Das Züricher Casals-Quartett landet einen Volltreffer in die Hörerherzen
Klassik mit Schweizer Präzision

Das casalQuartett: Felix Froschhammer, Rachel Späth, Markus und Andreas Fleck
Kultur
Püchersreuth
20.08.2017
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Am Samstagabend nimmt die Schweiz Wurz in Besitz. Wie vor drei Jahren gewinnen die vier Musiker des "casalQuartetts" mit hellwachen Interpretationen von Mozart, Schubert und Schumann die Herzen der Zuhörer.

Wurz. 21 Jahre Zusammenspiel und über 1500 Konzerte bleiben nicht ohne schwerwiegende Folgen: Als "Frucht langer und mühevoller Arbeit" (Mozart im Vorwort zu seinen sechs Haydn-Quartetten) hat sich das "casalQuartett" einen Platz unter den besten des Fachs erworben. Primarius Felix Froschhammer mit samtig-schmelzendem Ton, mit mehr Seide als Stahl, beflügelt seine Kollegen mit blühender poetischer Fantasie. Eng mit ihm korrespondiert der selbstbewusst präsente Bratschist Markus Fleck mit außerordentlich fülligem, klarem Ton. Seine Moderationen schweißen den direkten Draht zum Publikum. Weniger Umschweifigkeit würde Längen vermeiden.

Züricher Novellen

Andreas Fleck erdet den Klang mit sonoren Cello-Bässen, die immer deutlich sprechen, niemals nur dunstigen Bassnebel verbreiten. Als ideal erweist sich der plastisch artikulierende, klassische Cello-Bogen für Mozart, der moderne Tourte-Bogen ab Schubert. Einen Fels an Zuverlässigkeit bildet das Spiel der Geigerin Rachel Späth, die Gefahr allzu dominierender Bühnenpräsenz stellt sich nicht.

Die "casalQuartettisten" spielen im Stehen mit Tablet. Immer alle Noten im Speicher, keine Licht- oder Windprobleme, kein hektisches Blättern, das gibt dem Spiel eine Extraprise überlegener Souveränität. Die kühne Adagio-Einleitung zu Mozarts "Dissonanzenquartett" KV 465 sehen die Musiker als visionäre Frage nach der Zukunft von Tonalität und Kompositionsstil. Sie findet Widerhall im Andante, dessen hartnäckig fragendes 5-Ton-Motiv man selten so changierend, immer wieder neu gestaltet gehört hat. Außergewöhnlich plastisch gelingen die Affektkontraste, ein Traum sind die geschmackvoll und elegant gestalteten Übergänge dazwischen. Hinreißend ist die auch sichtbare musikalische Geste, herzerfrischend Witz wie Dramatik. Schuberts Quartettsatz c-Moll D 800 erklingt mit beklemmender Düsterkeit, elektrisierender Dramatik, ohne jede biedermeierliche Süße.

Im Strudel der Gefühle

Und es ist noch eine Steigerung möglich: bei Schumanns Quartett A-Dur op. 41/3. Hochvoltige Spannung, bebende Leidenschaft, glasklare Deklamation wie schwelgende Melodik, furiose Wut, da erleben wir den feurigen 32-jährigen Robert, da klingt nur sehr selten seine depressiv gefährdete Psyche an. Jubelfeuer im Publikum, Dankesworte und -applaus für die verdienstvolle Hausherrin Rita Kielhorn, als Dreingabe ein delikater Glasunow.

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Weitere Informationen:

http://casalquartett.ch/
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