22.03.2018 - 17:16 Uhr
Pressath

Naturschutz: Hecken und Sträucher sind wichtig Kahlschlag schadet Bienen

Immer weniger Vögel, immer weniger Bienen. Das sei kein Wunder, wenn man sieht, wie an Straßen- und Feldrändern mit Hecken und Sträuchern umgegangen wird, sagen Naturschützer.

An der B 470 bei Schwarzenbach sind noch die Übrigbleibsel der Pflegemaßnahmen zu sehen. Bild: Schönberger
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Wenn Rainer Dötsch derzeit mit dem Auto unterwegs ist, muss er sich ärgern. Nicht über den Verkehr, was er am Straßenrand sieht, stört den Pressather: teils radikal gestutzte Hecken. Auch an Feld- und Waldrändern sind über den Winter viele Sträucher und kleine Bäume verschwunden - und damit wichtiger Lebensraum für Vögel und Insekten. Dem LBV-Vorsitzenden fehlt dafür das Verständnis. "Privatleute werden angehalten, Lebensraum für die Tiere zu schaffen, aber die Ämter scheint das gar nicht zu interessieren", sagt Rainer Dötsch.

VLAB: Es wird mehr zurückgeschnitten

Zustimmung erhält er von Hans Frisch, dem Kreisvorsitzenden des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz. "Natürlich geht die Verkehrssicherheit vor. Und die Sicht muss auf der Straße frei sein." Wieso aber auch Weiden weg müssen, "die 50 Meter von einer Straße wegstehen, das geht mir nicht ein." Sein Naturschutzverein VLAB hat sich in dieser Frage klar positioniert und spricht sich ausdrücklich für schonenderen Umgang mit den Lebensräumen für kleine Tiere aus. Der Erfolg halte sich in Grenzen. Frisch sagt, er habe den Eindruck, dass seit etwa zehn Jahren deutlich mehr zurückgeschnitten wird als zuvor.

Das könnte daran liegen, dass immer häufiger Maschinen den Rückschnitt übernehmen. Mit relativ schwerem Gerät sei es nicht möglich, "mit Augenmaß" zu schneiden. "Dann geht nur der Kahlschlag", sagt Roswitha Arnold. Sie arbeitet bei der Stadt Pressath und ist dort der Beweis, dass es auch anders geht. Im vergangenen Jahr hat die Stadt die Mitarbeiterin in der Grünabteilung zur Landschaftspflegerin weiterbilden lassen. Seither kümmert sie sich unter anderem darum, dass nicht mehr Natur zurückgeschnitten wird als nötig. "Früher ist es mir nicht aufgefallen. Seit ich weiß, wie wichtig Hecken und Sträucher sind, sehe ich, wie viel zerstört wird." Es wäre sinnvoll, wenn es in allen Kommunen Landschaftspfleger gäbe. "Man muss die Pflanzen kennen und wissen, wofür sie wichtig sind." Die oft zurückgeschnittene Weide blühe zum Beispiel zeitig und biete Bienen die erste Nahrung im Frühjahr. Wichtig sei zudem, Hecken nicht großflächig zu schneiden, sondern streifenweise. "Das geht oft nur per Hand", sagt Arnold. Der Aufwand sei größer, aber das sollten die Bienen wert sein.

Orientierung an Natur- und Artenschutz

Unter Kahlschlag-Generalverdacht steht oft das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach, das sich um viele überörtliche Straßen kümmert - sich dabei aber auch immer am Natur- und Artenschutz orientiert, wie Amtsleiter Henner Wasmuth versichert. Das beginnt bei der Planung der Pflegemaßnahmen im Herbst, in die die Naturschutzbehörden der Landratsämter eingebunden sind. Dass die Einschnitte nicht großflächig erfolgen, sei selbstverständlich.

Natürlich unterliege aber auch das Bauamt gewissen Zwängen. Aus Naturschutzgründen sei der Einschnitt etwa nur von 15. Oktober bis 28. Februar möglich, deswegen erscheinen die Arbeiten im Winter besonders massiv. Wegen Arbeitsschutzes und Wirtschaftlichkeit könne das Bauamt auf Maschineneinsatz nicht verzichten. "Man muss bedenken, welch großes Gebiet das Bauamt abzudecken hat." Zudem rät Wasmuth, die Kraft der Natur nicht zu unterschätzen: Was heute "auf den Stock gesetzte" und deshalb wie Tod aussieht, stehe schon in drei oder vier Jahren wieder in voller Blüte.

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