Einsatzkommando stoppt Tomahawk-Angreifer
Wüterich unter Drogen vor Gericht

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Pressath
13.12.2016
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Mit einem Großaufgebot nimmt ein Sondereinsatzkommando der Polizei in der Nacht des 26. April einen 37-Jährigen in der Nähe des Pressather Kindergartens fest. Er ist mit einem Tomahawk auf zwei Menschen losgegangen. Am Dienstag steht er vor dem Schöffengericht.

Weiden. Vorgeworfen werden ihm gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung und Hausfriedensbruch. Der Ledige war in der Nacht gegen 1.45 Uhr durch ein gekipptes Wohnzimmerfenster in die Wohnung eines Freundes eingedrungen, bei dem diese übernachtete. Mit einem Tomahawk drohte er den beiden, sie zu erschlagen. Bei einem anschließenden Gerangel bekam der gleichaltrige Freund einen Schlag mit der stumpfen Seite des Beils gegen die Stirn ab, die daraufhin heftig blutete. Nachdem es dem gelernten Schweißer mit Hilfe der Frau gelungen war, dem Eindringling ein Messer und das Tomahawk abzunehmen, flüchtete er zu seiner im gleichen Haus wohnenden Mutter, um die Polizei zu benachrichtigen.

Oft Streit in der Beziehung

Zurück in seiner Wohnung bekam er es wieder mit seinem Freund zu tun. Mindestens drei Faustschläge habe er abbekommen, bevor es gelungen sei, den Angreifer aus der Wohnung zu drängen, berichtete der Geschädigte vor Gericht. Am Morgen konnte der Pressather dann in einem Kellerabteil festgenommen werden.

Die Beziehung des 37-Jährigen zu seiner Verlobten war von heftigen Konflikten geprägt. Bereits am Tag vor dem Angriff hatte der zuletzt Arbeitslose sie zum wiederholten Mal aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen. Da sie dieser Aufforderung nicht nachgekommen war, hatte er sie am Pullover über die Treppe vom zweiten in den ersten Stock gezogen, geschlagen und getreten.

In der Verhandlung berichtete der Angeklagte, dass beide zuvor größere Mengen Rauschgift konsumiert hätten. Auch am Tag danach habe er sich Bier, Schnaps und Drogen hineingezogen. Als er über Facebook erfahren habe, seine Freundin sei glücklich mit dem anderen, seien die "Sicherungen durchgebrannt".

Dr. Bruno Rieder attestierte dem Angeklagten eine starke Drogenabhängigkeit. Auch zeigten sich hohe Werte auf einer Psychopathie- und Paranoia-Skala. Die Tat selbst sei jedoch nicht wegen der Betäubungsmittel geschehen, sondern ein "andauerndes auffälliges Verhaltensmuster beim Angeklagten". Dies zeigte auch der Auszug aus dem Bundeszentralregister. Acht Vorstrafen wies dieses auf, mehrere davon wegen Gewaltdelikten, auch gegen Frauen. Staatsanwältin Carina Spörl kreidete dem Angeklagten dies besonders an. Sie beantragte drei Jahre, neun Monate. Die Verteidiger, Martina Fuchs-Andonie und Professor Dr. Ulrich Ziegler, verwiesen auf das Geständnis, die eingeschränkte Schuldfähigkeit und die Krankheitseinsicht ihres Mandanten.

Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und die Schöffinnen blieben mit dreieinhalb Jahren knapp unter Spörls Forderung. Gemäß der Empfehlung Dr. Rieders kommt der Verurteilte für etwa zwei Jahre in ein psychiatrisches Krankenhaus und wird dann auf Bewährung entlassen.

Verlobte verzeiht

Die Verlobte des Angeklagten habe ihm mittlerweile in der Untersuchungshaft einen 25-seitigen Brief geschrieben. Sie schätze ihn sehr. Zugleich habe sie sein Konto um 16 000 Euro erleichtert, um bestellte Waren aus dem Internet zu bezahlen, erklärte die Rechtsanwältin. Zur Verhandlung erschien die Frau nicht. Unentschuldigt. Richter Heindl verfügte deshalb ein Bußgeld von 150 Euro.
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