05.03.2018 - 20:10 Uhr
Pressath

"Passgenau" für die Region 700 Besucher bei Ausbildungsmesse in Pressath

Die SPD-Ausbildungsmesse im Städtedreieck hilft Azubis und Ausbildern zusammenzufinden. Am Samstag gewährt sie in Pressath aber auch Einblick, welche Berufe im Trend liegen und an welchen Ständen die Eltern ihre Kinder "regelrecht vorbeilotsen".

Gemeinsam wollen Kommunalpolitiker und Ausbildungsstätten die Attraktivität des oft unterschätzten Kooperationsraums Vierstädtedreieck stärken. Darüber freut sich auch Landtagsabgeordnete Annette Karl (mit Blumenstrauß). Siebenter Erwachsener von rechts: Organisator Bernhard Stangl. Bilder: bjp (4)
von Bernhard PiegsaProfil

"Unsere Ausbildungsmesse findet zum fünften Mal statt: Das zeigt, dass wir eine Marktlücke gefüllt haben." Der Zuspruch am Samstag gab Organisator und Pressather Stadtrat Bernhard Stangl recht: 40 Unternehmen, Dienstleister und Ausbildungsstätten von der Altenpflegeschule bis zur Zollverwaltung und ein Rekordbesuch von rund 700 Schülern sprechen für sich. "Wir sind eine Aufsteigerregion mit hochwertigen Arbeitsplätzen und motivierten jungen Menschen. Es geht darum, beides passgenau zusammenzuführen", lobte SPD-Landtagsabgeordnete und Schirmherrin Annette Karl die Initiative der vier Ortsvereine. Nicht minder zufrieden zeigte sich Pressaths Bürgermeister Werner Walberer: "Die Ausbildungsmesse belegt, dass man für einen innovativen Ausbildungsplatz nicht in die Ballungszentren abwandern muss."

Seine Stadt mache keine Ausnahme, freute sich Walberer und verwies auf Maschinenbauer Lippert mit gut 40 und Autoteileversand ATP mit über 20 Ausbildungsplätzen. Sie und andere Lehrstellenanbieter stehen seit Jahren in Konkurrenz, die Nathalie Hirmer von der Personalabteilung der Aldi-Süd-Regionalzentrale in Regenstauf pointiert beschrieb: "Nicht mehr wir suchen die Azubis aus, sondern die Azubis suchen uns aus."

"Demografischer Wandel" mit sinkenden Schulabgängerzahlen bei einer immer bunteren Palette an Berufsbildern: Da verwundert es nicht, dass auch traditionelle Azubi-Favoriten sich nicht mehr verlassen können, alle Plätze zu besetzen. "Die Besetzung der Lehrstellen wird in jedem Jahr aufs Neue spannend. Heuer haben wir noch Plätze", berichtete Alexandra Dippl von der Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz. Ein Stück weit habe dies damit zu tun, dass das schlechte Image der Großbanken auf regionalen Geldinstitute abfärbe, schätzte die Ausbilderin.

Von ähnlichen Erfahrungen erzählte Angela Schecklmann-Braunreuther von der Versicherungsagentur Karl Schecklmann: Das Branchenimage sei offenbar so, dass "Eltern ihre Kinder regelrecht an unserem Stand vorbeilotsen". Freilich seien sich Jugendliche der Bedeutung von Versicherungen kaum bewusst: "Darum kümmern sich meist die Eltern." Auch viele handwerkliche Unternehmen kämpfen gegen Vorurteile. Dass etwa ein modernes Fleischwarenunternehmen ein High-Tech-Betrieb ist, der neben Metzgern und Verkäufern auch Kaufleute für Büromanagement und Lagerlogistik-Fachkräfte ausbildet, sei wenig bekannt, bedauerte Personalerin Ulrike Öttl von Gugel Grafenwöhr. Polier Mathias Hautmann von Markgraf-Bau vermutete noch einen Grund fürs mäßige, wenngleich wieder wachsende Interesse am Handwerk: "Unsere Alltagsberufe kommen im Fernsehen, eher am Rande vor." Gewiss stelle eine Arbeit "am Bau" körperliche Anforderungen: "Deshalb gelten unsere Berufe noch als Männerdomänen." Doch weiß Hautmann aus eigener Berufserfahrung: "Maßvolle körperliche Beanspruchung und frische Luft - da sieht man den Arzt fast nie."

"Copy and paste" geht gar nicht

Die "Jugend von heute" - eine "Null-Bock-Generation"? So sei es nicht, widersprachen die Unternehmensvertreter bei der Ausbildungsmesse. Lernbereit und ehrgeizig seien vor allem die Jugendlichen aus ländlichen Gegenden, so die herrschende Meinung. Vereinzelt beklagten sich Ausbilder über eine in den letzten Jahren tendenziell schwächere Qualifikation und Motivation der Berufsanfänger. Schon die Bewerbungsschreiben ließen häufig zu wünschen übrig, schilderte Versicherungsagentin Angela Schecklmann-Braunreuther eigene Eindrücke: "Wenn jemand das Anschreiben mit 'Ich möchte mich um eine Ausbildungsstelle zur Versicherungskauffrau bewerben' beginnt und mit 'Ich bin überzeugt, die Anforderungen einer Tätigkeit als Steuerfachangestellte zu erfüllen' beschließt, ist klar, dass nur eine Textvorlage kopiert und nachlässig umformuliert wurde. Über das Interesse des Bewerbers sagt das genug." Zwar komme es nicht allein auf Formalien und Noten an: "Aber grobe formale und rechtschreibliche Fehler gehen gar nicht." Ähnlich urteilte Ausbilderin Melanie Slama vom Pressather Autohaus Graser. (bjp)

Nicht mehr wir suchen die Azubis aus, sondern die Azubis suchen uns aus.Nathalie Hirmer, Aldi Süd
Die Besetzung der Lehrstellen wird in jedem Jahr aufs Neue spannend. Heuer haben wir noch Plätze.Alexandra Dippl, Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz
Unsere Alltagsberufe kommen im Fernsehen, eher am Rande vor.Mathias Hautmann, Markgraf-Bau

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