14.03.2018 - 16:44 Uhr
Pressath

Bessere Arbeitswelt für Ältere

Betriebe sind immer stärker auf ältere Arbeitnehmer angewiesen. Darüber, ob ein 60-Jähriger am Arbeitsplatz noch gut zurechtkommt, wird oftmals zu wenig nachgedacht. Anders bei "WaveLight" in Pressath.

von Siegfried BühnerProfil

"Das Projekt lieferte uns wichtige Erkenntnisse, wie wir mit ergonomischen Maßnahmen Berufskrankheiten verhindern können", berichtete Martin Reichelt, Geschäftsführer der "WaveLight" GmbH. Um dieses Urteil abgeben zu können, war der Geschäftsführer auch selbst in einen Alterssimulationsanzug geschlüpft und hatte sich darin im Materiallager betätigt.

"Alterssimulation an Arbeitsplätzen in der Medizintechnik" lautet der Name des Projekts, das im Zweigbetrieb Pressath des medizintechnischen Unternehmens "WaveLight" der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Dazu waren Vertreter der OTH Amberg-Weiden und der Geschäftsleitung des Unternehmens zusammengekommen.

OTH-Professor Ralf Ringler leitete die Untersuchungen, für die auch die Bachelor-Arbeit des früheren Medizintechnik-Studenten Philip Bertelshofer die Grundlage bildete. Ausgangsfrage war laut Ringler "Sind die Arbeitsplätze in medizintechnischen Unternehmen fit für den demografischen Wandel?" Getestet werden sollte somit auch die Zusammenarbeit von Jung und Alt im Betrieb. Ringler und Bertelshofer stellten die wichtigsten Ergebnisse vor. So unter anderem: "Es entsteht eine große Belastung durch schlechtes Sehvermögen im Alter" oder auch "Es kommt zu Zeitverlusten bei der Montage, weil die falschen Schrauben entnommen werden".

Besonders schwer sei es den Versuchspersonen gefallen, die vorgeschriebenen Schutzfolien über die Schuhe zu ziehen. Der Puls steige stark an, wenn die Arbeiten immer schwerer fallen. Das Spektrum der untersuchten Arbeitsgänge war breit, es reichte vom Leitersteigen im Lager über das Lesen von Produktinformationen bis hin zur Software-Bedienung. Zahlreiche Verbesserungsvorschläge wurden entwickelt, zum Beispiel optische Kennzeichnung der Werkzeuge oder Änderungen der Vorratsbehälter. Schreibtischgestaltung, Licht, Schriftgrößen und altersgerechtere Software zählen ebenfalls dazu.

Im Pressather Zweigbetrieb von "WaveLight" werden Augenlaser-Anlagen montiert. Dort arbeiten Arbeitnehmer verschiedenster Altersgruppen. Drei Monate lang liefen die Untersuchungen zur Verbesserungen der Arbeitsplatzgestaltung von älteren Arbeitnehmern. Dabei schlüpften die verschiedensten Arbeitnehmer, ältere und jüngere, als Versuchspersonen in den von der OTH zur Verfügung gestellten Alterssimulationsanzug und verrichteten ihre gewohnte Arbeit. Wer sich in diesem Anzug befindet, der kann von den Untersuchungsführern nicht nur hinsichtlich Motorik und Bewegungsgeschwindigkeit gemessen werden, sondern auch in Bezug auf Herzfrequenz, Blutdruck und EKG.

Unterschiedliche Programmierungen des Anzugs schaffen unterschiedliche altersbedingte Leistungseinschränkungen. Dabei geht es um Bewegungseinschränkungen sowie das Hören und Sehen. Die Kontrolluntersuchung ohne Anzug liefern die entsprechenden Vergleichsdaten.

Sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Untersuchung war Geschäftsführer Reichelt. "Wir wollen unserer Verantwortung als Arbeitgeber nachkommen und kreativ über die Arbeitsplatzgestaltung nachdenken." Dabei gehe es auch darum, die Arbeitnehmer möglichst lange im Betrieb zu halten und Langzeiterkrankungen zu verhindern.

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