31.08.2017 - 20:00 Uhr
PressathOberpfalz

Pressath und Hortobágy feiern Silberhochzeit zweier Gemeinden

"Jó napot kivánok", "Egészségedre" und "Viszontlátásra": Nach 25-jähriger Übung gingen die magyarischen Zungenbrecher den Pressather Pusztafahrern glatt von den Lippen. Zur Freude der Gastgeber.

Bei dem Lied "So ein Tag, so wunderschön wie heute" gab es in Hortobágy keine Sprachbarriere zwischen Gästen und Gastgebern. Zur Akkordeonbegleitung von Konrad Merkl hatte der Pressather "Delegationschor" beim bayerisch-ungarischen Festabend zuvor "Wahre Freundschaft soll nicht wanken" und "Mir san vom Woid dahoam" angestimmt. Bilder: bjp (2)
von Bernhard PiegsaProfil

Hortobágy/Pressath. "Wie ein gesunder Baum ist unsere Gemeindepartnerschaft Jahr um Jahr fester geworden", bilanzierte einer der 13 Pressather Teilnehmer des Jubiläumswochenendes, mit dem das ostungarische Hortobágy und die Haidenaabstadt ihre "Silberhochzeit" feierten.

Wie konnte dieser Brückenschlag über zwei Grenzen und 1000 Kilometer gelingen? Die Antwort fiel den beiden Gemeindeoberhäuptern Marianna Vincze und Werner Walberer beim offiziellen Festakt in der Hortobágyer "Csárda" (Dorfgaststätte) nicht schwer. Drei feste Säulen hätten diese Freundschaft durch wechselvolle Zeiten getragen: der am 26. Juni 1992 in Pressath geschlossene Partnerschaftsvertrag, der jährliche Schüleraustausch und insbesondere die Freundschaften zwischen den oberpfälzischen und den ungarischen Familien.

"Die Menschen sind aufeinander zugegangen, haben sich füreinander interessiert und einander verstanden", freute sich Werner Walberer über das Gelingen einer "wunderbaren Partnerschaft" jenseits von Klischees, Vorurteilen und Verwerfungen der "großen Politik". Marianna Vinczes und Werner Walberers besonderer Dank galt allen, die sich seit den ersten noch informellen Kontakten 1986 (wir berichteten) für die Anknüpfung und Festigung dieser "Gemeinde-Ehe" eingesetzt hatten.

Wie bei der sprichwörtlichen ungarischen Gastfreundschaft nicht anders zu erwarten, hatten die Gastgeber ihr Bestes gegeben, um den deutschen Besuchern unvergessliche Tage zu bereiten. Der Samstag war zunächst einem Abstecher in die Pusztahauptstadt Debrecen gewidmet. Beeindruckt waren die Pressather vor allem von der "Großen Kirche", der Hauptkirche der ungarischen reformierten Gemeinschaft, deren "Hochburg" die zweitgrößte Stadt Ungarns ist. Im "Kollegium", der evangelischen theologischen Hochschule, besuchten sie das Oratorium, wo der Freiheitskämpfer Lajos Kossuth am 14. April 1849 während des antiösterreichischen Nationalaufstands einen allerdings nur kurzlebigen unabhängigen ungarischen Staat ausgerufen hatte.

Wer wollte, konnte am Samstagnachmittag das 300 Jahre alte Gestüt Máta besichtigen, wo die in Südosteuropa beliebte "Nonius"-Pferderasse gezüchtet wird. Viele erfolgreiche Sportpferde seien aus dieser Hortobágyer Zucht hervorgegangen, wusste Dorfarzt Dr. Sándor Baji, der die Führung übernommen hatte. Den Tag beschloss ein "bayerisch-ungarischer Festabend" in der Hortobágyer Schule mit mitreißenden Csárdás-Tänzen des Debrecener Volkstanzensembles, für die sich die Oberpfälzer mit mehreren im Chor vorgetragenen Volksliedern und echten Pressather Bratwürsten revanchierten.

Das Thermalbad von Nádudvar war Ausflugsziel am Sonntag, der Abend war für den "offiziellen Teil" reserviert, bei dem Werner Walberer und Marianna Vincze zuversichtlich in die Zukunft der Gemeindepartnerschaft blickten. "Die entstandenen Freundschaften sind stabil, und unsere Partnerschaft wird sich noch weiter entfalten", wünschte sich Walberer und lud die ungarischen Freunde für 2018 zum Bürgerfest ein. Zufrieden war auch Altbürgermeister Anton Gareis, der die Fundamente der deutsch-ungarischen "Brücke" mitgelegt hatte: "Aus unserer ersten Fahrt in ein unbekanntes Land vor über 30 Jahren ist eine Reise in eine gewisse gemeinsame Zukunft geworden."

Spenden aus der Oberpfalz

Nicht unerwähnt ließ die Hortobágyer Bürgermeisterin Marianna Vincze bei der 25-Jahr-Feier der Kommunalpartnerschaft mit Pressath die großzügige Unterstützung ihrer Gemeinde durch Geld- und Sachspenden aus der Oberpfalz. Diese seien namentlich der 2010 eingeweihten ökumenischen Kirche "Pusztatemplom" und der Sándor-Petöfi-Schule zugutegekommen. In dieser Schule werden derzeit 120 Schüler aus der ganzen Großgemeinde Hortobágy in sieben Jahrgangsstufen unterrichtet. Täglich verkehrende Schulbusse gibt es nicht, stattdessen bringen Busse die etwa 60 Schüler aus abgelegeneren, teils bis zu 20 Kilometer entfernten Orten und Gehöften montagmorgens in den Hauptort, wo sie die Unterrichtstage in einem schuleigenen Wohnheim verbringen und am Freitagnachmittag per Bus nach Hause zurückkehren.

Die nach Sándor (Alexander) Petöfi, einem der bedeutendsten ungarischen Dichter des 19. Jahrhunderts, benannte Schule bietet Fremdsprachenunterricht in Englisch und Deutsch an. (bjp)

Gastfreundschaft

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Deshalb war die Pressather Abordnung nicht mit leeren Händen nach Hortobágy gekommen. Als Gastgeschenke hatten sie nicht nur eine kunstvolle Jubiläumsurkunde, ein seltenes Biskuitporzellanbild mit Pressather Motiven, edle Schreibsets und ein von Edith Bayer geschaffenes Holzkunstwerk "Pressath soll strahlen" im Schwibbogenstil mitgebracht, sondern übergaben auch eine Geldspende zum Kauf zweier Ruhebänke. Diese sollen in einer Grünanlage nahe der Hortobágyer Schule aufgestellt werden. Die Ungarn revanchierten sich mit Wein und passenden Gläsern. (bjp)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp