18.08.2017 - 20:00 Uhr
PressathOberpfalz

Verdi diskutiert über Missstände in Pflegeberufen "Herzlose" Pflege

"Das Herz des Berufes wurde amputiert. Das Soziale kommt immer mehr zu kurz", bedauert Manuela Dietz, zweite Geschäftsführerin des Verdi-Bezirkes Oberpfalz und selbst ehemalige Krankenpflegerin. Der soziale Faktor, wegen dem viele Pflegerinnen den Beruf ursprünglich ergriffen hätten, habe keinen Platz mehr im Arbeitsalltag.

von Redaktion OnetzProfil

Dies ist nur ein Missstand im System der Pflegeberufe - weshalb Verdi am Mittwoch zu einem Diskussionsabend im Gasthof Heining in Pressath einlud. Der Verdi-Ortsverein West hätte sich als Veranstalter mehr Besucher gewünscht. "Der Druck, den die Chefs auf ihr Pflegepersonal ausüben, führt dazu, dass sich die Betroffenen nicht trauen, bei einer Verdi-Veranstaltung mitzuwirken", erklärte sich Dietz die spärliche Resonanz.

"Pflege ist ein brisantes Thema, bei dem die Politik jetzt handeln muss. Die Parteien und Politiker haben das Thema aber gar nicht auf dem Schirm. Auch in den Wahlprogrammen findet sich wenig", macht Thomas Beitz, Vorsitzender des Ortsvereins West, deutlich. "Der Pflegebedarf in Deutschland wird in den nächsten Jahren massiv ansteigen", führt Dietz aus. Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege seien abschreckend für Auszubildende. Zudem mache der Stress im Job häufig krank. Verdi fordert deshalb schnelle Entlastung der Pflegekräfte.

Zudem sei eine Pflegevollversicherung für die Zukunft sinnvoll. Für den Verbraucher bedeute das nur circa ein Prozent mehr Beiträge. Im Ernstfall seien dann aber wenigstens die Kosten gedeckt. "1800 Euro pro Monat für die Pflege im Altenheim könne sich ansonsten kaum jemand leisten", sagte Dietz. Bei Problemen mit der Pflege im Altenheim rät sie: "Auch wenn das Personal überlastet ist, ist es wichtig ehrliche Kritik zu üben und auf Missstände aufmerksam zu machen." Wisse der Arbeitgeber Bescheid, müsse er reagieren und habe die Verantwortung, gegebenenfalls auch Personal aufzustocken.

Dadurch sei die Pflegekraft rechtlich entlastet, weil sie für Versäumnisse, die aufgrund des Arbeitspensums entstehen, nicht mehr haften müsse. "Wenn sich die Pflegekräfte endlich trauen, gemeinsam gegen Missstände aufzustehen und sich zusammentun, ist das eine große Macht in diesem Land", weiß Dietz.

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