13.03.2018 - 20:00 Uhr
Pressath

Kreativer Kreuzweg mit „Jesus Art“ Gedanken und Bilder zu aktuellen Problemen

Passen Kunst und Theologie zusammen? Die Antwort bekommen die Teilnehmer eines etwas ungewöhnlichen Kreuzwegs, bei dem die Straßenkunst im Fokus steht.

Ein Kreuzweg der anderen Art: Sieben Themenbilder stehen für Lebenssituationen von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ausgegrenzt und verzweifelt sind. Bild: mng
von Martin GraserProfil

Der Familienkreuzweg, der unter dem Motto "Jesus-Art" stand, drehte sich um die Straßenkunst. Die sieben Bilder der Kreuzwegstationen entstammten ursprünglich einem Projekt mit Jugendlichen. Die Motive der als "Stencil Art" bezeichneten Kunstform werden gesprayt. Geschnittene Schablonen dienen als Vorlage.

Zunächst wurde am Kirchplatz die Passionsgeschichte nach Johannes und Lukas aus der Bibel erzählt. "Jesus Art" war somit zweideutig zu verstehen: Einerseits als ausdrucksstarke Kunstform, die optisch den Leidensweg in die Bildfläche transportierte, andererseits als Auseinandersetzung mit der Wesensart von Jesus, wie er seinen Schmerzensweg ging und was er für Christen bedeutet. Die erste Station zeigte "Jesus wird zum Tode verurteilt" durch das Bild eines Jungen, der mit gesenktem Kopf hinter einer Polizeiabsperrung steht. Die rund 60 Teilnehmer gingen den Fragen nach: Warum steht er da und warum wurde er ausgegrenzt?

Last schultern

Dann setzte sich der Zug in Bewegung, angeführt von Pfarrangehörigen, die abwechselnd das Holzkreuz trugen. An der zweiten Station im Innenhof des Seniorenheims wurde das Bild zu "Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern" gezeigt. Eine Person in gelbem Schutzanzug, ausgerüstet mit Atemschutzmaske und Handschuhen, stellte die Situation dar. Sie vermittelte die Botschaft: "Es gibt Menschen, die sich in Gefahr bringen, um anderen zu helfen."

Weiter ging es zum Dostlerplatz, wo folgende Lebenssituation gedeutet wurde: "Tut weh zu sehen, dass da jemand in verdreckten Klamotten im Straßendreck sitzt. Ich müsste eigentlich hingehen und fragen, was passiert ist, dass er so weit unten ist. Keine Ahnung, was zu tun ist. Ich wechsle lieber die Straßenseite."

Maske vorm Gesicht

Das Bild an Station vier in der Bahnhofstraße unter der Überschrift "Jesus begegnet den weinenden Frauen" zeigte ein einsames Mädchen von hinten. Es lebt mit seiner Mutter in einem Frauenhaus. Der Teddy, der neben ihr auf dem Boden liegt, hat eine starke Signalwirkung. "Vielleicht ist das wahre Gesicht immer hinter einer Maske verborgen" Mit dieser Aussage befasste sich die fünfte Station am Kriegerdenkmal. "Will oder kann ich mein wahres Gesicht nicht zeigen?" Vor Gott und in allen Lebenslagen darf aber jeder Mensch er selbst sein.

Auch das Flüchtlingsthema wurde aufgegriffen. An der vorletzten Station "Jesus wird ans Kreuz geschlagen" wurde eine Frau mit ihren kleinen Kindern gezeigt. Sie steht hinter einer unüberwindlichen Absperrung aus Stacheldraht. "Jesus stirbt am Kreuz", die letzte Station am Priestergrab, zeigt einen Flüchtling. Er trägt eine orange Schwimmweste. Er treibt tot im Meer.

Welt verbessern

So konnten sich die Teilnehmer während des Kreuzweges nicht nur mit ihrem Glauben auseinandersetzen, sie sollten auch erkennen, dass die Kreuzwegsituationen in der Welt nicht so bleiben müssen, sondern sich durchaus verändern lassen.

Die Schlussworte sprach Stadtpfarrer Edmund Prechtl. Er dankte nach dem Segen dem liturgischen Ausschuss für die Ausarbeitung und Textauswahl des Kreuzweges, allen Mitwirkenden, den Gläubigen für die Teilnahme, der Feuerwehr für die Absicherung und dem Roten Kreuz für deren Sanitätsdienst.

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