Gemeinnütziger Holzhandel
Dippel geht stiften

Nur der Briefkasten am Pressather Steinbühl verrät, dass es die Stiftung gibt. Die GmbH ist inzwischen Eigentum der Stiftung. Bilder: is (2)
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Pressath
07.01.2018
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Konrad Dippel. Bild: gsb

Konrad Dippel junior hat den Familienbetrieb verkauft. Er bleibt aber Holzhändler mit Sitz in Pressath. Bei der Betriebsform geht der Trabitzer aber völlig neue Wege.

Familie Dippel fängt etwas ganz Neues an - und kehrt damit zu den Wurzeln zurück. Nach dem Verkauf ihres Hobelwerks im Industriegebiet Döllnitz haben Konrad Dippel senior und junior kurz vor Weihnachten die Stiftung "Lebensfreude für Mensch und Natur" ins Leben gerufen. Ausgestattet ist die Stiftung mit einem Kapital von genau einer Million Euro - zu großen Teilen in Sachwerten.

Teil der Stiftungsvermögens ist das alte 7500 Quadratmeter große Gelände am Pressather Steinbühl, von dem aus der Betrieb einst als einer der ersten ins damals neue Industriegebiet Döllnitz umsiedelte. Dort wird die neue Stiftung auch ihren Sitz haben. Dazu bringen die Dippels Ware ein, die die Ziegler-Group bei der Übernahme nicht mit gekauft hat. "Bis unters Dach voll mit Holz" seien die Gebäude im alten neuen Dippel-Sitz in der Wiedenhofstraße. Unter anderem aus dem Verkauf dieses Holzes möchte Konrad Dippel junior die Stiftung mit Geld versorgen, erklärt er. Der Markt sei da, denn die Ziegler-Group habe am Holz-Einzelhandel kein Interesse und werde den Fachmarkt wohl auf absehbare Zeit auslaufen lassen. In dieses Vakuum könnte ein neuer Holzhandel stoßen. "Interesse und Wissen sind bei uns auf jeden Fall vorhanden", sagt Dippel junior.

Was die Stiftung mit dem erwirtschafteten Geld anfängt, könne er konkret noch nicht sagen. "Ich bin noch zu sehr damit beschäftigt, den Start vorzubereiten und zu organisieren." Zudem habe sich der Stiftungsrat noch nicht konstituiert. Dem dreiköpfigen Gremium aus Dippel senior und junior sowie dessen Lebensgefährtin Bernadette Göppl obliegt es, über die Verwendung des Geldes zu entscheiden. Fest steht allerdings bereits der Stiftungszweck, an dem sich der Stiftungsrat bei seiner Entscheidung orientieren muss: Volksbildung, Naturschutz, Förderung der internationalen Gesinnung. Diese drei Punkte gibt die Satzung der Stiftung vor. "Wir haben uns bewusst dafür entschieden, den Stiftungszweck eher etwas weiter zu fassen, um mehr Spielraum zu haben", sagt Dippel.

Er wolle dem Rat nicht vorgreifen, könne sich aber vorstellen, mit den Erträgen der Stiftung Projekte für Sinti und Roma in Bulgarien zu fördern. Dorthin habe er bereits Kontakte und wisse deshalb aus erster Hand, dass es dort viel zu tun gäbe. "Mir liegt das Thema Nachhaltigkeit am Herzen." Dippel kann sich vorstellen, den Menschen in diesem Bereich eine Perspektive zu geben und so mittelfristig zu verhindern, dass sie in deutschen Fußgängerzonen als Bettler auftauchen.

Den Ausschlag zur Stiftung haben für Dippel verschiedene Punkte gegeben. Der 46-Jährige gibt zu, dass die Stiftung der Familie auch eine Menge Steuern spart. "Wir haben schließlich keine Briefkastenfirmen, um das Geld aus dem Verkauf unserer Firma verschwinden zu lassen." Vor allem aber gefalle ihm der Gedanke, seine Arbeit zu machen und damit dem Gemeinwohl zu dienen. Immer wieder bringt Dippel im Gespräch den Begriff der "Gemeinwohlökonomie" ins Spiel.

In der Präambel zur Stiftungssatzung beklagt Dippel junior die "Verschlechterung des körperlichen und seelischen Zustands der Welt", den das Streben nach Materiellem mit sich bringe. Doch es gebe auch "viele positive Lichtblicke". Seine Stiftung solle "überzeugen und vorleben, Hilfen und Möglichkeiten geben", damit eine positive "Vision Raum greift". Dippel sagt, er freue sich darauf "für die Allgemeinheit" zu arbeiten. "Ich glaube, das wird auch für mich so eine Art Bildungsprogramm. Das Geld und die Waren gehören dann ja nicht mehr mir." Und noch etwas wird künftig ganz anders sein. "Bisher musste unser Betrieb immer Schulden aufnehmen, um zu wachsen, um die alten Schulden abbezahlen zu können. Jetzt arbeiten wir mit Geld, das schon da ist. Und Schulden dürfen wir gar nicht mehr machen."
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