29.03.2018 - 18:46 Uhr
Pressath

OTH-Film über Oberpfälzer Hilfsprojekt Bhaktapur im rechten Licht

Der Film eines OTH-Studenten auf Arte-Niveau: Robert Neuber dokumentiert in seiner Masterarbeit den Wiederaufbau in der nepalesischen Königsstadt Bhaktapur. Gleichzeitig rückt der Filmemacher die Arbeit eines Oberpfälzer Hilfsvereins ins rechte Licht.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die „Nummer sicher“ sieht anders aus: Für Robert Neuber ging es immerhin um seine Masterarbeit. Und dennoch betrat der OTH-Student der Medientechnik Neuland. Ein Dokumentarfilm sollte es werden. Das Problem: Den Drehort Bhaktapur kannte er nur aus Erzählungen. Und die Stadt vorab zu besuchen, war nicht drin. Bhaktapur liegt rund 6500 Kilometer von seinem Heimatort Pressath entfernt in Nepal.
Heute ist klar: Das Risiko hat sich gelohnt. Der Film ist fertig, Neubers Amberger Professor Karlheinz Müller bewertete ihn mit einer glatten 1,0. Aber auch ein Laie erkennt bei dem 90-Minuten-Film: „Die zweite Rettung von Bhaktapur“ ist mehr als ein Studentenprojekt. „Ich wollte etwas Neues“, sagt Neuber heute. Der 36-Jährige hatte sich bereits einen Namen mit Filmen zur Heimatgeschichte gemacht.

Film über Speinshart

Für seine Bachelorarbeit produzierte er mit Heimatforscher Hans Walter aus Kastl bei Kemnath einen Film über das Kloster Speinshart – in der Region sorgten die beiden damit für Aufsehen. Um sich nicht festzulegen, sollte es für die Masterarbeit etwas anderes sein. Fündig wurde Neuber bei der Suche im „Neuen Tag“: Ein Bericht in der Tageszeitung stellte den Verein „Wiederaufbau Bhaktapur“ vor.
Die Mitglieder um Vorsitzenden Martin Kohl leisten Hilfe in der nepalesischen Königsstadt. Ein Erdbeben hatte das Unesco-Welterbe im April 2015 stark beschädigt, viele Menschen verloren ihr Leben, 70 Prozent der Altstadt mit ihren jahrhundertealten Tempeln waren zerstört. „Ich kannte Martin Kohl und schlug ihm vor, einen Film über den Verein und seine Arbeit zu machen.“
Der Vorsitzende sei anfangs skeptisch gewesen. „Er wollte sich nicht in den Mittelpunkt stellen“, erinnert sich Neuber. Allerdings gab es gute Argumente: Ein Film hilft beim Spendensammeln und so der Stadt und ihren Menschen. Als Kohl überzeugt war, begann Neuber eine Planung ins Blaue. Den Drehort kannte er von Fotos und aus „Little Buddha“. Der Film mit Keanu Reeves war zu großen Teilen dort entstanden.

Viel Unsicherheit

Doch dies war nicht die einzige Unsicherheit: „Bei einem historischen Film, kann man planen, alles ist abgeschlossen.“ Der Wiederaufbau Bhaktapurs ist ein laufender Prozess. Neuber wusste nicht, wer für Interviews bereit steht, wo er wann würde drehen dürfen. Dazu kamen zeitliche und finanzielle Einschränkung: Abgesehen von einem kleinen OTH-Zuschuss finanzierte Neuber alles selbst. Mehr als drei Reisen waren nicht drin.
Die erste im November 2016 diente der Planung und den Vorgesprächen. Für den Dreh war Neuber dann von 15. März bis 15. April 2017 in Nepal. Im Herbst 2017 folgte die dritte Reise, „eigentlich ein Urlaub.“ Weil sich der Filmschnitt länger zog als geplant und der Film noch nicht fertig war, nutzte er die Zeit für weitere Interviews und Drehs. Das habe den Film verbessert, weil er so den Fortschritt des Aufbaus dokumentieren konnte.
Für Professor Müller wäre der Film wohl auch ohne den Zusatzaufwand ein Vorzeigeprojekt. „Es ist für unserer Hochschule absolut ungewöhnlich, dass jemand so viel Aufwand für eine Masterarbeit betreibt.“ Neuber habe in seinem Film nicht nur bewiesen, dass er das Handwerk des Dokumentarfilmers beherrscht. „Mich begeistert die Recherchearbeit, wie gut Herr Neuber die Interviews vorbereitet hat.“ Dies sei auf dem ersten Blick schwer zu sehen, sorge aber für hohe Qualität.
Einen Teil des Lobs gibt Neuber direkt weiter. „Ich habe Martin Kohl viel zu verdanken.“ Der Kirchenthumbacher Bauunternehmer war 1974 bis 1979 als Entwicklungshelfer in Bhaktapur. Sein Name öffnet auch 40 Jahre später noch die Türen. Dazu kommt die Arbeit des Vereins.
Dieser sorgt für sauberes Trinkwasser und finanziert Schnitzerausbildungen für junge Nepalesi. „Alle Menschen dort kennen und schätzen Martin Kohl“, sagt Neuber. „Der Architekt Rabindra Puri berät die Regierung, tritt regelmäßig im Fernsehen auf. Ich glaube nicht, dass er sich Zeit genommen hätte, wenn ich nur als Student vorgesprochen hätte.“

Typische Bauweise

Neben hochrangigen Gesprächspartnern und Einblicken in Geschichte und Gegenwart des Ortes, lebt der Film aber von der Atmosphäre der Stadt mit Himalaya-Panorama. Auch das Erdbeben konnte ihr diese nicht nehmen. Für Kohl ist Bhaktapur die schönste Stadt Nepals, 172 bis zu 700 Jahre alte Tempelbauten prägen das Stadtbild. „Die für Asien typische Pagoden-Bauweise der Newari-Architektur hat sich von hier aus verbreitet“, sagt Kohl. Neuber hält die Schönheit fest und zeigt gleichzeitig die Zerstörung, die das Erdbeben angerichtet hat.
Während die Aufbauarbeit noch länger dauert, ist der Film inzwischen fertig, vor einigen Tagen feierte er in Kirchenthumbach Premiere. Neuber möchte ihn bei weiteren Filmabenden in der Region zeigen, um Werbung für den Verein zu machen. Und der Filmemacher hat weitere Pläne. Unter anderem auf Dokumentarfilm-Festivals möchte er das Werk vorstellen, der deutsche Botschafter in Nepal hat schon Interesse signalisiert. Und vielleicht wird auch ein Fernsehsender aufmerksam. Professor Karlheinz Müller hält das nicht für ausgeschlossen. „Die Qualität hat der Film.“

Spenden und Termine

Spenden
Wer den Verein „Wiederaufbau Bhaktapur“ unterstützen will, spendet auf das Konto der Raiffeisenbank Oberpfalz Nord-West: IBAN DE78770697640004412761.
Der Film ist zu sehen am Montag, 14. Mai, 19.30 Uhr, im Pfarrsaal Pressath, am Dienstag, 29. Mai, ab 19 Uhr im Taubnschusterhaus in Eschenbach. Am 16. April in Creußen sind Ort und Zeit noch offen. Ein Termin für Kemnath ist in Planung.

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