04.10.2017 - 19:30 Uhr
PressathOberpfalz

Zukunft des Freizeitsees Dießfurt unklar Trübe Aussichten

Der Landschaftsarchitekt verspricht den Bürgermeistern ein Aushängeschild für die Umgebung, spricht von einem Hotel und einem Golfplatz. Die Realität sieht anders aus. Der Freizeitsee Dießfurt ist zum Jahresende ohne Pächter. Seine Zukunft ist noch unklar.

Bis zum Ende des Jahres verschwinden die Maschinen vom Freizeitsee Dießfurt. Bild: Schönberger
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Dießfurt/Pressath. "Im schlimmsten Fall wird aus dem Gelände ein inoffizieller Badesee, der nach und nach vermüllt", erklärt Jürgen Holl vom Bund Naturschutz. Diese Zukunft befürchtet er für den Freizeitsee in Dießfurt, nachdem die Stadt den Pachtvertrag zum Ende des Jahres auslaufen lässt, weil sie sich nicht mit den Bayerischen Staatsforsten als Eigentümer über einen Kauf einigen konnte. Rudolf Zwicknagl von den Bayerischen Staatsforsten beruhigt: "Diese Sorge ist natürlich nicht unbegründet, aber in unserer Hand wird der See nicht vermüllen."

Verschiedene Nutzungsmöglichkeiten sind für den See ab 2018 denkbar. Holl glaubt nicht, dass die Bayerischen Staatsforsten einen Badebetrieb aufbauen wollen. "Sie könnten es für die Fischerei freigeben, wenn sich ein Pächter findet. Dann wird das Areal eingezäunt", erklärt er. Ansonsten bleibt es wohl bei Holls Zukunftsvision eines inoffiziellen Badesees, der Besucher eher abschreckt als anlockt. Dazu meint Zwicknagl: "Wir sind keine Betreiber von Badeanstalten, aber werden die Besucher auch nicht vertreiben."

Suche nach Pächter läuft

Die Suche nach einem Pächter läuft, doch spruchreif ist im Moment noch nichts. "Es gibt Interessenten und wir werden Gespräche führen. Wichtig ist uns, dass wir eine naturverträgliche Lösung finden. Daher suchen wir eine naturnahe und sanfte Lösung, die ins Konzept und die Umgebung passt", klärt Zwicknagl über die Voraussetzungen für einen Pächter auf. Gerne sei er auch bereit, sich mit Verbänden wie dem Bund Naturschutz über die Nutzungsmöglichkeiten zu sprechen, erklärt Zwicknagel. "Die Lösung muss zur Umgebung passen und umsetzbar sein", lautet die Voraussetzung der Bayerischen Staatsforsten für einen Pächter. Ein Hotel oder ein Golfplatz werden es dann wohl eher nicht.

Noch vor einigen Jahren gab Landschaftsarchitekt Franz-Josef Kreuß genau das als Ziel aus. Sterne-Hotel und Golfplatz sollten am Ufer entstehen und Gäste von Regensburg bis Nürnberg anlocken. Die Bevölkerung war damals aufgerufen, in einem Online-Planspiel Ideen einzubringen. Die Vorschläge reichten vom "Jachthafen" bis zum "Eventufer" Dem kreativsten Teilnehmer spendierte der Architekt einen Segeltörn am Steinberger See.

Schon damals habe er "nicht realisierbar" gesagt, erinnert sich Holl und fühlt sich nun bestätigt. "Die Bürgermeister der umliegenden Orte haben mich als Miesmacher hingestellt. Die Pläne waren überzogen und ich habe das in Frage gestellt." Zwicknagl hält sich zurück, denn er war zu dieser Zeit noch nicht im Amt. "Ich weiß, dass sich kein Investor gefunden hat. Ob sie überzogen waren, kann ich nicht beurteilen." Der Flugverkehr des nahen US-Flugplatzes und der Schießlärm des Truppenübungsplatzes lassen aber auch bei Zwicknagl zumindest Zweifel aufkommen. Auch Pressaths Bürgermeister Werner Walberer hält sich mit einer Einschätzung zurück: "Das kann und will ich nachträglich nicht beurteilen, da ich damals noch nicht Bürgermeister war."

Belastung für die Stadt

Die Stadt Pressath zahlte zuletzt jährlich eine fünfstellige Summe für die Sauberhaltung und Pflege des Areals, auch aufgrund der verantwortungslosen Nutzung durch die Besucher. "Finanziell ist das für die Stadt Pressath einfach nicht mehr zu schultern. Wir hatten viel Ärger mit Wildwuchs und Müllentsorgung", erklärt Walberer. Deswegen will die Stadt den Fokus in Zukunft auf den Kiesi-Beach legen.

Die Bayerischen Staatsforsten ließen ein Bauunternehmen Quarzsand und Kies abbauen. "Da wurde eine Abbauzeit von etwa 30 Jahren veranschlagt, inzwischen ist der See so gut wie ausgebeutet. Natürlich ist das wirtschaftlich gewinnbringend, aber nachhaltig ist es nicht ein Loch zu graben und es dann verkommen zu lassen", argumentiert Holl. "Da gibt es ganz klare Auflagen, die die Baufirma beim Abbau der Maschinen erfüllen muss. Die Firma ist bereits mit dem Abzug ihrer Baumaschinen beschäftigt", widerspricht Zwicknagel dem Vorwurf verbrannte Erde zu hinterlassen.

Im schlimmsten Fall wird aus dem Gelände ein inoffizieller Badesee, der nach und nach vermüllt.Jürgen Holl, Bund Naturschutz

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