13.10.2017 - 20:02 Uhr
PressathOberpfalz

Willi Neuser im Alter von 82 Jahren in Regensburg gestorben Kämpfer für den ländlichen Raum

Er zählte über Jahrzehnte zu den herausragenden Kommunalpolitikern und Persönlichkeiten im Landkreis: Fast sein ganzes Leben lang brachte sich Willi Neuser als unermüdlicher, leidenschaftlicher Streiter für den ländlichen Raum ein. Der Schweinezüchter aus Wollau hat tiefe Spuren hinterlassen. Am Donnerstag starb er überraschend.

Willi Neuser ist am Donnerstag gestorben. Er hat jahrzehntelang die Kommunalpolitik im Landkreis Neustadt an vorderster Stelle mitgestaltet. Der Trauergottesdienst ist am Freitag, 20. Oktober, um 15 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Georg, anschließend Beerdigung. Auf Wunsch der Familie hält Altlandrat Simon Wittmann die Trauerrede für die Politik. Wer etwas unterbringen möchte, soll sich mit dem Tännesberger in Verbindung setzen. Archivbild: Götz
von Martin Staffe Kontakt Profil

Im August musste sich der 82-Jährige an der Uniklinik in Regensburg einer Herzoperation unterziehen. Nach fünf Wochen machte ihm plötzlich ein Keim zu schaffen. Nach Krankenhausaufenthalten in Kemnath und Weiden schloss er am Donnerstagabend im Kreise seiner Familie in der Uniklinik in Regensburg für immer die Augen.

Hart zu arbeiten hat Neuser schon als Kind am elterlichen Hof in Wollau gelernt. Der Vater war im Krieg, die Mutter musste mit vier Kindern fertig werden. Nach der Landwirtschaftschule in Kemnath besuchte er die Bauernschule in Herrsching. Parallel begann seine Arbeit als Ehrenamtlicher. Mit 23 Jahren übernahm er im Altlandkreis Eschenbach den Vorsitz der Katholischen Landjugend. Bis 1977 war er zudem Bezirksvorsitzender des Verbands landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen.

Schon Vater Bürgermeister

Die Kommunalpolitik war ihm praktisch in die Wiege gelegt. Vater Johann war Bürgermeister der Gemeinde Riggau. Anfang der 1960er Jahre trat auch der Sohn der CSU bei. Als er 1970 in den Gemeinderat einzog, wurde er auf Anhieb zweiter Bürgermeister - bis zur Auflösung der kleinen Kommune 1978. Mit einem großen Vertrauensbeweis wurde er im selben Jahr in den Pressather Stadtrat gewählt. 36 Jahre lang, bis 2014, vertrat er engagiert, aber trotzdem stets sachlich die Interessen aller Bürger. "Er war konservativ, aber nicht rückständig", beschreibt ihn sein langjähriger Weggefährte Anton Gareis. Sein Motto sei es gewesen, auf Tradition und Bewährtes zu setzen, ohne dabei die Entwicklungen zu verpassen.

In 15 Wahlen hat sich Neuser dem Votum der Bevölkerung gestellt und dabei immer Spitzenergebnisse eingefahren. Er genoss bei den Menschen hohes Vertrauen und große Glaubwürdigkeit. Sie schätzten, dass er einer von ihnen war. Davon profitiert hat vor allem die CSU im Landkreis Neustadt. 42 Jahre lang - von 1972 bis 2014 - hatte Neusers Stimme Gewicht im Kreistag. Fast 22 Jahre lang war Neuser absolut loyaler und zuverlässiger Landrats-Stellvertreter, zuerst bei Anton Binner und dann bei Simon Wittmann.

Mit seinem Rückzug ebnete er Ende 2011 den Weg für den heutigen Landrat Andreas Meier. Bei seiner Verabschiedung würdigte die damalige Regierungspräsidentin Brigita Brunner, der "Prototyp des Verfechters des ländlichen Raums" habe mit Ehrlichkeit, Verantwortungsgefühl, Menschenfreundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Sachkenntnis die Menschen überzeugt.

Ohne ihn kein Naturpark

Neuser, Landwirt mit Leib und Seele, setzte sich mit aller Kraft für seine Berufskollegen ein. Von 1987 bis 2002 war er BBV-Kreisobmann, von 1992 bis 2002 BBV-Vizepräsident der Oberpfalz. 15 Jahre lang leitete er den Landesverband der bayerischen Schweinezüchter und danach die Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine in Bayern. Er organisierte die Fusion von sieben Schweinezuchtverbänden, um den Züchtern mehr Gehör zu verschaffen.

Der Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse hat sich große Verdienste erworben. Zwei seiner Leistungen dürfen aber nicht unerwähnt bleiben. Ohne ihn hätten die Landwirte nie der Ausweisung des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer zugestimmt. Nicht vergessen haben die Bauern auch sein rücksichtsvolles Verhalten gegenüber den Betroffenen in der BSE-Krise.

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