt über Bistro-Café und Getränkemarkt bis zur Lottoannahmestelle kämen Auszubildende in Berührung. "Vor allem die von der Lotterieverwaltung verlangte Schulung mit einer 160 Fragen umfassenden Abschlussprüfung fordert die Mitarbeiter sehr", erzählte Hautmann. Entsprechend gute Chancen hätten erfolgreiche Azubis, wenn sie sich hernach für eine Stelle bei anderen Arbeitgebern interessierten.

Zoll ist mehr als "Zoll"

"Der Bevölkerung ist weithin nicht bewusst, was wir tun und warum", bedauerte Michael Lochner vom Hauptzollamt Regensburg bei der Pressather Ausbildungsmesse.

An Hand einer kleinen Ausstellung veranschaulichte er in der Mehrzweckhalle die vielfältigen Aufgaben, die auf Auszubildende der Zollverwaltung warten und weit über die klassische Zolleinhebung, die Schwarzarbeitsbekämpfung und die Verwaltung von Steuern wie der Kraftfahrzeug-, Branntwein- oder Tabaksteuer hinausgehen. So diene es der Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung, wenn die Zollbeamten illegale Waffen sicherstellten oder gegen Produktpiraterie vorgingen. "Das betrifft ja nicht nur gefälschte Rolex-Uhren, sondern auch minderwertige Fälschungen von Medikamenten oder sicherheitsrelevanten Auto- oder Flugzeugteilen."

Im Interesse des Natur- und Artenschutzes stelle man Tiere und Tierpräparate sicher, die unter einschlägige Schutzabkommen fielen und illegal eingeführt werden sollten. (bjp)

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