Minischwein Lotta-Collien lebt bei Josua Kneidl [Video]
Ein Schwein für daheim

Guckst du. Minischwein Lotta-Collien schaut neugierig aus dem Kofferraum.
Vermischtes
Pressath
08.09.2017
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Laut grunzend hopst Lotta über den Sand. Um ihre Schnauze herum klebt Brei. Genüsslich schmatzt das Minischwein vor sich hin, während es mit Herrchen Josua Kneidl durch die Kiesgrube bei Dießfurt spaziert. Der 30-Jährige lebt Tag und Nacht mit dem Schwein zusammen.

Pressath/Weiden. Wie verrückt dreht sich Lotta-Collien Kneidl um die eigene Achse, fetzt ein Stück voraus, macht Bocksprünge und quiekt vor Freude. Das Minischwein liebt es, mit "Papa" Josua auf Entdeckungstour zu gehen. Seit neun Monaten teilt er seinen Alltag mit dem kleinen borstigen Fräulein. Und das stellt sein Leben ganz schön auf den Kopf.

Die Lieblingsbeschäftigung von Lotta ist fressen. "Schweine haben kein Sättigungsgefühl", erklärt Kneidl und wirft seiner Begleiterin Sonnenblumenkerne vor die Steckdosennase. Die verputzt sie flink und schaut erwartungsvoll nach oben. Sie will mehr. Kneidl zieht ein Glas mit Karotten-Kartoffelbrei aus der Tasche, tunkt seinen Finger ein und streckt ihn Lotta hin. Das Schwein macht Männchen, um an das Futter heranzukommen. Hat es den Finger endlich erwischt, nuckelt und schleckt es, bis alles weg ist. Kneidl putzt ihr schließlich den Rammel weg. Das Futter muss nun aber erst einmal reichen., Lotta soll nicht zu dick werden. "Ich will ja kein Hängebauchschwein", lacht Kneidl.

Acht Kilo wiegt das neun Monate alte Schweinchen. Viel größer wird es nicht mehr. Wenn es ausgewachsen ist, hat es ungefähr die Größe eines Mopses - anders als bei normalen Schweinen, beschreibt Kneidl, dem Lotta momentan nicht einmal zu den Knien reicht. "Sie braucht viel Aufmerksamkeit", erzählt der 30-Jährige, der aus Pressath stammt und nun in Weiden wohnt. Fast wie bei einem Kleinkind. Für sein Schwein hat er sogar Hobbys aufgegeben, weil er so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen will. "Ich habe jetzt eine Verantwortung für sie", sagt er. Lotta soll ein gutes Schweineleben haben. Sie soll im Stroh wühlen dürfen, Schnecken fressen und eine richtige Rennsau sein können - und sie soll merken, dass sein Herrchen sie gern hat. Deshalb bekommt Lotta täglich eine ausgiebige Streicheleinheit. "Oft wirft sie sich dann auf die Seite, streckt alle Viere von sich und will gegrault werden." Hört Kneidl damit auf, stupst sie ihn an. Weitermachen, grunzt sie dann vermutlich.

Das Fräulein mit der Steckdosennase darf sogar in Kneidls Bett schlafen. "Wenn ich morgens aufwache, schmiegt sie sich an meinen Hals oder ans Bein", erzählt Kneidl. Wieder abgewöhnen kann er ihr das mittlerweile nur schlecht. "Sie quengelt, wenn sie nicht rein darf. Und ohne Decke kann sie nicht mehr einschlafen." Deshalb hat sie in ihrer Transportbox für das Auto auch viele Handtücher. Dort kann sie wühlen und sich verstecken. Im Nachhinein denkt Kneidl manchmal darüber nach, ob er strenger mit ihr hätte sein sollen. Das Bett-Tabu fiel ihm aber schwer: "Sie war so klein und da konnte ich nicht Nein sagen." Lotta sei außerdem sauber. "Sie riecht nicht nach Schwein." Fremde würden immer gleich an die stinkenden Schweine auf den Bauernhöfen denken. "Sie ist aber eine kleine Diva, meidet großen Dreck und war nach drei Tagen stubenrein. Sie hat ein Katzenklo mit Sägespähne, da geht sie rein", berichtet er.



Ab und zu badet Kneidl Lotta auch, dann seift er sie richtig ein. "Das mache ich aber nicht zu oft." Das Shampoo soll die Haut nicht zu sehr reizen. Lieber geht er mit dem kleinwüchsigen Hausschwein im Dießfurter Freizeitsee schwimmen. Auf einem Brett surft Lotta über das Wasser, zurück zum Ufer schwimmt sie. "Du siehst nur noch die Steckdose", grinst Kneidl und tätschelt Lottas Nacken. Das Minischwein grunzt glücklich und fetzt mit wedelndem Schwanz davon, von Kringeln keine Spur. Jeden Abend geht Kneidl mit ihm eine Runde - bis zu fünf Kilometer. Danach fährt er nach Pressath zu einem Grundstück, wo er ein Gatter gebaut hat. Dort sitzt er, trinkt sein Feierabendbier und schaut Lotta zu, wie sie im Stroh wühlt. "Manchmal verstecke ich Sonnenblumenkerne zwischen den Halmen. Wie die Nadel im Heuhaufen. Das gefällt ihr."

Schon immer hatte Kneidl, der im Außendienst einer Baufirma arbeitet und Lotta manchmal auch mit zu seinen Kunden nimmt, ein Faible für Schweine. Das zeigt nicht nur der Schlüsselanhänger, der aus seiner Jeanstasche baumelt - ein rosa Schwein. "Von Ikea habe ich eine Stoffsau, die heißt Collie," erzählt er. Irgendwann wünschte er sich ein echtes Minischwein. Dass er wirklich mal eines haben würde, hätte er nicht gedacht. Zu seinem 30. Geburtstag grunzte ihn dann plötzlich Lotta-Collien aus seinem Zimmer heraus an - ein Geschenk seiner Familie.

Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis sich Golden Retriever Maja an das neue Familienmitglied gewöhnt hat. "Sie war eifersüchtig", erinnert sich Kneidl. Mittlerweile verstehen sich die beiden Tiere gut, schnüffeln aneinander und laufen gemeinsam über den elterlichen Hof in Pressath. "Andere Hunde haben aber Schiss vor ihr", meint der 30-Jährige. Bei Spaziergängen nimmt er Lotta sicherheitshalber auf den Arm, wenn ein fremder Hund entgegenkommt.

Der "Schweinchen-Papa" sucht sich aber sowieso lieber Wege, auf denen nicht so viel los ist. Auch durch die Stadt will der Weidener nur noch ungern mit Lotta gehen. "Ich komme kaum einen Meter weiter", gesteht er. "Sie ist eben etwas Besonderes. Einen Hund hat jeder." Es gibt aber auch hundeähnliche Momente in Lottas Leben: Sie passt auf ihr Herrchen auf, wie ein Hütehund. "Sie hat uns geweckt, als es bei einem Kumpel gebrannt hat - eine kleine Lebensretterin", berichtet er stolz. Weil Lotta Alarm gegrunzt hat, konnte die Feuerwehr die Flammen auf dem Balkon schnell löschen. Schwein gehabt also.

Kneidl will seinem Borstentier zudem beibringen, Trüffel zu erschnüffeln. Er hat vor, sich bei einem Trüffelkurs in Frankfurt anzumelden. Obwohl dieser für Hunde gedacht ist, darf Lotta mitmachen. Wie so mancher Hund hat das Schweinchen zudem eine Leine zum Spazierengehen. Auch ein FC-Bayern-Trikot und ein Hotdog-Kostüm besitzt sie. Sogar eine eigene Facebook-Seite ist nach Lotta-Collien benannt. Trotzdem soll sie ein Schwein bleiben dürfen, sich suhlen und wohlfühlen, betont Kneidl. Die Klamotten trägt sie daher nur ganz selten. Und aus Liebe zu seinem Schwein achtet Kneidl nun auch mehr auf seine Essgewohnheiten. Schweinebraten und Co. kommen bei ihm nicht mehr auf den Tisch, seit er Lotta bei sich hat. "Wenn mir jemand einen Leberkäse ausgibt, dann sage ich jetzt nicht nein", meint der 30-Jährige. Er kauft sich selbst aber kein Schweinefleisch. Vegetarier ist er allerdings dadurch nicht geworden: "Ich esse lieber Rindfleisch." Seine Familie scherzt deshalb schon: Zum nächsten Geburtstag steht dann ein Kälbchen vor der Tür.

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Weitere Bilder im Internet:

www.facebook.com/LottaCollien/

Gutes tunHerrchen Josua Kneidl will mit seinem Minischwein Lotta-Collien auch Gutes tun und demnächst ein Spendenkonto einrichten. Das Geld, das er und Lotta für Krankenbesuche bekommen haben, um kranke Menschen aufzumuntern, will er an Bedürftige weitergeben. (spi)
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