Pfarrer Edmund Prechtl schmückt an Weihnachten die Pressather Kirche selbst
Des Pfarrers viele Helfer

Reiner Müller ist der Mann für die Lichterketten: Er hat an die Christbäume und das Grün über den Beichtstühlen mehr als 600 Lichter verteilt. Seine Frau Anita hat sich um die Verpflegung der Helfer gekümmert: Am Nachmittag brachte sie Tee, Kaffee, Plätzchen und Kuchen.
Vermischtes
Pressath
23.12.2016
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Aus Seiten eines alten Gotteslobs bastelte Pfarrer Prechtl Weihnachtskugeln, aus Golddraht und Perlen formte er Anhänger für den Lichterbaum.

Auf dem Altar in der Kirche St. Georg stehen statt Bibel und Weinkelch leere Schachteln, rote Kugeln und kleine Äste. In Vorbereitung auf Weihnachten wird der Opfertisch schon mal "zweckentfremdet".

In der Pfarrkirche St. Georg herrscht am Mittwoch vor Weihnachten Trubel: Pfarrer Edmund Prechtl und viele Helfer machen die Kirche weihnachtstauglich. Seit acht Uhr morgens sind der Geistliche und viele Handlanger in der Kirche beschäftigt. Unter anderem haben die Frauen und Männer in und um die Kirche insgesamt zehn Christbäume aufgestellt. Die Bäume in der Kirche haben die Helfer aus den Bayerischen Staatsforsten in Absprache mit den Förstern geholt.

Ideen aus dem Fernsehen

Richard Wolf und Pfarrer Prechtl knien vor dem rechten Seitenaltar unter einem Bogen aus Edelstahl. Ein zwölfzackiger silberfarbener Stoffstern bedeckt den Boden, darauf steht eine von Wolf gemachte Holzkrippe. An der wollen die beiden Männer eine Schraube festdrehen. Doch das ist schwieriger als gedacht. Mit leicht roten Köpfen tauchen die zwei wieder unter der Holzkrippe hervor. "Des Ding will einfach nird", lachen Wolf und Prechtl zusammen.

Der Edelstahlbogen ist durchflochten mit weihnachtlichem Grün und kleinen Lärchenästen. "Meine Neffen haben den Bogen gemacht und auch geholfen, den großen Christbaum in die Kirche zu tragen", erzählt Wolf und deutet auf den sieben Meter hohen Christbaum im Altarraum. "Den schmücken dann die Ministranten", sagt der Pfarrer.

Der Geistliche hat sich viele Gedanken über den Weihnachtsschmuck gemacht. Jedes Jahr fällt ihm etwas Neues ein. Seine Ideen holt er sich aus dem Fernsehen oder von Weihnachtsmärkten. In Erfurt hat er Anhänger entdeckt, die er für den Lichterbaum nachgebastelt hat. Aus goldenem Draht und weißen Perlen entsteht filigraner Schmuck. "Der Herr Pfarrer bastelt das ganze Jahr über", weiß Richard Wolf und lacht. Bei Busfahrten der Pfarrgemeinde belegt der Pfarrer schon mal das Armaturenbrett mit seinen Bastelutensilien. "Meine Hände müssen immer was zu tun haben", erklärt er. "Alles, was mit Basteln zu tun hat, ist eine Katastrophe für mich", sagt der Pfarrer und lacht.

Dass er nach eigener Aussage "schon immer" gern bastelt, ist den Dekostücken, die die Bäume zieren, anzusehen: Fein säuberlich ausgeschnittene Papiersterne hängen neben gefalteten Kugeln aus Seiten eines Gebetsbuchs. "Gotteslob-Endverwertung" nennt Prechtl das und grinst.

Besserer Platz?

Am Vormittag hat Reiner Müller Lichterketten an die Christbäume und an den grünen Zweigen über den Beichtstühlen festgemacht. "Das ist eine blöde Arbeit", sagt Pfarrer Prechtl später und schmunzelt. "Da haben Sie Recht, Herr Pfarrer", kontert Müller, blickt auf seine Finger und muss selber lachen. Schätzungsweise sind es mehr als 600 Lichter, die die Kirche und den Vorplatz ab Heiligabend beleuchten.

Zwischen Moos- und Grasabfällen, einer Leiter und Tüten suchen sich die Helfer ihren Weg. Auf dem Boden liegt eine kaputte rote Kugel. "Das war ich", gesteht Reiner Müller. Mesnerin Alexandra Ermer und Helfer Gerhard Klose tragen einen Lichterbaum - ein weit verzweigter Ast in einem Holzstamm - durch den Mittelgang. Die Träger stellen das Deko-stück vor dem Ambo ab. "Daran kommen Glaskugeln mit Teelichtern", erklärt Pfarrer Prechtl. Und die Drahtgeflechte aus Golddraht. Ob der Lichterbaum seinen Platz vor dem Ambo behält, ist allerdings noch nicht sicher. Während des Nachmittags überlegt der Pfarrer, ob er nicht "ein Stückchen weiter drüben oder dort" besser hinpasst.

Vor dem Altar breitet Richard Wolf Malervlies aus. "Wie groß soll das denn werden?", fragt er dabei den Geistlichen. Nach ein paar Ratschlägen deckt der Lektor und Kommunionhelfer das Vlies mit Moos zu, darauf platziert er Rindenstücke und Äste. Dazwischen findet ein runder Spiegel seinen Raum. Kerzenlicht soll sich später darin widerspiegeln.

Gemeine Schraube

Während Richard Wolf und Pfarrer Prechtl im Altarraum noch die ein oder andere Veränderung vornehmen und Gerhard Klose, Alexandra Ermer sowie Reiner Müller den Christbaum vor der Kirche mit selbstgebasteltem Schmuck behängen, bringt Anita Müller den fleißigen Arbeitern eine kleine Stärkung. In der Sakristei findet sie einen Platz, auf dem sie die mitgebrachten Sachen ausbreiten kann. Aus ihrem Korb holt sie Plätzchen und Kuchen sowie ihr weißes Porzellan. In den Thermoskannen hat sie Kaffee und Tee vorbereitet.

Die kleine Pause am Nachmittag ist bei den Helfern willkommen. Dankbar wärmen sie ihre kalten Hände an den Tassen, langen gerne auf den Kuchenteller und naschen aus der Plätzchendose. "Ich habe hier auch noch Butterbrezen", sagt Anita Müller und zaubert besagte aus dem Korb. Bei der kleinen Pause erzählt sie von den Kostümen für das Krippenspiel, die sie geändert und genäht hat. Pfarrer Prechtl und Richard Wolf tauschen sich noch über die Schraube an der Krippe aus: "Die hat uns so g'hunzt", sagt der Geistliche und Wolf ergänzt: "Schön schaut es nicht aus, da müssen wir noch was machen, das muss zusammenpassen."

Nach ein paar Minuten, einigen Scherzen und viel Gelächter machen sich die Dekorateure wieder ans Werk. Bis zum Abend wollen sie alles geschafft haben. Pfarrer Prechtl sieht es gelassen: "Das geht jetzt schnell", sagt er und eilt von der Sakristei wieder in den Altarraum.

Das ist Gotteslob-Endverwertung.Pfarrer Edmund Prechtl über seinen selbst gebastelten Schmuck aus Seiten eines alten Gebetbuchs
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