(K)ein Unfallschwerpunkt bei Döllnitz
Die Kracher-Kreuzung

Sehr gut einsehbar und trotzdem: Immer wieder übersehen Autofahrer an der Kreuzung die Vorfahrt der au Richtung Schwarzenbach (von rechts) kommenden Autos. Warum, ist unklar. Und auch über mögliche Gegenmaßnahmen besteht keine Einigkeit. (Foto: whw)
Vermischtes
Pressath
16.02.2017
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Die Kreuzung ist ein Phänomen: Freier Blick in alle Richtungen und doch kracht es regelmäßig auf der Kreisstraße 5 bei der Abzweigung nach Döllnitz/Troschelhammer. Wieso ist das so? Und vor allem: Was kann man tun?

Stoppschild, Geschwindigkeitsbeschränkung oder gleich ein Kreisverkehr: Nach dem Unfall in der vergangenen Woche an der Kreuzung der Kreisstraßen 22 und 5 hat Pressaths Stadtrat klar gemacht, dass etwas passieren muss. Damit spielte der Rat den Ball dem Landratsamt zu, dass für Kreisstraßen zuständig ist.

Die Behörde hat sich aber erst vergangenen Herbst mit der Straße beschäftigt. Nachdem eine Anwohnerin sich ans Landratsamt gewendet hatte, holte das Sachgebiet Verkehrswesen Stellungnahmen des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach, der Polizeiinspektion Neustadt/WN und der Stadt Pressath ein. Während die Stadt nach eigener Aussage schon damals Maßnahmen gefordert habe, sahen es die Fachstellen anders: "Beide lehnen in ihren fachlichen Rückäußerungen übereinstimmend verkehrsregelnde Maßnahmen wie einen Kreisverkehr, eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder anderes ab", erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts, Claudia Prößl.

Das Staatliche Bauamt habe darauf hingewiesen, dass die Sichtweiten an der Kreuzung "in jeweils beide Richtungen weit mehr als die nach straßenbaulichen Richtlinien geforderten 200 Meter" beträgt. Die für Kreisstraßen zuständige Polizeiinspektion Neustadt/WN hat sich ebenfalls mit der Kreuzung beschäftigt und dabei festgestellt, dass es sich bei der Kreuzung nicht um eine sogenannte Unfallhäufungsstelle handelt. Von einer solchen spreche die Polizei, wenn innerhalb eines Jahres fünf oder mehr Unfälle mit der selben Ursache vorkommen. "Auch die Schwere der Unfälle, eine Häufung von Verletzten spiele bei einer solchen Eingruppierung eine Rolle. An dieser Stelle seien die Kriterien bei der Prüfung aber nicht erfüllt, erklärt Tobias Wirth, der für die Neustädter Inspektion an der Prüfung beteiligt war. Auch das tägliche Verkehrsaufkommen sei nicht ungewöhnlich hoch. Laut Landratsamt habe die letzte amtliche Verkehrszählung im Jahr 2010 ergeben, dass auf der Kreisstraße 5 täglich 2937 Kraftfahrzeuge unterwegs sind, auf der NEW 22 sind es 799.

Landratsamt und Polizei betonten aber auch, dass sie sich nach dem erneuten Unfall wieder mit der Kreuzung befassen wollen: "Aufgrund des erneuten Unfalls prüfen wir die Sachlage nochmals und haben dazu den Unfallbericht der Polizei angefordert", meldet das Landratsamt. Auch die Polizei sei bereit, erneut über Maßnahmen nachzudenken, sagt Polizeihauptkommissar Wirth. Entscheidend sei aber das Landratsamt. Von ihm müsse die Initiative ausgehen.

Nur scheinbar übersichtlichFreier Blick in beide Richtungen und doch kommt es an der Kreuzung zum Industriegebiet Döllnitz immer wieder zu Unfällen. Für Hans Bscherer sind diese keine Überraschung. "Man unterschätzt diese Kreuzung leicht", sagt der Vorsitzende der Eschenbacher Gebietsverkehrswacht, der als Fahrlehrer fast täglich den Straßenabschnitt passiert.

Autofahrer aus Richtung Troschelhammer können die Straße von Schwarzenbach nach Pressath zwar oben auf der Bahnüberführung gut überblicken. Wenn sie weiterfahren, gebe es aber sehr wohl Büsche, die das Blickfeld einschränken, hinter denen Autos "verschwinden" können. "Man fährt bergab zur Kreuzung und glaubt, alles zu überblicken. Dann ist der Unfall schnell passiert", erklärt Bscherer.

Er weiß, dass scheinbar übersichtliche Kreuzungen sich als Unfallmagnet entpuppen. In der Region fällt ihm die Kreuzung der Kreisstraße 14 bei Schlammersdorf ein, dort habe es regelmäßig schwere Unfälle gegeben. Seit an der Kreisstraße Stoppschilder stehen, ist es besser. Er glaubt, dass Stoppstellen auch bei Döllnitz helfen könnten. "Der Verkehrsfluss muss verlangsamt werden." Das ließe sich noch besser durch einen Kreisverkehr erreichen. "Aber zwei Schilder sind schneller aufgestellt und deutlich günstiger." (wüw)
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