Landgericht Weiden verhandelt Beil-Attacke vom Ostermontag
Todesangst vor der Axt

Symbolbild. (Foto: dpa)
Vermischtes
Pressath
07.12.2016
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Zweiter Prozesstag im Weidener Landgericht. Das Paar, das vom eifersüchtigen Ehemann am Ostermontag mit einem Handbeil traktiert wurde, trifft auf den Täter.

Weiden/Pressath. Wie wird der - vom Opfer als hochgradig eifersüchtig beschriebene - Ex-Mann reagieren, wenn er die hochschwangere Frau neben dem neuen Partner sieht? Welche Beklemmung löst die Begegnung bei den Geschädigten aus, die an jenem 28. März Todesängste durchlitten?

Die Oberpfälzerin mit türkisch-arabischen Wurzeln und bayerischem Zungenschlag ist einem Zusammenbruch nah. Landgerichtspräsident Walter Leupold muss die Befragung unterbrechen, weil ihr die Stimme versagt. Es dauert, bis sie das traumatische Ereignis vom 28. März aus ihrer Sicht erzählen kann.

Als die Versicherungskauffrau im linken Seitenspiegel den weißen Golf des Ex erkennt, weiß sie: "Das wird nicht friedlich abgehen." Er sei ausgestiegen und wie von der Tarantel gestochen zu ihrer Tür gerannt. "Der K. ist da, bitte ruf die Polizei", habe sie geschrien und in Panik versucht, das Auto zu verriegeln, was in letzter Sekunde gelungen sei. Der Angreifer sei nach hinten gelaufen, habe mit dem Beil die Heckscheibe eingeschlagen und anschließend die Scheibe auf der Beifahrerseite, wo der Lebensgefährte saß: "Wehr' dich, wehr' dich", habe sie geschrien. "Er ist fast auf meinem Schoss gesessen", weil er immer und immer wieder ins Auto geschlagen habe.

"Wir müssen hier raus"

"Wir müssen hier raus", habe sie erkannt und als der wütende Mann registriert habe, dass sie die Tür öffne, sei er um das Auto gelaufen - sie habe die Tür zwischen sich und ihn gebracht und sei weggerannt. "Er hat mich eingeholt, mich links am Oberschenkel getroffen, ich bin zu Boden gefallen", sagt sie mit erstickter Stimme. Dann habe er die Axt auf ihren Kopf gerichtet und zugeschlagen: "Ich weiß bis heute nicht, wie ich sie abfangen konnte - das war der schlimmste Moment in meinem Leben." Zum Glück sei ein Nachbar zu Hilfe gekommen: "Er stand da mit einer Schaufel und schrie ihn an." Darauf habe ihr Ex sich zurückgezogen.

Die Vertreter des Angeklagten fahnden nach Widersprüchen: Immer wieder werden die Einlassungen am Tatort mit der Zeugenaussage abgeglichen. Pflichtverteidiger Rouven Colbatz gräbt nach Konfliktstoff. "Können Sie sich an eine ,Whatsapp' erinnern, in der Sie mit dem Landratsamt drohen?" Nach der Trennung habe sie einer Geldforderung Nachdruck verliehen, indem sie drohte, das Ende der Beziehung zu verraten - ein Abschiebegrund.

Wahlverteidiger Helmut von Kietzell beleuchtet die Beziehung: "Sie haben sich als moderne Frau beschrieben - worauf bezieht sich modern?" Auf Kleidung und Beruf, fällt der Befragten ein. "Auch auf Treue?" Sie sei ihrem Mann immer treu gewesen. Die übersteigerte Eifersucht des Gatten habe sich auf ein Essen mit der Freundin, ein Gespräch mit dem Nachbarn und sogar den Arztbesuch bezogen, wo er dabei sein wollte.

Es ist nicht nur legitim, sondern Aufgabe der Verteidigung, Schwachpunkte der Anklage, Widersprüche von Zeugen abzuklopfen, um den Angeklagten zu entlasten - es geht um ein Strafmaß von bis zu 15 Jahren. Verständlich, dass sich die Anwälte nicht auf subjektiv gefärbte Erinnerungen verlassen möchten. Umgekehrt warnt auch der Landgerichtspräsident: "Es ist Zeugen schlichtweg nicht möglich, Nebensächlichkeiten Jahre später zu schildern", sagt Leupold.

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